Im neuen Jahr geht es los

Neubau der Lennebrücke: So sieht die Planung von Straßen.NRW aus

Projektleiter Christoph Klappert von Straßen.NRW zeigt ein Foto der Behelfsbrücke, die im kommenden Jahr aus diesem Blickwinkel rechts neben der Lennebrücke errichtet wird. Der Zusammenbau aus einzelnen Stahlteilen wird spektakulär, das Zersägen des alten Bauwerks auch.
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Projektleiter Christoph Klappert von Straßen.NRW zeigt ein Foto der Behelfsbrücke, die im kommenden Jahr aus diesem Blickwinkel rechts neben der Lennebrücke errichtet wird. Der Zusammenbau aus einzelnen Stahlteilen wird spektakulär, das Zersägen des alten Bauwerks auch.

Gleich im neuen Jahr soll es voran gehen mit dem Neubau der seit 2014 halbseitig gesperrten Lennebrücke. Projektleiter Christoph Klappert und Pressesprecherin Julia Ollertz von der Straßen.NRW-Regionalniederlassung Südwestfalen in Netphen waren eigens nach Werdohl gereist, um das geplante Bauwerk im Detail vorzustellen.

Es geht der Behörde dabei auch um Glaubwürdigkeit und das Verständnis für die Abläufe bei solchen Großprojekten. Wenn die neue Brücke tatsächlich in 2024 fertig sein sollte, sind immerhin zehn Jahre nach der Mängelfeststellung vergangen.

Zu viel Zeit verloren habe man eigentlich nicht, so Klappert. Straßen.NRW habe zum Beispiel keinen Einfluss auf Entscheidungen übergeordneter Behörden oder auf das Verhalten von Privatleuten. Auch beauftragte Bauunternehmen arbeiten nicht immer so schnell, wie sich der Bürger das vorstelle. Ein Brückenneubau sei eine komplexe Sache und Genauigkeit und Sicherheit stünden an oberster Stelle. Ein Brückeneinsturz mit Todesopfern aufgrund von fehlerhafter Planung oder schlechter Ausführung dürfe es einfach nicht geben.

Wasserbau sorgte für Verzögerungen

Zeitliche Schwierigkeiten habe besonders der Wasserbau gemacht, erklärte Klappert. Ursprüngliche Planungen hätten vorgesehen, dass Wasser über den Obergraben abzuleiten, um bei Niedrigwasser besser arbeiten zu können.

Es sei deshalb ein Schock für alle Beteiligten gewesen, als klar wurde, dass der Obergraben vom privaten Betreiber des Wasserkraftwerkes verstärkt werden musste. Der wasserführende Tunnel zur Turbine sei einsturzgefährdet gewesen, nach einer Besichtigung durch die Bezirksregierung habe die Behörde die Anlage sofort stillgelegt. Bis der Eigentümer die Anlage und den Obergraben wieder betriebssicher hatte, sei ein Jahr ins Land gegangen.

Brücke soll bei Vollstau gebaut werden

Mittlerweile habe sich Straßen.NRW dazu entschlossen, die Brücke bei Vollstau zu bauen, um an dieser Stelle nicht weiter auf private Unternehmer angewiesen zu sein.

Der steinerne Logenplatz auf die Brückenbaustelle ist schon gebaut.

Eine gute Zusammenarbeit habe es mit Pumpen Brinkmann gegeben, die einen Teil ihres Betriebsgeländes und Parkplätze für die Zeit der Behelfsbrücke zur Verfügung stellen. Für die zu fällenden Bäume und die Parkplätze bekommt Brinkmann eine Entschädigung.

Behelfsbrücke soll so schnell wie möglich entstehen

Längere Zeit nehme auch die Eigenplanung von Baufirmen in Anspruch, die Aufträge bei Straßen.NRW gewinnen. Christoph Klappert berichtet aus Erfahrung. Die Ausschreibungsplanung sei nie genau genug für die Firmen, die ihrerseits Zeit benötigten, um ihre eigenen Pläne anhand der Vorgaben zu erstellen. „Die Behelfsbrücke soll so schnell wie möglich entstehen“, so Klappert. Im Januar werde die Ausschreibung für die Widerlager und den Pfeiler geprüft, der Auftrag soll im Juni vergeben sein. Bei der Behelfsbrücke handelt es sich um das „schwere Festbrückengerät SS 80“ des Bundes. Die Fachwerkstahlkonstruktionen stammen noch aus der Zeit des Kalten Krieges. Der Bund lagert die Elemente und verleiht sie an die Länder.

Die einzelnen Segmente sind 14 Meter lang und werden in einem spektakulären Taktschiebeverfahren von Werdohler Seite aus frei über die Lenne gepresst. Die Brücke ist 80 Meter lang und 9,72 Meter breit, darauf ist eine doppelte Fahrspur und daran ein Gehweg. Die Brücke wiegt einschließlich Gehweg 332 Tonnen, die Vorbauten und Träger bringen noch einmal 84 Tonnen. Die Brücke besteht aus 1200 Einzelteilen und wird von 6270 Schrauben zusammengehalten. Die Widerlager bestehen aus 270 Kubikmeter Stahlbeton.

Spundwandkasten wird ins Lennebett gerammt

Ins Lennebett wird ein Spundwandkasten für einen Pfeiler gerammt. Der Aufbau der Brücke wird etwa ein halbes Jahr dauern. Diese Angaben sind so genau, weil diese Art von Brücke vor Kurzem in Gevelsberg errichtet wurde. Die Werdohler Behelfsbrücke wird etwa zwei Millionen Euro kosten. Zeitgleich im nächsten Jahr werde an Genehmigung und Ausschreibung der neuen Brücke gearbeitet, sodass es möglichst nahtlos weitergehen könne.

So stellt sich Straßen.NRW den Zeitplan vor

Behelfsbrücke: Veröffentlichung der EU-weiten Ausschreibung März/April 2021; Auftragsvergabe Juni 2021; Baubeginn ab Juli 2021; erste sichtbare Bautätigkeit im Laufe des August 2021; vertragliche geplante Fertigstellung Ende 2021.

Neubau der Lennebrücke: Einreichung des Entwurfs beim Bundesverkehrsministerium im ersten Quartal 2021; Rücklauf der Genehmigung wird erwartet für Anfang drittes Quartal 2021, anschließend Einstellung in den Haushalt für 2022; Erstellung der Vergabeunterlagen und Veröffentlichung Mitte August 2021; Auftragsvergabe bis Jahresende 2021; Baubeginn ab April 2022; Fertigstellung Sommer/Herbst 2024.

Die alte Lennebrücke wird aus Gründen des Gewässerschutzes nicht einfach mit einem Bagger abgebrochen, sondern spektakulär zersägt. Ein riesiger Kran werde einzelne Segmente aus dem Brückenkörper herausnehmen, damit nichts in die Lenne fällt.

Probebohrungen erforderlich

Für den Brückenneubau sind auch noch Probebohrungen nötig, man muss nach Munition und Bomben suchen. Zwar sind schon Bodenerprobungen gemacht worden, doch die Suche nach Kriegslasten im Wasser dürfe erst kurz vor dem Bau beginnen – was noch zu Verzögerungen führen kann. Der Neubau werde etwa 6 Millionen Euro kosten.

So unterlägen viele Abläufe beim Brückenbau einem Zeitplan, den Straßen.NRW nicht bestimmen könne. Klappert schätzt: „Ohne diese Schwierigkeiten hätten wir vielleicht eineinhalb Jahre schneller sein können.“

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