Netzausbau mit neuer Technik: Jetzt Glasfaser bis in die Gebäude möglich

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Werdohl - Der Märkische Kreis möchte nach Abschluss des Vergabeverfahrens die Verlängerung des Durchführungszeitraums für den flächendeckenden Breitbandausbau zur Versorgung der Privathaushalte mit schnellem Internet bis 2020 verlängern.

Dafür soll nun aber auch ein Ausbau bis zur jeweiligen Grundstücksgrenze möglich sein. Das geht aus einer Vorlage für die nächste Sitzung des Kreisausschusses für Wirtschaftsförderung, Struktur und Verkehr hervor, der am 30. August tagen wird. 

Warum verzögert sich der Ausbau erneut? 

Grund für die neuerliche Verzögerung sind Veränderungen der Förderrichtlinien des Bundes, die das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur im Juli in einer ersten Novelle veröffentlicht hat. 

Was sind die wichtigsten Veränderungen? 

Laut dieser Novelle verdoppelt sich die Bundes-Fördersumme für den Märkischen Kreis von 15 auf 30 Millionen Euro. Dadurch ergibt sich die Möglichkeit des Upgrades auf eine nachhaltigere Glasfaser-Technologie auch für laufende Förderanträge. Statt der bislang geplanten Ausbauvariante FTTC (Fibre to the Curb), bei denen die Glasfaserkabel lediglich bis zu den Verzweigern in den Straßen geführt werden, wird nun FTTB (Fibre to the Building) möglich. Bei dieser Variante erfolgt die Glasfaserkabelverlegung direkt bis zu den Privatgebäuden, wodurch höhere Up- und Downloadgeschwindigkeiten erreicht werden. Der Märkische Kreis hat das Technikupgrade auf FTTB angezeigt und den Bietern für das laufende Vergabeverfahren mitgeteilt, dass die endgültigen Angebote nur diese Ausbauvarianten enthalten müssen. 

Wie sieht jetzt die Finanzierung aus? 

Neben der Aufstockung der Bundesförderung auf 30 Millionen Euro ist zudem die Ko-Finanzierung des Landes mit weiteren 40 Prozent zugesichert worden. Der kommunale Eigenanteil bleibt bei 10 Prozent, sofern sich die Kommune – wie Werdohl – nicht im Haushaltssicherungskonzept befindet. 

Gibt es bereits einen neuen Zeitplan? 

„Die abschließenden Bietergespräche werden unter diesen geänderten Rahmenbedingungen bereits im September geführt. Ein Fortschrittsbericht erfolgt im nächsten Ausschuss“, heißt es im Sachstandsbericht zum kreisweiten Breitbandausbau. In Werdohl sollen die Arbeiten im Frühjahr 2019 beginnen. 

Kommen beim neuen Förderverfahren weitere Haushalte hinzu? 

Hoffnung auf schnelleres Internet gibt es wieder in den Bereichen der sogenannten „weißen Flecken“. Denn aufgrund der Änderung der Förderrichtlinien kann der Glasfaserausbau bis in die Ortslagen realisiert werden, die bisher nicht berücksichtigt werden konnten. Enthalten sind darin auch alle Gebiete mit einer Internet-Verbindungsgeschwindigkeit von unter 30 Megabyte pro Sekunde (Mbit/s). 

Wie ist das weitere Vorgehen? 

Bis zum 17. September findet ein weiteres Markterkundungsverfahren statt. Anhand dieser Markterkundung werden verbliebene unterversorgte Gebiete identifiziert, in denen in den nächsten drei Jahren kein marktgetriebener Breitbandausbau stattfinden wird. „Die jeweilige Kommune hat dann zu entscheiden, wie weit der Ausbau in den dann noch zu versorgenden Gebieten erfolgen soll. Es wird die höchstmögliche technische und räumliche Ausbaustufe beantragt, die die Förderrichtlinie zulässt“, heißt es in dem Sachstandsbericht. 

Was passiert mit den „grauen Flecken“? 

Inwiefern Gebiete mit einer Versorgung von bislang über 30 Mbit/s beziehungsweise über 50 Mbit/s (sogenannte „graue Flecken“) in weiteren Schritten ausgebaut werden, hängt von den Empfehlungen der EU und weiteren Förderprogrammen von Bund und Land ab. 

Wie hoch ist die Anzahl der Haushalte, die demnächst mit schnellem Internet versorgt werden? 

In dem bisherigen Förderverfahren wurden in den kreisweit 15 Kommunen 306 Ausbaugebiete identifiziert, in denen insgesamt 23 990 Adresspunkte mit Glasfaseranschlüssen zu versorgen sind. Diese Anzahl dürfte sich jetzt noch einmal erhöhen. Für Werdohl gibt es zehn Ausbaugebiete mit zusammen 861 Anschlüssen/Adresspunkten.

Bei der Anbindung bisher unterversorgter Gewerbegebiete im Märkischen Kreis ist man auf dem Weg zum schnellen Netz deutlich weiter als bei den Privathaushalten. Im März wurde mit der Telekom Deutschland GmbH als Netzbetreiber ein Vertrag über den Ausbau geschlossen. „Inzwischen wurden sämtliche Formalitäten des Vertragsschlusses erledigt und der Realisierungsplan der Telekom Deutschland veröffentlicht. Der Ausbau soll bis Ende März 2020 realisiert sein“, heißt es im Sachstandsbericht. In Werdohl gibt es sieben Ausbaugebiete mit 65 Anschlüssen. Die Kosten sind zu 80 Prozent durch Fördermittel des Landes gedeckt, den 20-prozentigen Eigenanteil trägt der Märkische Kreis aus dem Haushalt.

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