Missbrauchsverfahren beantragt

Bis Oktober entscheidet sich die Zukunft von Elverlingsen

Einen Verlust von 50 Millionen Euro hat der Betreiber Enervie im vergangenen Jahr mit konventionellen Kraftwerken wie dem in Elverlingsen gemacht. Solange das Werk weiterlaufen muss, möchte der Betreiber deshalb Ausgleichszahlungen von Amprion bekommen.

Werdohl - Soll das Werdohler Kraftwerk Elverlingsen tatsächlich in sechs bis acht Jahren abgeschaltet werden? Im vergangenen Herbst hatte die Enervie AG angekündigt, ihre konventionellen Kraftwerke aus wirtschaftlichen Gründen stillzulegen. Jetzt muss eine Regelung her.

Von Constanze Raidt

„Es gehen nicht in den nächsten paar Wochen die Lichter aus – weder bei den Kunden zuhause noch im Kraftwerk“, sagte Enervie-Sprecher Andreas Köster im Gespräch mit unserer Zeitung. Aber nach der Stilllegungsanzeige zum 30. September 2013 gebe es eine Jahresfrist. Innerhalb dieser Zeit müsse geklärt werden, welche Kraftwerke vom Netz genommen werden sollen.

„Die Bundesnetzagentur muss uns mitteilen, welche Kraftwerke netzrelevant sind“, sagte Köster. Kraftwerke, von denen Stromversorgung und Netzstabilität abhingen, müssten weiterlaufen.

Im Falle des Enervie-Kraftwerkes in Elverlingsen hieß es bisher, es könne wegen der Insellage des Märkischen Kreises noch nicht abgeschaltet werden. Denn das Stromnetz im MK ist nur über eine Schnittstelle in Hagen mit dem überregionalen Netz verbunden. Diese Stelle wird der Übertragungsnetzbetreiber Amprion erst in sechs bis acht Jahren so weit ausgebaut haben, dass der Kreis von außen versorgt werden kann.

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Der Bundesnetzagentur zufolge liegt die Entscheidung über die „Systemrelevanz“ bei den Netzbetreibern. „Für das Übertragungsnetz sind die Kraftwerke nicht systemrelevant“, heißt es in einer schriftlichen Antwort der Bundesnetzagentur auf eine Anfrage unserer Redaktion. Der Verteilnetzbetreiber – die Enervie Asset Network (EAN), die zur selben Gruppe gehört wie der Kraftwerksbetreiber – habe die Prüfung noch nicht abgeschlossen.

Wenn das Werk weiterhin gebraucht wird, dann steht eine zweite wichtige Entscheidung an: Von wem bekommt der Kraftwerksbetreiber eine Ausgleichszahlung? Denn die Enervie hat im Bereich der konventionellen Stromerzeugung allein im vergangenen Jahr 50 Millionen Euro Verluste gemacht.

Die Bundesnetzagentur sieht bisher den Verteilnetzbetreiber EAN in der Pflicht. Dies geht auch aus der schriftlichen Stellungnahme gegenüber unserer Zeitung hervor.

Das sieht die EAN anders. Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion müsse die Zahlungen übernehmen, bis die Engstelle in Hagen ausgebaut sei. Das würde schließlich auch den einzelnen Stromkunden weniger hart treffen, sagte Köster. Preissteigerungen bis zu 30 Prozent waren bereits im Gespräch, sollte die EAN die Kosten tragen müssen. „Amprion könnte die Kosten an eine Kundenzahl im zweistelligen Millionenbereich weitergeben“, sagte Köster. Bei der EAN seien ein paar Hunderttausend Kunden betroffen.

Die EAN hat deshalb bei der Bundesnetzagentur ein Missbrauchsverfahren gegen Amprion beantragt. Weil das Verfahren noch läuft, wollte die Netzagentur dazu nicht Stellung nehmen. Enervie-Sprecher Andreas Köster sagte aber, die Entscheidung über die Vergütung stehe sicher „in den nächsten paar Wochen“ an.

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