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„Nachdenklich gemacht“: Bürgermeister ändert Pläne für Volkstrauertag

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Von: Volker Griese

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Im ganz kleinen Kreis und ohne Rede hatten Vertreter von Stadt und Vereinen 2021 (Foto) und 2020 am Volkstrauertag der Opfer von Krieg, Gewaltherrschaft, Flucht und Vertreibung gedacht. Jetzt soll es zumindest wieder eine Ansprache und ein Gebet geben.
Im ganz kleinen Kreis und ohne Rede hatten Vertreter von Stadt und Vereinen 2021 (Foto) und 2020 am Volkstrauertag der Opfer von Krieg, Gewaltherrschaft, Flucht und Vertreibung gedacht. Jetzt soll es zumindest wieder eine Ansprache und ein Gebet geben. © Volker Heyn

Beinahe wäre das Gedenken an die Opfer von Krieg, Terror, Gewaltherrschaft, Verfolgung, Flucht oder Vertreibung am Volkstrauertag in Werdohl in diesem Jahr zum dritten Mal hintereinander denkbar klein ausgefallen. Bürgermeister Andreas Späinghaus hatte erneut auf Reden verzichten wollen. Dann schwenkte er allerdings kurzfristig um.

Werdohl ‒ Wie schon in den Jahren 2020 und 2021 sollte es auch am Sonntag, 13. November, um 12 Uhr nur eine Kranzniederlegung am Mahnmal in der Innenstadt geben. „Aufgrund der besonderen Ausnahmesituation infolge des Infektionsgeschehens durch das Coronavirus sollen dieses Jahr am Volkstrauertag weder ein ökumenischer Gottesdienst noch eine Gedenkfeier stattfinden“, teilte die Stadt Werdohl unter anderem auf ihrer Internetseite in einer Erklärung des Bürgermeisters mit.

Von einer Veranstaltung unter freiem Himmel, an der üblicherweise nur einige Dutzend Menschen teilnehmen, soll eine Infektionsgefahr ausgehen? „Ich bin lieber übertrieben vorsichtig als übertrieben unvorsichtig“, bekräftigte Bürgermeister Andreas Späinghaus noch am Montag auf Nachfrage der Redaktion seine Haltung in dieser Frage.

Rund 24 Stunden später dann die Kehrtwende: Die Nachfrage habe ihn nachdenklich gemacht, räumte Späinghaus ein. Er habe nicht bedacht, dass sich die Situation gegenüber den vergangenen beiden Jahren verändert habe, begründete er – und meinte damit keineswegs die Entwicklung der Pandemie. „In unserer Nachbarschaft ist Krieg“, führte er vielmehr die Eskalation der Gewalt in der Ukraine als Grund für seinen Sinneswandel an. Auch deshalb wolle er bei der Kranzniederlegung am Mahnmal im Ludwig-Grimm-Park am Sonntagmittag „eine kleine Rede“ halten, kündigte der Bürgermeister an.

Das ist durchaus ein Paradigmenwechsel, denn bisher hatten Werdohler Stadtoberhäupter im Volkstrauertag keinen Anlass für eine Ansprache gesehen. Vielmehr hatten sie die Gedenkreden und mahnenden Worte an diesem staatlichen Gedenktag schon immer Vertretern der Kirchen überlassen, die politischen Repräsentanten waren nur bei der Kranzniederlegung selbst in Erscheinung getreten.

Immerhin hatte Späinghaus’ Amtsvorgängerin Silvia Voßloh es in den letzten beiden Jahren ihrer Amtszeit hinbekommen, Schüler in die Gestaltung der Gedenkfeier zum Volkstrauertag einzubeziehen. Unter der Ägide von Andreas Späinghaus gab es bisher – pandemiebedingt – nur wortlose Kranzniederlegungen.

Nun also will der Bürgermeister das Wort ergreifen. Angesichts des Krieges in der Ukraine könne er nicht schweigen, sagte Späinghaus, der schon bei einer vom SPD-Ortsverein organisierten Friedensdemonstration auf dem Brüninghaus-Platz im März deutliche Worte der Kritik am russischen Aggressor gefunden hatte.

Neben Bürgermeister Späinghaus wird auch der evangelische Pfarrer Dirk Grzegorek an der Zeremonie zum Volkstrauertag teilnehmen. „Er wird ein Friedensgebet sprechen“, teilte Späinghaus mit. Darüber hinaus werde es aber keine weiteren Programmpunkte geben. Teilnehmen wird auch eine Delegation des Werdohler Schützenvereins, die sich zuvor um 11 Uhr in der Gaststätte Mythos 24 trifft. Auch Vertreter der Werdohler Vereine und des Werdohler Sports werden einen Kranz am Mahnmal niederlegen.

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