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Nach Überprüfung: Kaum gute Noten für heimische Brücken

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Von: Maximilian Birke

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Erst im Herbst vergangenen Jahres ließ Straßen.NRW die Rathausbrücke auf ihren Zustand prüfen.
Erst im Herbst vergangenen Jahres ließ Straßen.NRW die Rathausbrücke auf ihren Zustand prüfen. © Carla Witt

Die Rahmedetalbrücke auf der A 45 ist wegen ihres maroden Zustands bereits gesperrt. Und auch um viele andere Brücken in der Region steht es alles andere als gut. Das geht aus einer Übersicht hervor, die die Bundesanstalt für Straßenwege (Bast) veröffentlicht hat. Vor allem die Brücken in Werdohl bekommen kaum gute Noten.

Werdohl/Neuenrade/Balve – Die Infrastruktur in Deutschland ist an vielen Stellen in die Jahre gekommen. Wie schlimm es um einige Bauwerke steht, zeigt der Fall der Rahmedetalbrücke auf der A 45. Die Bundesanstalt für Straßenwege (Bast) hat jetzt eine Übersicht veröffentlicht, aus der hervorgeht, wie es mit anderen Brücken in der Region steht. Nur wenige Bauwerke erhalten dabei eine gute Zustandsnote. Eine Übersicht.

Werdohl

Die Bewertung erfolgt über Zustandsnoten (1,0 bis 4,0) und den sogenannten Traglastindex (TLI). Tatsächlich schafft es in Werdohl nicht eine Brücke auf eine gute Zustandsnote. Alle untersuchten Bauwerke bewegen sich zwischen „befriedigend“ und „nicht ausreichend“. Am schlechtesten – das ist wenig überraschend – schneidet die Lennebrücke in Ütterlingsen ab. Sie erhielt von den Bauwerksprüfern, die regelmäßige Kontrollen durchführen, die Note 3,0, was „nicht ausreichend“ bedeutet.

Die Zustandsnoten dienen laut Bundesanstalt für Straßenwege lediglich der weiteren Erhaltungsplanung und ließen die Dringlichkeit erkennen, mit der an den Brücken gearbeitet werden muss. Die Noten geben allerdings keine Auskunft darüber, wie zahlreich oder wie groß die jeweiligen Schäden sein können.

Deshalb gibt es den zweiten Indikator des Traglastindexes. Durch diesen erfolgt laut Bast der Vergleich der Tragfähigkeit einer Brücke mit der vorhandenen oder nachgewiesenen Brückenklasse (Norm über anzunehmende Belastung) des Bauwerks. Die Bewertung erfolgt in fünf Stufen über römische Ziffern. Auch dabei schneidet die Lennebrücke in Ütterlingsen schlecht ab.

Der Traglastindex liegt bei IV. Schlechter wäre nur eine V, mit der Brücken gekennzeichnet werden, die „mit einem Alter von 50 Jahren und mehr den Zenit ihrer geplanten Nutzungszeit überschritten haben, nicht nach aktuellem Regelwerk geplant und gebaut wurden und bei denen aufgrund des seinerzeitigen Stands der Technik im Vergleich zu den heutigen Anforderungen die meisten statisch-konstruktiven Defizite auftreten“.

Nicht mehr voll belastbar ist die Lennebrücke in Ütterlingsen. Momentan wird eine Behelfsbrücke aufgebaut, damit die alte Lennebrücke weichen kann.
Nicht mehr voll belastbar ist die Lennebrücke in Ütterlingsen. Momentan wird eine Behelfsbrücke aufgebaut, damit die alte Lennebrücke weichen kann. © Volker Heyn

Die Lennebrücke ist wegen ihres Zustands schon lange halbseitig gesperrt. Der Verkehr wird durch eine Ampelanlage über die Brücke geleitet, damit die Belastung für das Tragwerk nicht zu groß wird. Arbeiten für den Neubau der Flussquerung laufen bereits. Derzeit wird eine Behelfsbrücke errichtet, damit das alte Bauwerk abgerissen werden kann. Die Behelfsbrücke soll im März in Betrieb genommen werden. Fertig sein soll die neue Lennebrücke frühestens 2025.

Eine ähnlich schlechte Zustandsnote erhalten die Hangbrücke an der B 229 auf dem Weg nach Neuenrade sowie der Fußgängertunnel bei VDM. Für beide Bauwerke weist das Dokument eine 2,9 aus: „ausreichender“ Zustand, jedoch an der Grenze zur nächstschlechteren Bewertung. Der Traglastindex für die Hangbrücke ist mit I allerdings sehr gut. Es handelt sich unter dem Traglastaspekt um die beste Brücke im Stadtgebiet.

Eine 2,8 erhält die Versebrücke an der B 229, die sich zwischen der Esmecke und dem Solmbecker Weg befindet. Darunter wechselt die Verse gleich zweimal die Straßenseite, weil sie in einer engen Kurve unter der Bundesstraße fließt. Unmittelbar danach verläuft der Fluss in Richtung der Firma Kehratec.

