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Netto-Räuber: Darum könnte der Komplize härter als der Haupttäter bestraft werden

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Von: Thomas Krumm

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Der Netto-Markt in Pungelscheid war einer der Discounter, auf den es die Täter bei ihrem Beutezug durch die Region abgesehen hatten.
Der Netto-Markt in Pungelscheid war einer der Discounter, auf den es die Täter bei ihrem Beutezug durch die Region abgesehen hatten. © Birke, Maximilian

Die Erkältung eines Verteidigers hat den Prozess gegen die Netto-Räuber aus Werdohl und Iserlohn im Landgericht Hagen ausgebremst.

Da seine Stimme angegriffen war, mussten die Plädoyers auf den 13. Dezember verschoben werden. Der Vorsitzende Richter Jörg Weber-Schmitz kündigte an, an diesem Tag einen erneuten Anlauf zu machen, den Prozess mit den Urteilen abzuschließen. Es ist allerdings nicht sicher, ob das am nächsten Verhandlungstag gelingen wird.

Denn zuvor muss noch einiges abgearbeitet werden: Für die Entscheidung, ob der 19-jährige Hauptangeklagte aus Iserlohn noch nach dem milderen Jugendstrafrecht verurteilt wird, ist der Bericht der Jugendgerichtshilfe von großer Bedeutung. Einiges spricht dafür, dass der Täter, der zwischen dem 21. April und dem 6. Mai Mitarbeiter von Netto- und Getränkemärkten in Werdohl, Neuenrade, Menden, Balve, Herscheid, Meinerzhagen und Arnsberg mit einer Pistole bedrohte, mit einer erheblich milderen Strafe davonkommen wird als sein Mittäter aus Werdohl, der im Eingangsbereich der Märkte lediglich „Schmiere“ stand und die (ungeladene) Waffe nie in der Hand hatte. Der Bericht über ein Rechtsgespräch zu Beginn des Prozesses hatte ihm eine Haftstrafe von voraussichtlich etwa vier Jahren in Aussicht gestellt.

Verurteilung nach Erwachsenenrecht

Den drogenabhängigen Werdohler (25) erwartet altersbedingt eine Haftstrafe nach Erwachsenenrecht. Dass diese in seinem Fall weit über der Mindeststrafe von fünf Jahren liegen wird, liegt an der gemeinschaftlichen Vorgehensweise der beiden Haupttäter. Zwar hatte der 25-Jährige die Waffe nie selbst geführt. Der Paragraf 225 des Strafgesetzbuches nennt allerdings zwei Faktoren, die ein Mindeststrafmaß von fünf Jahren zur Folge haben: Das Mitführen einer Waffe reicht lediglich für drei Jahre. Haben sich aber mehrere Täter zu einer gemeinsamen Tatbegehung verabredet, liegt die Mindeststrafe auch dann bei fünf Jahren, wenn „ein anderer Beteiligter am Raub bei der Tat eine Waffe oder ein anderes gefährliches Werkzeug verwendet“. Deshalb landen auf dem „Strafkonto“ des 25-jährigen Werdohlers mit voller Wucht auch die von seinem jugendlichen Mittäter aus Iserlohn mitgeführten und zur Bedrohung eingesetzten PTB-Waffen.

Der Fall: Sieben Raubüberfälle in der Region

Ein 25-jähriger Werdohler und ein 19-jähriger Iserlohner haben im Landgericht Hagen ihre Beteiligung an sieben Raubüberfällen auf Netto- und Getränkemärkte in Werdohl, Neuenrade, Balve, Herscheid, Menden, Meinerzhagen und Arnsberg Ende April, Anfang Mai gestanden. Eine dritte Angeklagte soll bei einem Überfall als Fahrerin dabei gewesen sein. Ein vierter Angeklagter ist derzeit nicht auffindbar.

Durch die Vielzahl der Taten droht ihm bei einer Mindeststrafe von fünf Jahren eine Haftstrafe von bis zu neun Jahren. Um reinen Tisch zu machen, hatte der 25-Jährige zu Beginn des Prozesses weitere sieben Raubüberfälle gestanden, an denen er gemeinsam mit dem 19-Jährigen beteiligt war. Er hatte in diesen Fällen zuvor nicht als beobachtender Mittäter identifiziert werden können. Seine einzige Hoffnung zur Verkürzung der drohenden Haftstrafe ist nun ein Drogenentzug. Sollte er ihn erfolgreich durchstehen, könnte er auf Bewährung entlassen werden. Aufgrund der Höhe der Strafe könnte er aber voraussichtlich nicht sofort in die Therapie gehen, die im Normalfall zwei Jahre dauern würde. Zwei Jahre statt acht bis neun Jahre – das empfindet nicht nur Justitia als ein zu billiges Davonkommen. Es gibt deshalb die Einrichtung des Vorwegvollzugs, bei dem der Verurteilte vor der Therapie noch eine längere Zeit im Knast bleiben muss.

Vierter Angeklagter bleibt verschwunden

Weiterhin verschwunden ist der vierte Angeklagte. Gegen ihn müsste ein ganz neues Strafverfahren eröffnet werden, wenn er irgendwann wieder auftaucht.

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