Nach WK-Aus

Das nächste Traditionsgeschäft in der Werdohler Innenstadt schließt

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Susanne Neumann ist die Schwester von Inhaberin Kerstin Bathe, sie arbeitet seit 32 Jahren im von den Großeltern gegründeten Geschäft. Die jüngere Kundschaft sei nach und nach ausgeblieben, der Internet-Versandhandel sei die größte Konkurrenz.

Werdohl – Kerstin Bathe wird in der nächsten Zeit ihr Schuh- und Sportgeschäft an der Bahnhofstraße schließen, es lohnt sich nicht mehr.

Am Montag wurde das vorläufige Insolvenzverfahren eröffnet, ein paar Tage war für die Inventur geschlossen. Wann der letzte Sportartikel von den Schwestern Kerstin und Susanne verkauft wird, wissen die beiden selbst noch nicht. Die Insolvenz kam doch relativ überraschend, auch wenn die Geschäfte schon seit einiger Zeit nicht mehr gut liefen. Nach dem WK Warenhaus schließt damit das nächste Traditionsgeschäft in der Werdohler City. 

Susanne Neumann ist bei ihrer Schwester angestellt und macht aus der Pleite keinen Hehl: „Am Ende des Tages muss Geld in der Kasse sein, und das war es nicht mehr.“ Noch nicht mal Corona will sie die Schuld geben, die massivste Konkurrenz sei der Online-Handel. Ältere Kundschaft brauche weniger Sportartikel, jüngere Kunden kommen erst gar nicht ins Geschäft und bestellen lieber gleich alles im Internet. 

Eine der ersten Kundennummern bei Adidas

Die Zeiten, in denen auch von Sportvereinen gelebt werden konnte, seien lange vorbei. Zudem seien viele der großen Sportartikelhersteller nicht am Absatz durch den Einzelhandel interessiert. Susanne Neumann: „Mein Opa hatte eine der ersten Kundennummern bei Adidas.“ Das habe aber heute einfach keinen Wert mehr. Größere Häuser könnten mehr Umsatz und mehr Marge machen, so kleine Geschäfte wie Sport Bathe hätten kaum eine Chance. 

Kerstin Bathe war froh, nach der coronabedingten Schließung im April 2020 ihr Geschäft wieder öffnen zu können.

Die Räume sind gemietet und müssen gekündigt werden. Der vorläufige Insolvenzverwalter, Christof Köhling mit Sitz in Dortmund und Kanzleibetrieb in Iserlohn, sieht generell wenige Chancen für den kleinen Einzelhandel: „Wir haben bei Bathe einen Kassensturz gemacht und den Betrieb durchleuchtet.“ 

Schließung im 65. Jahr des Bestehens

Kerstin Bathe (56) führt das Geschäft als „eingetragene Kauffrau“, ihre Schwester Susanne Neumann ist seit 32 Jahren dort beschäftigt. Die 49-Jährige hatte im elterlichen Geschäft die Ausbildung gemacht und war nie woanders angestellt. Dass das Geschäft im 65. Jahr des Bestehens nach Gründung durch Großvater Otto schließe, sei traurig, aber nicht zu ändern. Jahrzehnte ohne viel Urlaub und mit ununterbrochen viel Arbeit für das Geschäft seien bald Geschichte. 

Ein Bild aus besseren Zeiten: Stefanie Siedhoff, Kerstin Bathe und Susanne Neumann (von links) verkauften Fanartikel und Bälle für die Fußball-Europameisterschaft 2012.

„Es hat mir immer sehr viel Spaß gemacht, ich kenne es nicht anders. Der persönliche Kontakt zu den Kunden war immer sehr wichtig. Aber jetzt können wir nicht mehr vom Geschäft existieren. Das ist nicht zu ändern“, schaut Susanne Neumann ganz nüchtern in die Zukunft.

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