Nach Verkauf an Aperam: VDM-Betriebsrat schweigt

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Der luxemburgische Stahlriese Aperam hat VDM Metals übernommen, das Geschäft muss allerdings noch von den Kartellbehörden genehmigt werden. Der VDM-Betriebsrat wurde davon offensichtlich völlig überrascht.

Werdohl - Der Betriebsrat von VDM Metals scheint nach dem angekündigten Verkauf an Aperam S.A. in Luxemburg in eine Schockstarre gefallen zu sein. Der Gesamtbetriebsrat habe vereinbart, dass es aktuell keine Stellungnahme geben werde.

Das sagte Ralf Fenner, Betriebsratsvorsitzender des Werdohler VDM-Werkes auf Nachfrage unserer Redaktion. Gesamtbetriebsrat Gerd Bendiks aus Unna und sein Stellvertreter Ralf Springob aus Altena rufen die komplette VDM-Belegschaft aller Standorte für kommenden Mittwoch zu einer Informationsveranstaltung in der Stadthalle Unna auf. Die am Mittwoch Morgen mitgeteilte geplante Übernahme der VDM Metals durch Aperam muss den Personalvertretern beider Firmen vorgestellt werden. Der Kaufvertrag steht unter dem üblichen Vorbehalt der Zustimmung der Kartellbehörden. Die Transaktion soll in der zweiten Jahreshälfte 2018 über die Bühne gehen. 

Beim VDM-Verkauf von ThyssenKrupp an Lindsay Goldberg Vogel im Herbst 2015 hatte der Betriebsrat ein großes Rad gedreht. Der VDM-Betriebsrat Bendiks sprach damals offen von „einem massiven Vertrauensbruch gegenüber den Beschäftigten“. Thyssen-Krupp habe sich nicht an Vereinbarungen gehalten, die auch beim Verkauf von VDM Standort- und Beschäftigungssicherung vorsehen. „Wir stehen kurz vor einer Eskalation“, sagte VDM-Betriebsratschef Bendiks und lud auch im April vor drei Jahren zu einer Versammlung in Unna auf. 

2015 zeigten sich Vertreter der Belegschaft sehr zufrieden

Als der Verkauf an LGV im Herbst 2015 in trockenen Tüchern war, zeigten sich die Vertreter der Belegschaft sehr zufrieden. Nach langen Verhandlungen habe man sich auf eine „Best-Owner-/Fair-Owner-Vereinbarung zur Zukunft der VDM“ geeinigt. Die Vereinbarung gelte bis zum 30. September 2019 und enthielt unter anderem eine Garantie für alle VDM-Standorte, darunter Werdohl und Altena. Tarifverträge sollten weiterhin gelten. 

Aperam hatte schon damals versucht, VDM zu kaufen. Im Bieterwettkampf 2015 hatten zwei Interessenten das Nachsehen: der Luxemburgische Stahlkonzern Aperam und ein Konsortium bestehend aus der US-Investmentfirma The Gores Group und dem Unternehmer Benedikt Niemeyer. Von einem Unternehmenswert von 500 Millionen Euro war damals die Rede, der Kaufpreis soll aber weit darunter gelegen haben. Die Transaktion habe zu einer Buchwertberichtigung um 100 Millionen Euro geführt. 

Kaufpreis soll bei 438 Millionen Euro liegen

Wie die große Tageszeitung „Luxemburger Wort für Wahrheit und Recht“ jetzt berichtete, werde der Kaufpreis für VDM Metals mit 438 Millionen Euro beziffert, der Unternehmenswert mit derzeit 596 Millionen Euro. Aperam teilte mit, dass die Akquisition von VDM ab 2020 Synergien in der Größenordnung von 20 Millionen Euro generieren soll. 

Das „Luxemburger Wort“ habe aus Branchenkreisen erfahren, dass unter Lindsay Goldberg Vogel der Unternehmenswert von VDM um etwa 100 Millionen Euro gesteigert wurde. Dr. Thomas Ludwig von LGV hatte erklärt, dass es einen Schuldenabbau, eine Refinanzierung sowie eine Ausschüttung an die Eigentümer gab. 

Aperam befinde sich in einer besseren finanziellen Ausgangslage als vor einigen Jahren. Während man 2010 noch rund eine Milliarde Euro an Schulden gehabt habe, sei Aperam seit Ende 2017 cash-positiv. Das teilte das Unternehmen mit.

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