Kommunalwahl 2020

Nach der Wahl: Das möchte der neue Bürgermeister in Werdohl zuerst ändern

+
„Da muss ich demnächst wohl öfter hin.“ Andreas Späinghaus lehnt sich vor dem Werdohler Rathaus auf das Treppengländer. Der Sitz von Rat und Verwaltung wird ab 1. November der Arbeitsplatz des dann 62-Jährigen sein.

Zielstrebig geht Andreas Späinghaus zum Fototermin in Richtung Rathaus. „Da muss ich demnächst wohl öfter hin“, sinniert der Mann, den die Werdohler am Sonntagabend mehrheitlich zum neuen Bürgermeister gewählt haben.

Werdohl - Was will er ändern, was will er beibehalten? Welchen Dingen will er sich zuerst widmen? Ein Gespräch mit Werdohls zukünftigem Stadtoberhaupt. 

Mit 158 Stimmen Vorsprung hat der Sozialdemokrat Andreas Späinghaus am Sonntag die Bürgermeisterwahl gegen Amtsinhaberin Silvia Voßloh (CDU) gewonnen. Bis 3 Uhr in der Früh habe er den Wahlsieg anschließend mit Parteifreunden genossen, erzählt der 61-Jährige. Vorher sei an Schlaf ohnehin nicht zu denken gewesen: „Ich war total aufgedreht.“ 

Späinghaus erhält viele Glückwünsche

Um 6.30 Uhr am Montag sei die Nacht dann auch schon wieder vorbei gewesen – allerdings nur für kurze Zeit. „Ich habe mich dann doch nochmal ein bisschen hingelegt“, räumt Späinghaus ein. Den Rest des Tages habe er dann damit verbracht, die vielen Glückwünsche zu beantworten, die auf verschiedenen Wegen eingegangen sei. Auch eine E-Mail von Silvia Voßloh sei darunter gewesen, sagt Späinghaus. Über den Inhalt sagt er nichts. Es sei ein Satz gewesen, verrät er nur. Weitere Kontakte mit der Amtsinhaberin habe es seit der Wahl noch nicht gegeben. „Nächste Woche ist ja erst einmal Wahlprüfungsausschuss, erst dann wird das Wahlergebnis ja amtlich“, weiß der langjährige Kommunalpolitiker. Er geht davon aus, dass die Kontakte danach häufiger werden. „Irgendwann müssen wir ja auch mal über die Amtsübergabe reden.“ 

Offiziell wird Andreas Späinghaus am 1. November Bürgermeister von Werdohl. Zumindest so lange wird der selbstständige Kaufmann auch sein Unternehmen noch weiterführen. „Danach wird es wohl auslaufen“, hat er sich schon Gedanken um die Zukunft gemacht. Die Selbstständigkeit aufzugeben, fällt ihm offensichtlich nicht schwer. Der Unternehmer spricht davon, dass die Geschäfte seit dem Corona-Lockdown ohnehin schlechter laufen. 

Neue Gerätehäuser für die Feuerwehr ganz oben auf der Liste

Also wird Andreas Späinghaus demnächst genug Zeit haben, sich auf seine neue Aufgabe im Werdohler Rathaus zu konzentrieren. Ganz oben seiner To-do-Liste: die Feuerwehrgerätehäuser. Er will dafür sorgen, dass der Löschzug Stadtmitte und die Löschgruppe Brüninghaus schnellstmöglich in neue Domizile umziehen können. Um das erreichen, könne er sich vorstellen, den früheren Feuerwehrausschuss zu reaktivieren, sagt Späinghaus. Ein solches Expertengremium könne die Dinge ins Rollen bringen, glaubt er. 

Andreas Späinghaus freute sich am Sonntagabend mit Ehefrau Susanne und Parteifreunden über seinen Sieg bei der Bürgermeisterwahl.

Zweiter Ansatzpunkt des neuen Bürgermeisters: das WK Warenhaus. „Ich möchte relativ schnell ein Gespräch mit Frau Krischer-Schnückel führen“, liegt ihm daran, den Kontakt zu den Eigentümern der leerstehenden Kaufhaus-Immobilie in der Innenstadt zu knüpfen. 

