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Netto-Räuber aus Werdohl völlig ahnungslos?

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Von: Thomas Krumm

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Der Netto-Markt in Werdohl-Pungelscheid war eines der Ziele, auf das es die Bande bei ihren Überfällen abgesehen hatte.
Der Netto-Markt in Werdohl-Pungelscheid war eines der Ziele, auf das es die Bande bei ihren Überfällen abgesehen hatte. © Birke, Maximilian

Im Prozess gegen den 26-jährigen Angeklagten aus Werdohl, den die Polizei nach einem der zahlreichen Raubüberfälle auf Netto-Verbrauchermärkte und Getränkemärkte in der Region im Fluchtfahrzeug der Täter fand, hat die Strafkammer des Hagener Landgerichts weitere Zeugen vernommen.

Da die drei bereits verurteilten Räuber bei ihren Zeugenaussagen vor Gericht ihre bisher gemachten Angaben über die Beteiligung des Werdohlers zurückgezogen oder relativiert haben, befragte Richter Jörg Weber-Schmitz den damaligen Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft, Michael Engelke. Er hatte das Hauptverfahren begleitet und die belastenden Angaben der drei Angeklagten gehört. Er erinnerte sich nun daran, dass der zu sechs Jahren Haft verurteilte zweite Angeklagte aus Werdohl ausgesagt hatte, dass der letzte verbliebene Angeklagte „bei allen Taten dabei gewesen“ sei. Er habe aber keine Angaben darüber gemacht, wie der 26-Jährige in die Taten eingebunden gewesen sei.

Der 19-jährige Hauptangeklagte hatte hingegen ausgesagt, dass der 26-Jährige nicht an den Tatorten gewesen sei – außer in Arnsberg-Herdringen. Hier wurde die Bande nach einem Überfall auf der Flucht von der Polizei erwischt. Weil er knapp bei Kasse gewesen sei, habe man ihm ein Viertel der Beute zugesichert. Dafür habe er aber das Tatfahrzeug besorgen und während des Überfalls im Auto sitzen müssen.

DNA-Spuren an Waffe und Sturmhaube

Der Angeklagte wies diese Darstellung zurück und äußerte sich erstmals zu den Geschehnissen: Er habe lediglich den Auftrag gehabt, „die beiden abzuholen“ in Herdringen – ohne zu wissen, dass es um einen Raubüberfall ging. „Mir ist erst bewusst geworden, was passiert, als die Polizei mit Blaulicht angefahren kam.“ Dass seine DNA-Spuren auf der eingesetzten und täuschend echt aussehenden Schreckschusswaffe gefunden wurden, erklärte der Angeklagte damit, dass diese „in der Runde schon mal rumgegangen“ sei. Seine Spuren an einer Sturmhaube und Handschuhen seien ebenfalls das Ergebnis einer freundschaftlichen Verbundenheit gewesen, die die Freunde in einem offenen Keller mit Sessel und Couchteil pflegten, in dem viele Dinge frei zugänglich gewesen seien: „Wir haben da auch konsumiert“, gab der Angeklagte zu.

Der Fall

Drei der vier Netto-Räuber wurden bereits Mitte Dezember verurteilt. Das Verfahren gegen den 26-jährigen Werdohler, der seit Ende März vor dem Hagener Landgericht steht, war abgetrennt worden, weil der Angeklagte lange Zeit verschwunden war (wir berichteten). Mitte November war der Polizei jedoch die Verhaftung gelungen. Seitdem sitzt der Mann in Untersuchungshaft. Gemeinsam soll das Quartett mehrere Netto-Discounter, unter anderem in Pungelscheid und Herscheid, sowie Getränkemärkte, unter anderem in Balve und Neuenrade, überfallen haben. Nach einem Überfall auf einen Netto-Markt in Arnsberg-Herdringen erwischte die Polizei die Bande auf der Flucht.

Einen Tag nach seiner Festnahme trennte sich seine damalige Lebensgefährtin von ihm: Dieses Ereignis habe ihr „endlich die Gelegenheit gegeben, ihn zu verlassen“, erklärte die Zeugin in dieser Woche im Landgericht Hagen. Sie zeichnete das Bild eines „manchmal“ gewalttätigen Partners, der von ihrem Geld gelebt habe. Von seinen Aktivitäten im Kreise seiner Bekannten habe sie nichts mitbekommen: „Wenn seine Kollegen da waren, hat er mich immer rausgeschickt.“

Termin: Der Prozess soll am Mittwoch, 27. April. mit den Plädoyers und dem Urteil zu Ende gehen.

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