Neue Luther-Altarbibel übergeben

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Superintendent Klaus Majoress (r.) überreicht im Beisein von Pfarrer Dirk Grzegorek (l.) Uwe Röther und Anneliese Schweizer die Altar-Bibeln für die Friedens- und Christuskirche.

Werdohl - Der für den Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg zuständige Superintendent Klaus Majoress hat am Sonntagvormittag im Rahmen des Gottesdienstes in Eveking die neuen Luther-Altarbibeln für die Christus-, Friedens- und Kreuzkirche überreicht.

Damit erfüllte er den überregionalen Auftrag von Präses Annette Kurschuss, wonach jede Kirchengemeinde in der Evangelischen Kirche von Westfalen 2017 eine solche besondere Ausgabe erhalten soll.

Die neue Heilige Schrift, die von den Werdohler Presbyteriumsmitgliedern Anneliese Schweizer, Uwe Röther und Gerd Petersmann als Geschenk der Landeskirche entgegengenommen wurde, findet ihren Platz auf den Altären der drei genannten Gotteshäuser. Die bisherigen Bücher werden jeweils in der Sakristei aufgehoben, so die Regelung.

Damit die von Martin Luther übersetzte Bibel nicht zum sprachlichen Museumsstück wird, hat die evangelische Kirche sie seit Ende des 19. Jahrhunderts mehrfach überarbeiten lassen, um sie einerseits der sprachlichen Entwicklung der Menschen und andererseits dem aktuellen Stand der Wissenschaft anzupassen. Für das Alte Testament, so kann man nachlesen, geschah das zuletzt 1964. Die Anpassungen für das Neue Testament wurden 1984 vollzogen.

Seither ist die Bibelwissenschaft allerdings nicht stehen geblieben. Genauere Textquellen wurden gefunden, und andererseits hat sich das Wissen um die Hintergründe einzelner Begriffe verbessert. Aus diesem Grund hatte der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland 2010 den Beschluss gefasst, die Luther-Bibel vor dem Reformationsjubiläum noch einmal gründlich auf mögliche Verbesserungen durchzusehen und gegebenenfalls Änderungen vorzunehmen.

Das Ergebnis, so hat schließlich Dr. Heinrich Bedford-Strohm, der Vorsitzende des Rates der EKD, in einer Schrift festgestellt, überzeuge gleichermaßen durch Vertrautheit und Verlässlichkeit. Folgerichtig kam seine Empfehlung, die neue Luther-Bibel zu verwenden. Zitat: „Nutzen Sie das Jubiläumsjahr der Reformation für sich, um mit der Luther-Bibel 2017 das Vertraute neu zu entdecken.“

In nur elf Wochen gelang es Martin Luther 1522, das Neue Testament aus dem griechischen Urtext ins Deutsche zu übersetzen. In seiner Zeit war die Heilige Schrift in lateinischer Sprache fast ausschließlich der Oberschicht zugänglich. Ziel war es jedoch für Luther, dass all seine Landsleute die Bibel lesen können. Die gewählte, bildhafte und lebensnahe Sprache förderte die rasche Verbreitung der Schrift ebenso, wie der gerade erst erfundene Buchdruck.

Diese Bibel habe die deutsche Sprache, Mentalität und Geschichte mitgeprägt, heißt es – und Bundespräsident Joachim Gauck stellte gar fest: Wir Deutsche wären möglicherweise ganz andere und würden unter Umständen anders denken und sprechen. Superintendent Klaus Majoress formulierte es knapp aber treffend: Die damals von Luther übersetzte Bibel „wurde zum Kern des Glaubens“. Dass sie auf dem Altar aufgeschlagen liege, sei ein Signal: Über die Bibel spreche Gott uns an.

Natürlich kann jeder die neue Lutherbibel im Buchhandel käuflich erwerben. Was sie kostet, wird in einem Informations-Blatt so beschrieben: „Damals kostete sie so viel, wie ein Ochse mit einem Karren. Heute kostet sie so viel wie eine viertel Tankfüllung eines Mittelklassewagens“.

Von Rainer Kanbach

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