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Neue Lüftungsanlage für Gesamtschule: 790.000-Euro-Projekt wird nur zufällig bekannt

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Von: Volker Heyn

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Im Sommer 2016 bekam die Albert-Einstein-Gesamtschule mit ihren 160 Räumen komplett neue Heizungsrohre und eine intelligente Heizungssteuerung. Jetzt ist die jahrzehntealte Lüftungsanlage an Werdohls größter Schule kaputt und muss für 790 000 Euro ersetzt werden.
Im Sommer 2016 bekam die Albert-Einstein-Gesamtschule mit ihren 160 Räumen komplett neue Heizungsrohre und eine intelligente Heizungssteuerung. Jetzt ist die jahrzehntealte Lüftungsanlage an Werdohls größter Schule kaputt und muss für 790 000 Euro ersetzt werden. © Michael Koll

Nur durch einen Antrag der CDU zum Haushalt ist an die Öffentlichkeit gekommen, dass die Lüftungsanlage der Albert-Einstein-Gesamtschule defekt ist und für mehr als eine dreiviertel Million Euro erneuert werden muss.

In der ursprünglichen Antragsfassung wollte die CDU sogar einen Sperrvermerk der 790 000 Euro für den Haushalt 2022 anbringen lassen. Nach der allein von der CDU angestoßenen Diskussion beschloss der Rat, auf die umstrittene Sanierung der Fassade der Sporthalle Riesei komplett zu verzichten und dadurch frei werdende Fördermittel auf die Lüftungsanlage umzuwidmen.

Es war ebenfalls ein Antrag der CDU, die Fassadensanierung der Sporthalle endlich aufzugeben. CDU-Fraktionsvorsitzender Stefan Ohrmann hatte das so begründet: „Die Fassadensanierung und insbesondere die Art der Ausführung waren mehrfach Diskussionsgegenstand im zuständigen Ausschuss. An der Sinnhaftigkeit dieser geplanten Maßnahme bestehen nach wie vor erhebliche Zweifel. Auch ist die Maßnahme mehrfach verschoben worden und daher völlig unzweifelhaft, dass der vor Jahren gesetzte Kostenrahmen heute bei weitem nicht mehr ausreichend sein würde.“

„Dringendes Projekt“: Passiert ist letztlich nie etwas

Zur Erinnerung: 2018 hatte die städtische Gebäudeverwaltung die energetische Erneuerung der Sporthallen-Außenhülle als absolut dringlich und zwingend dargestellt. 285 000 Euro waren dafür sogar in den Haushalt eingeschrieben worden. Quer durch alle Fraktionen war in den Jahren danach immer wieder über den Sinn der Maßnahme diskutiert worden. Passiert war aber letztlich nie etwas.

Zurück zum Rat: Nachdem die Fassadensanierung der Sporthalle quasi im Handstreich vom Tisch war, kam die Diskussion wieder auf die defekte Lüftungsanlage der Gesamtschule. Dirk Middendorf, CDU-Ratsherr und Vorsitzender der Baukommission, zeigte sich irritiert: „Wie ist denn diese 790 000-Euro-Maßnahme da hineingerutscht?“ Die Baukommission sei nie informiert worden, auch im Ausschuss für Bau- und Liegenschaften sei das niemals ein Thema gewesen. Middendorf lenkte sofort ein: „Wenn die neu gemacht werden muss, ist das ok. Aber wir wollen diese für uns komplett neue Maßnahme bitte erläutert haben.“ 790 000 Euro sei ja nicht gerade wenig Geld.

Antrieb erfolgt noch per Keilriemen

Bürgermeister Späinghaus (SPD) entschuldigte sich in aller Form bei der CDU, dass die Baukommission tatsächlich nicht informiert wurde. Aber ob die Christdemokraten unbedingt einen Sperrvermerk bräuchten? Bei der Umsetzung des Digitalpaktes an der AEG sei aufgefallen, dass die jahrzehntealte Lüftungsanlage kaputt sei: „Die ist so alt, die wird tatsächlich noch mit Keilriemen angetrieben.“ Mit der Planung der neuen Anlage sei man in der Verwaltung schon ziemlich weit, ein Sperrvermerk für den Haushalt würde die dringend nötige Maßnahme vermutlich zeitlich verzögern.

Nein, einen Sperrvermerk brauche man nicht, hieß es bei der CDU. Man vertraue der Verwaltung, sagte CDU-Sprecher Ohrmann leicht süffisant Richtung Bürgermeister, der in früheren Diskussionen ein ums andere Mal um einen Vertrauensvorschuss der Christdemokraten gebeten hatte. Selbstverständlich werde die Maßnahme in der Baukommission ausführlich vorgestellt, man habe ja nichts zu verheimlichen, so Späinghaus.

Kämmerin hat eine gute Nachricht

Kämmerin Kunze-Haarmann konnte zum Ende der Debatte eine gute Nachricht beisteuern: Just am Tage der Ratssitzung und erst seit wenigen Stunden in Kenntnis der CDU-Anträge habe sie sich beim Fördergeber erkundigt. Wie im Antrag von der CDU gewünscht habe sie nachgefragt, ob die 266 000 Euro Fördermittel für die Erneuerung der Lüftungsanlage verwendet werden können, wenn auf die Fassadensanierung verzichtet würde. Die Antwort der Bezirksregierung: Ja, die in Aussicht gestellten 266 000 Euro aus dem Kommunalinvestitionsförderungsgesetz des Landes könnten höchstwahrscheinlich in die Lüftungsanlage des Schulgebäudes umgewidmet werden.

Nachdem während der Diskussion die SPD durch Jan Vidal Canas ihre Zustimmung avisierte, wurde am Montag mit den Stimmen aller vier Fraktionen dieses Vorgehen beschlossen.

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