„Nachhaltigkeit wichtiger als guter Holzpreis“

Frank Bossong rät ab von marktbedingten Kahlschlägen.

WERDOHL ▪ Die Waldbesitzer atmen auf. Vier Jahre lang räumten sie nur Kyrill hinterher. Das Sturmtief hatte 2007 eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Der Holzpreis schnellte ins bodenlose, Waldbauern verloren ihre Altersvorsorge und kaum einer wusste damals, wie der Schaden jemals aufgearbeitet werden könnte. Nun ist es geschafft. Das Holz ist abgefahren, die meisten Flächen sind bereits aufgeforstet und der Holzpreis ist besser denn je. Dennoch rät Revierförster Frank Bossong zur Vorsicht. Die Nachhaltigkeit müsse mehr denn je im Vordergrund stehen.

„Derjenige der momentan noch Wald hat, blickt in eine gute Zukunft“, da ist sich Frank Bossong sicher. Der Förster vermutet, dass sich der Holzpreis längerfristig auf einem solch hohem Niveau halten wird: „Die Konjunktur boomt. Die Nachfrage ist groß. Viele Sägewerke exportieren.“ Dementsprechend engagiert seien derzeit die Waldbesitzer, die die gute Preislage nutzten um Holz zu verkaufen. „Von Kahlschlägen rate ich dringend ab. Vielmehr sollten intensive Pflegemaßnahmen durchgeführt werden“, so der Experte. Die Werdohler Waldbesitzer seien allerdings bisher sehr besonnen. In anderen Städten im Kreis sei dies nicht immer der Fall. Zudem seien die meisten Waldbesitzer zertifiziert. „Das PEFC-Siegel besagt, dass die Waldbesitzer sich für die Verbesserung der nachhaltigen Waldbewirtschaftung im Hinblick auf ökonomische, ökologische sowie soziale Standards einsetzen. Zudem besagt das Landesforstgesetz, dass nicht mehr als zwei Hektar auf einmal abgeholzt werden dürfen“, erklärt Bossong. Er appelliert jedoch, möglichst schnell das so genannte Kalamitätsholz, also Holz, das durch Sturm oder Käferbefall geschädigt wurde, aus dem Wald zu holen, um einen starken Käferbefall zu vermeiden. Mit älterem, noch stehendem Holz sollten die Waldbesitzer jedoch haushalten.

Engpässe befürchtet der Revierförster früher oder später im Bereich des Kaminholzes. Die Nachfrage steige stetig. Derzeit sei dies jedoch noch eine „nebulöse Größe“. Doch Bossong vermutet, dass der Anteil an privatem Brennholz sehr hoch ist. „Derzeit können wir nur das Holz, das über die Sammelscheine aus dem Wald geholt wird beziffern und das sind fünf Prozent.“ Doch reell sei der Anteil an Kaminholz erheblich höher. So gebe es einen regelrechten Kamin-Boom. Als Kaminholz würde allerdings grundsätzlich nur das Holz verkauft, das nicht die nötige Qualität habe, höherwertig verarbeitet zu werden. „Das freiverfügbare Holz ist irgendwann weg. Auch das Restholz wird weniger“, so Bossongs Prognose für die kommenden Jahre.

Lydia Machelett

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