Auch dort befindet sich eine Brücke, an der sich beim Jahrhundertregen im Juli allerlei Treibgut verfangen hatte. Diese Brücke hat die beste Zustandsnote im Stadtgebiet und erhielt bei der letzten Prüfung eine 2,4 („befriedigend“). Zweitbeste Brücke ist übrigens mit 2,5 die Rathausbrücke. Deren Traglastindex liegt mit III aber eher im Mittelfeld.

Die Zustandsnote 2,7 und damit ebenfalls nur ein ausreichendes Zeugnis erhält die Brücke an der L 655, die im Bereich des Edeka-Centers Tank die B 236 überquert. Eine 2,7 tragen auch die Brücke am „Posten 40“ auf der B 236 in Richtung Plettenberg sowie die Fußgängerbrücke (Schnapsbrücke) in Versevörde. Diese Brücken schneiden allerdings mit dem guten Traglastindex II ab, was bedeutet, dass sie nur wenige Mängel aufweisen.

Neuenrade

Für die Stadt an der Hönnequelle taucht in dem Dokument der Bast lediglich eine Brücke auf. Es handelt sich um das Bauwerk an der B 229, das den Freientroper Bach überquert. Zustandsnote: 2,8 – ausreichender Zustand. Der Traglastindex allerdings ist mit einer II „gut“.

Balve

Deutlich besser als die Brücken in Werdohl schneiden die in Balve ab. Die schlechteste Zustandsnote erhält die Hönnebrücke auf der B 229 bei Sanssouci. Die Bast vergibt dafür eine 2,9, was noch knapp einem ausreichenden Zustand entspricht. Auch der Traglastindex von III könnte besser sein. Besser bewertet sind die Brücken über die Grübecke und den Talgraben auf der B 515.

Sie erhalten eine 2,3 und haben einen Traglastindex von II. Noch besser sind zwei andere Balver Brücken: Die gute Note 1,8 erhalten die Hönnebrücke an der Sparkasse und die Brücke über den Asbecker Bach im Hönnetal. Beide Bauwerke haben auch einen hervorragenden Traglastindex von I.

Grundlagen für die Benotung der Brücken und Einordnung der Noten

Grundlage der Zustandsnote für Brückenbauwerke sind die Ergebnisse der regelmäßig stattfindenden Bauwerksprüfungen. Dabei werden die „Richtlinien zur einheitlichen Erfassung, Bewertung, Aufzeichnung und Auswertung der Bauwerksprüfungen nach DIN 1076“ beachtet. Ausschlaggebend für den Bauwerkszustand sind die vom Bauwerksprüfer festgestellten Mängel, die hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Standsicherheit, Verkehrssicherheit und Dauerhaftigkeit bewertet werden. Der Gesamtzustand wird mit Noten von 1,0 bis 4,0 zusammengefasst. Dabei werden sechs Notenbereiche unterschieden: 1,0 bis 1,4 (sehr guter Zustand), 1,5 bis 1,9 (guter Zustand), 2,0 bis 2,4 (befriedigender Zustand), 2,5 bis 2,9 (ausreichender Zustand), 3,0 bis 3,4 (nicht ausreichender Zustand) und 3,5 bis 4,0 (ungenügender Zustand). Die Zustandsnote bildet die Grundlage für die Erhaltungsplanung. Sie lässt die Dringlichkeit notwendiger Maßnahmen erkennen, gibt jedoch keinen Aufschluss über Art und Umfang der Schäden oder die Kosten der Instandsetzungsmaßnahme.

Die Zustandsnote ist ein Stichtagswert, welcher der ständigen Fortschreibung der Daten unterliegt. Eine Zustandsnote von 3,0 bis 3,4 (nicht ausreichender Bauwerkszustand) bedeutet nicht zwangsläufig eine Nutzungseinschränkung des Bauwerkes, sondern ist vielmehr ein Indikator dafür, dass in näherer Zukunft eine Instandsetzungsmaßnahme zu planen ist. Eine Zustandsnote von 3,5 und schlechter beschreibt zwar einen „ungenügenden Bauwerkszustand“ mit der Definition: „die Standsicherheit und/oder Verkehrssicherheit sind erheblich beeinträchtigt oder nicht mehr gegeben“. Dies kann aber auch durch fehlende Gitterstäbe im Geländer ausgelöst werden oder sich auf eine große Anzahl von Schäden (zum Beispiel Betonabplatzungen) beziehen, ohne dass die Standsicherheit gefährdet wäre.

In der Bauwerksdatenbank sind nur Bauwerke in der Baulast des Bundes enthalten. Zu Bauwerken anderer Baulastträger, wie Bundesfernstraßenbrücken in Städten mit mehr als 80 000 Einwohnern, liegen dem Bund keine Informationen vor.

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