Natur als Lernumgebung

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Das Schätzen der Wassertemperatur erwies sich auch für diese jungen Forscher als nicht ganz einfach. ▪

WERDOHL ▪ Am Vormittag wurde es bunt im Wald hinter dem evangelischen Friedhof an der Landwehr. 143 Grundschüler nahmen an den Waldjugendspielen des Regionalforstamtes Märkischen Sauerland teil. Dabei ging es für die Viertklässler in kleinen Gruppen durch den Wald. Bei der kleinen Wanderung musste ein Fragebogen bearbeitet werden.

Den stinkenden Storchenschnabel erkannten einige Kinder sofort. Das kleine Krautgewächs mit rosafarbener Blüte hatten die Schüler der Klasse 4b der katholischen Grundschule St. Michael schon im Unterricht durchgenommen. „So ein Name bleibt einfach hängen“, wusste Klassenlehrerin Sigrid Klaus. Außerdem stinkt die Pflanze wirklich.

Unterstützt wurden die jungen Naturforscher der Grundschulen St. Michael, Königsburg und Kleinhammer bei der Bearbeitung des Fragebogens zu Flora und Fauna vom Leiter der Waldschule MK Axel Dohmen, dem Werdohler Revierförster Frank Bossong, Forststudent Oliver Kalb und der ehrenamtlichen Helferin Gaby Plate.

So machten sich auch Laura, Lara, Lena und Maurice aus der 4b der katholischen Grundschule auf den Weg. Insgesamt 21 Stationen mit kurzen Fragen und Aufgaben zum Ökosystem Wald galt es für sie zu beantworten. Los ging es an der Wandertafel. Hier stand erstmal das richtige Verhalten im Wald im Mittelpunkt. Dort hieß es, dass man keine Abfälle liegen lassen und die Wege nicht verlassen soll. Etwas schwerer wurde es dann schon bei der Bestimmung der Baumarten anhand der Blätter. Gut vorbereitet aus dem Unterricht wussten die vier Schüler aber Bescheid und konnten schon Hainbuche und Buche unterscheiden.

„Die Kinder sollen für das Ökosystem Wald sensibilisiert werden“, betonte Revierförster Frank Bossong. Seit zwölf Jahren gibt es Waldjugendspiele im Märkischen Kreis. „Die Wirkung dieser Tage ist nachhaltig“, ist Bossong überzeugt. Vor allem auch deshalb, weil die Klassen das Thema in einigen Grundschulen fächerübergreifend behandeln. „Die Kinder stellen sich bei uns ihre eigene Waldmappe zusammen“, erklärte Lehrerin Sigrid Claus. In dieser Mappe sammeln die Schüler alle Informationen, pressen Blätter und kennzeichnen Tierspuren. „Dabei setzen die Kinder selbst ihre Schwerpunkte“, ergänzte Claus.

Eine kurze Diskussion entwickelte sich zwischen Laura, Lara, Lena und Maurice beim anschließenden Schätzen der Wassertemperatur eines Baches. Am Ende einigten sich die vier auf zwölf Grad. „Das ist aber schon ganz schön warm“, gab Frank Bossong zu bedenken. Die richtige Antwort war nämlich sieben Grad.

Zu der Recherche für ihre eigene Waldmappe sollen aber nicht nur die Erkenntnisse im Wald gehören. „Die Kinder sollen auch im Internet nach Informationen suchen“, erläuterte Sigrid Claus. Daneben werden in der dreiwöchigen Unterrichtsreihe auch Arbeitsblätter behandelt. Für die komplette Mappe gibt danach auch eine Note. Für die Absolvierung der Waldjugendspiele gab es gestern eine Urkunde.

Dankbar waren Waldpädagoge Axel Dohmen und der heimische Revierförster Frank Bossong über den Einsatz der Kinder, die sogar Müll aufsammelten und mit zum Startpunkt brachten. Damit hatten sie schon eines ihrer Ziele erreicht. Zudem sollen auch die Schulen dahin geführt werden, die Natur wieder mehr als Lernumgebung zu akzeptieren. Dies scheint zumindest beim stinkenden Storchenschnabel gelungen zu sein. ▪ David Schröder

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