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Versorgungslücke geschlossen: Neue Kinderärztin in Werdohl

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Von: Volker Griese

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Mit Unterstützung von Ramin Baradari (rechts) konnte Kleopatra Kanellopoulou (2. von rechts) jetzt ihre Kinderarztpraxis im Alten Dorf einrichten. Ihre Arzthelferinnen Aylin Aydogan (links) und Dajana Oertwig (2. von links) warten mit ihr darauf, dass es endlich losgehen kann.
Mit Unterstützung von Ramin Baradari (rechts) konnte Kleopatra Kanellopoulou (2. von rechts) jetzt ihre Kinderarztpraxis im Alten Dorf einrichten. Ihre Arzthelferinnen Aylin Aydogan (links) und Dajana Oertwig (2. von links) warten mit ihr darauf, dass es endlich losgehen kann. © Griese

Nach vier Jahren hat Werdohl bald wieder eine Kinderärztin. Kleopatra Kanellopoulou wird Mitte Januar ihre Praxis in der Innenstadt eröffnen. Das Gebiet der Kinder- und Jugendmedizin war in Werdohl verwaist, nachdem Dr. Zati Altay seine Praxis Ende 2018 nach knapp 30 Jahren aus Altersgründen geschlossen hatte.

Werdohl – An der Nachfolgersuche hatte sich unter anderem die damalige Bürgermeisterin Silvia Voßloh beteiligt. Eine erste Kandidatin war schnell wieder abgesprungen, allerdings hatte Voßloh schon im Frühjahr 2019 Kontakt zu der griechischen Kinderärztin Kleopatra Kanellopoulou. Bis die nun endlich ihre Praxis in Werdohl beziehen konnte, waren jedoch einige Hürden zu nehmen.

Neben sprachlichen Barrieren hatte Kanellopoulou vor allem die behördlichen Barrieren zu überwinden. Zwar hatte sie bereits 2021 bei der Kassenärztlichen Vereinigung einen ersten Antrag auf Zulassung gestellt, doch musste die Ärztekämmer zunächst ihre Facharztanerkennung aussprechen.

Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) habe „alles daran gesetzt, die in Werdohl entstandene Versorgungslücke zu schließen“, sagte Dr. Dirk Spelmeyer, Vorstandsvorsitzender der KVWL, der am Donnerstag zur Praxiseröffnung nach Werdohl gekommen war. Unter anderem habe Kanellopoulou nach der Sicherstellungsrichtlinie der KVWL ein zinslohes Darlehen über 60 000 Euro erhalten, um ihre Praxis eröffnen zu können. Kinderärzte würden dringend gebraucht, besonders in Werdohl, begründete Spelmeyer. „Wir haben gesehen, dass es in Werdohl ein echtes Versorgungsproblem gibt“, sagte er.

Auf der Suche nach Praxisräumen wurde Kleopatra Kanellopoulou schließlich bei Ramin Baradari fündig. Der Facharzt für Chirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie hatte 2017 ein 180 Jahre altes Haus im Alten Dorf gekauft und umfassend saniert und erweitert. Nachdem er dort Anfang 2018 seine neue Praxis eröffnet hatte, waren im Obergeschoss noch ungenutzte Räume, die Kanellopoulou nun zu einer Kinderarztpraxis umbauen lassen konnte.

Für die neue Kinder- und Jugendmedizinerin ist die Praxiseröffnung ein gewaltiger Schritt. Zwar hat sie bereits 15 Jahre eine eigene Praxis geführt – allerdings in ihrer griechischen Heimatstadt Thessaloniki. Auf Werdohl ist sie wohl eher zufällig aufmerksam geworden. Bei einem Besuch ihrer in Aachen lebenden Eltern habe sie Werdohls damalige Bürgermeisterin Silvia Voßloh getroffen, die ihr von den Problemen in ihrer Stadt berichtet habe, erzählte die 55-jährige Medizinerin. Ihr Vater habe sie in ihrer Idee bestärkt, ihre Zelte in Griechenland abzubrechen und in Deutschland einen Neuanfang zu wagen. Als der Entschluss gefasst war, folgte der langwierige Gang durch die Instanzen.

Wann genau Kleopatra Kanellopoulou in ihrer Praxis die ersten kleinen Patienten behandeln kann, steht noch nicht ganz fest. Zwar hat sie mit Dajana Oertwig und Aylin Aydogan bereits zwei Arzthelferinnen eingestellt, die demnächst noch für einige Tage beim Neuenrader Kinderarzt Dr. Attila Hildebrandt hospitieren werden, um sich spezifische Kenntnisse anzueignen. Auch die Praxiseinrichtung ist bereits vorhanden. Allerdings wartet die neue Kinderärztin noch auf einen Telefonanschluss. Sobald der vorhanden ist, soll es losgehen. Kanellopoulou hofft, dass es Mitte Januar so weit ist.

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