Nachbarschaftshilfezentrum feiert am Sonntag 10-jähriges Bestehen

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Bewohner und Mitarbeiter bilden fast eine Familie: Jeder weiß viel vom anderen. Man fängt sich gegenseitig auf.

Werdohl - Wenn Jürgen Brandt ans Mittagessen denkt, gerät er ins Schwärmen: „Das Essen ist wirklich richtig gut“, sagt der 71-Jährige, der seit vier Jahren im Nachbarschaftshilfezentrum (NHZ) Ütterlingsen wohnt. Er habe sich dort von Anfang an wohl gefühlt – und das nicht nur, weil es ihm schmeckt: „Hier ist man nicht allein, es gibt immer nette Gesellschaft.“

Diese Aussage dürfte Ingo Wöste freuen: Der Geschäftsführer der Werdohler Wohnungsgesellschaft hat das NHZ gemeinsam mit dem ehemaligen Pflegedienstleiter der Werdohler Stadtklinik Elmar Schmidt aus der Taufe gehoben. 

Damals wie heute stand die Überlegung im Vordergrund, dass ältere oder pflegebedürftige Menschen nicht ihre langjährigen sozialen Kontakte verlieren sollen, wenn sie aus gesundheitlichen Gründen die eigenen vier Wände verlassen müssen. Ihnen sollte „ein Verbleib im Quartier und auch der Erhalt der sozialen Kontakte“ ermöglicht werden, heißt es auf der Internetseite der Wohnungsgesellschaft. Am Sonntag wird im, und bei trockenem Wetter auch rund um das NHZ, das zehnjährige Bestehen der Einrichtung gefeiert (wir berichteten). 

Wöste und Schmidt – er ist heute stellvertretender Geschäftsführer des Pflegedienstes Liebeskind, bei dem das NHZ-Team angestellt ist – wollen möglichst vielen Gästen bei dieser Gelegenheit das Erfolgsrezept genauer vorstellen. Zu dessen Gelingen tragen Tag für Tag maßgeblich die Menschen bei, die sich längst nicht damit begnügen, pflegerische Tätigkeiten abzuarbeiten. Sie sorgen dafür, dass nicht nur Jürgen Brandt rundum zufrieden ist. Die 94-jährige Gerda Hengstenberg sagt: „Hier gefällt mir einfach alles. Das Essen ist herrlich und man fühlt sich einfach wie zuhause.“ 

Zeit und Geduld sind eine Selbstverständlichkeit

André Majunke bereitet täglich frische Mahlzeiten zu.

Auch für Dagmar Stephan spielt der Wohlfühlfaktor eine große Rolle. Die 52-Jährige erlitt vor neun Jahren einen Schlaganfall und wohnt seitdem in der Einrichtung an der Danziger Straße. Manchmal sucht sie während einer Unterhaltung nach den richtigen Worten. Ihre Gesprächspartner müssen dann ein wenig Zeit und Geduld aufbringen – für die gelernte Krankenschwester Bianca Prussak und ihr Team im NHZ ist das eine Selbstverständlichkeit. 

Und nicht nur das: Stephan ist die bisher ungekrönte Rummy-Cup-Königin der Danziger Straße – und fordert die Mitarbeiter entsprechend gerne heraus. „Wir spielen natürlich die eine oder andere Runde mit“, sagt Prussak. Augenzwinkernd fügt sie jedoch hinzu: „Auch wenn wir eigentlich keine Chance haben.“ 

Dass es im Nachbarschaftshilfezentrum familiär zugeht, liegt der 55-jährigen Plettenbergerin am Herzen. „Ich bin seit 40 Jahren in der Pflege tätig“, sagt sie – und erklärt: „Ich möchte aufzeigen, dass Pflege auch noch Spaß machen kann, dass Pflege mit Herz der richtige Weg ist.“ Dabei ziehe ihr Team in vollem Umfang mit, lobt sie: „Hier guckt keiner auf Überstunden.“ 

"Hier muss sich niemand verstellen"

Auch das familiäre Miteinander werde vom gesamten Team mitgetragen, erzählt Schwester Prussak. „Die Bewohner wissen genau so viel von uns, wie wir von ihnen. Sie wissen, wohin wir in den Urlaub fahren, und wenn die Kinder mal wieder querschlagen.“ Dazu gehöre dann folglich auch, dass jeder einmal einen schlechten Tag habe und das auch sagen könne. „Hier muss sich niemand verstellen“, erklärt sie. 

Unter der Leitung der Plettenbergerin kümmern sich Sonja Schulz, Michaela Grewe, Marion Leszinski, Nicole Hardt und Ingrid Preukschat um das Wohl der Bewohner im NHZ. Ines Brandt, Antonia Arroyo und Maria Laws übernehmen die Nachtwachen, Margo Weiss und ihre Tochter Adriana sind im hauswirtschaftlichen Bereich tätig, beziehen die Betten und kaufen für die Bewohner ein. Für die Zubereitung des viel gelobten Essens, das täglich frisch gekocht wird, ist André Majunke verantwortlich. 

NHZ-Tür steht für jedermann offen

Prussak sagt, sie lege großen Wert darauf, dass die NHZ-Tür für jedermann offen steht. „Wenn der Postbote bei uns einen Kaffee bekommt oder uns Kindergartenkinder gerne besuchen, ist das genau richtig.“ Auch in schweren Zeiten, wenn es beispielsweise gelte, im Trauerfall von einem Bewohner Abschied zu nehmen, helfe der Zusammenhalt sowohl den Mitarbeitern als auch den Bewohnern über vieles hinweg. 

So stellt Schwester Prussak fest: „Man ist hier nicht alleine. Egal was passiert, man wird aufgefangen.“

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