Späinghaus ist auch als Verwaltungschef gefragt

Feuerwehrhäuser und WK – beides gehört eher zum politischen Arbeitsfeld eines Bürgermeisters. Im Rathaus ist Späinghaus auch als Verwaltungschef gefragt. „Ja, das ist eine Baustelle, wahrscheinlich sogar die erste“, sagt er mit Blick auf das Betriebsklima, um das es nicht zum Besten bestellt sein soll. Doch Späinghaus traut sich zu, zwischen zerstrittenen Mitarbeitern zu vermitteln. Und er ist entschlossen, das zu tun. Im Interesse der Stadt, aber auch im eigenen Interesse. „Ich möchte eine motivierte Verwaltung haben, Mitarbeiter, die morgens gerne zur Arbeit kommen“, sagt er. Späinghaus möchte auch eine neue Ideenkultur einführen. „Ich möchte, dass die Mitarbeiter kreativ sind und Ideen entwickeln – und seien sie noch so verrückt“, erklärt er, wie er sich die Zusammenarbeit in der Stadtveraltung vorstellt. „Eine solche Kreativität hat mir in den letzten Jahren gefehlt.“ Dabei seien Menschen mit Ideen und Visionen unabdingbar, um eine Stadt zu entwickeln. 

Nicht nur für Ideen und Anregungen der Verwaltungsmitarbeiter will Späinghaus offen sein, sondern auch für solche aus der Bevölkerung. „Anstatt im Internet böse Kommentare zu schreiben, sollen die Leute lieber zu mir kommen“, will er für Sorgen und Nöte ein offenes Ohr haben. „Zuhören – verstehen – gemeinsam handeln“, lautete sein Wahlmotto – so will Späinghaus es umsetzen und damit die Diskussionskultur in Werdohl auf ein höheres Niveau bringen. 

Ehrenamtspreis als einziges Wahlversprechen

Als Einlösung eines Wahlversprechens sieht er das aber nicht. Das ist für ihn eher die Einführung eines Ehrenamtspreises. „Das ist mein einziges Wahlversprechen, betont der Bürgermeister in Wartestellung. Mit dem von ihm selbst – „Und vielleicht von einigen Sponsoren.“ – finanzierten Preis möchte er ehrenamtlich tätige Menschen in Werdohl würdigen, die nicht so sehr im Rampenlicht stehen. 

Fünf Jahre Amtzszeit liegen jetzt vor Andreas Späinghaus, der in knapp zwei Wochen – zufälligerweise am Tag der letzten Ratssitzung mit Silvia Voßloh als Bürgermeisterin – 62 Jahre alt wird. Am Ende seiner Amtszeit wäre er dann 67 Jahre alt – zu alt für eine zweite Amtszeit? Das Landesbeamtengesetz sieht keine Altersobergrenze für Bürgermeister vor. An die Rente verschwende er keinen Gedanken, und er finde es auch nicht erstrebenswert, irgendwann einmal nicht mehr zu arbeiten, hat Späinghaus vor ein paar Wochen gesagt. 

Zweite Amtszeit noch kein Thema

Auch jetzt denkt er darüber offensichtlich noch nicht nach, auch nicht darüber, ob er möglicherweise 2025 noch einmal zur Bürgermeisterwahl antritt. „Meine erste Amtszeit hat noch gar nicht einmal begonnen, da spekuliere ich doch noch nicht über eine zweite“, winkt er ab. Viel wird sicherlich davon abhängen, wie er seine erste Wahlperiode gestaltet, ob es ihm gelingt, Werdohl und den Werdohlern Vertrauen in die Zukunft zu geben. 

Dann könnte Andreas Späinghaus der erste hauptamtliche Bürgermeister Werdohls werden, der in eine zweite Amtszeit geht. Neben den parteilosen Manfred Wolf (1999 bis 2004) und Jörg Bora (2004 bis 2009) haben auch der mittlerweile verstorbene SPD-Mann Siegfried Griebsch (2009 bis 2014) und zuletzt Silvia Voßloh nur für jeweils fünf Jahre auf dem Chefsessel im Rathaus gesessen.

Mehr zur Kommunalwahl im Märkischen Kreis lesen Sie hier.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare