Stadtrat entscheidet

Neue Gerätehäuser für die Feuerwehr: Das sind die Optionen

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Das Drehleiterfahrzeug der Werdohler Wehr parkte im vergangenen Jahr schon einmal auf dieser Fläche am Grasacker. Auf diesem Grundstück, derzeit als öffentlicher Parkplatz genutzt, soll das Gerätehaus Stadtmitte entstehen.

Werdohl – Der Rat wird sich in seiner letzten Sitzung dieser Wahlperiode am Montag, 28. September, noch einmal mit dem Neubau der Feuerwehrgerätehäuser für den Löschzug Stadtmitte und für die Löschgruppe Brüninghaus befassen.

Nach jahrelangen Planungen und Überlegungen könnte in dieser Sitzung der Durchbruch gelingen. 

Seit rund zwölf Jahren ist bekannt, dass die Feuerwehrgerätehäuser in der Stadtmitte und auf dem Gelände der früheren Firma Brüninghaus erhebliche Mängel aufweisen: DIN-Vorgaben und Unfallverhütungsvorschriften können nicht eingehalten werden, die Tordurchfahrten sind zu niedrig und zu schmal, sodass moderne Fahrzeuge nicht hindurch passen. Bereits im 2008 erstellten Brandschutzbedarfsplan sind diese Probleme aufgezeigt worden, seit 2016 befasst sich der Rat intensiv mit Lösungsmöglichkeiten. Eine Möglichkeit sollte der mit 3,7 Millionen Euro kalkulierte Bau eines gemeinsamen Feuerwehrgerätehauses für beide Einheiten auf einem städtischen Grundstück am Grasacker sein. Bereits 2020 sollte dieses Gebäude fertig sein. Dann aber pochte die Löschgruppe Brüninghaus unter Hinweis auf einzuhaltende Hilfsfristen auf einen eigenen Standort im Bereich des Stadtteils Königsburg. Die Planung musste im Sommer 2019 von vorne beginnen. 

Ratsfraktionen haben sich auf Neubau geeinigt

Mittlerweile haben sich die Ratsfraktionen auf einen Neubau für den Löschzug Stadtmitte am Grasacker geeinigt. Wo das Gerätehaus für die Löschgruppe Brüninghausen gebaut werden soll, ist noch offen, in der engeren Wahl sind zwei städtische Liegenschaften im Bereich Im Ohl/Wintersohl. Alles zusammen könnte rund 8,8 Millionen Euro kosten. 

Über die Umsetzung der Baupläne gab es aber zuletzt unterschiedliche Auffassungen: Sollte die Stadt selbst als Bauherr auftreten oder die Dinge lieber einem Investor überlassen? Auf Drängen der CDU wurde im November 2019 in den Haushaltsplan für 2020 ein Sperrvermerk eingebaut, um zunächst prüfen zu können, ob sich ein Investorenmodell für die Stadt rechnet. Bürgermeisterin Silvia Voßloh (CDU) hatte zwar davor gewarnt, dass dadurch eine Verzögerung eintreten könnte, letztlich blieb sie mit dieser Meinung aber allein. 

Gemeinsame Vorlage der Verwaltung

Jetzt schreiben Kämmerin Vanessa Kunze-Haarmann, Ordnungsamtsleiterin Andrea Mentzel und der für Bauen zuständige Abteilungsleiter Thomas Schroeder in einer gemeinsamen Beratungsvorlage für den Rat, dass „Verzögerung bei der aktuellen Aufgabenstellung unvermeidbar“ sei. Sie begründen das damit, dass ja zunächst die verschiedenen Varianten miteinander verglichen werden müssten, bevor man in die nächste Planungs- beziehungsweise Leistungsphase einsteigen könne. „Um zu verhindern, dass das Bauprojekt ins Stocken gerät und es zu zeitlichen Verzögerungen kommt, schlägt die Verwaltung dem Rat deshalb vor, auf die Prüfung des Investorenmodells zu verzichten und den Sperrvermerk aufzuheben“, heißt es in dem Beratungspapier für die Sitzung am Montag. 

Die Verwaltung spricht sich damit ganz klar dafür aus, Planung und Bau der Gerätehäuser in städtischer Hand zu lassen. Zwar fehlten noch Zahlen, um die wirtschaftlichste Durchführungsmethode ermitteln zu können, räumt die Verwaltung ein. Es könne aber allgemein festgestellt werden, dass bei einem Investorenmodell ein Risiko- und Gewinnaufschlag einkalkuliert wird, während sich bei einer Kreditaufnahme für einen Bau in Eigenregie das Zinsniveau aufgrund der Sonderkonditionen für Kommunen derzeit im Minusbereich befinde. 

Feuerwehr mahnt zur Eile

Die Feuerwehr mahnt den Rat mittlerweile zur Eile. Kurz vor den Kommunalwahlen hatten Einsatzkräfte noch öffentlichkeitswirksam vor dem Rathaus demonstriert, jetzt äußerte sich Feuerwehrchef Kai Tebrün auf Nachfrage zum Thema: „Wir erwarten, dass der Bau jetzt sehr schnell geplant und umgesetzt wird“, formulierte er den Wunsch der Feuerwehr. „Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren“, sagte er mehrfach und verwies dabei insbesondere auf das Gerätehaus der Löschgruppe Brüninghaus, das „in einem sehr, sehr schlechten Zustand“ sei. 

Der Bau der neuen Feuerwehrhäuser ist für Werdohl auch aus einem anderen Grund wichtig. Er ist nämlich eine Auflage einer Ausnahmegenehmigung, die die Arnsberger Bezirksregierung Werdohl im Februar erteilt hat. Nur damit darf Werdohl den Brandschutz weiterhin mit einer Freiwilligen Feuerwehr gewährleisten, anderenfalls müsste sie eine Feuerwache mit hauptamtlichen Kräften einrichten. Die Ausnahmegenehmigung läuft am 31. Juli 2023 ab.

Die öffentliche Ratssitzung findet am Montag, 28. September, ab 17 Uhr unter Einhaltung von Corona-Schutzmaßnahmen im Festsaal Riesei statt.

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