800 Krankenhäuser vor dem Aus?

Nach Studie: Das meinen Experten zur geplanten Krankenhaus-Schließung

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Die Werdohler Stadtklinik ist nicht akut bedroht. Eine Bertelsmannstudie kommt aktuell aber zu dem Schluss, dass von knapp 1400 Krankenhäusern weniger als 600 größere und „bessere“ Kliniken erhalten bleiben sollen.

Werdohl - Für Schlagzeilen sorgte zuletzt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung: Rund 800 Krankenhäuser sollen demnach deutschlandweit geschlossen werden. Nun äußert sich Detlef Seidel, Geschäftsführer der Märkischen Kliniken.

Der Beschluss des Kreistags, das Marienhospital in Iserlohn-Letmathe zu schließen, ist auch in Werdohl noch nicht verdaut, schon schießen Experten erneut gegen kleinere Krankenhäuser. In einer Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung heißt es, von knapp 1400 Krankenhäusern deutschlandweit sollten weniger als 600 größere und „bessere Kliniken“ bleiben.

Kleinere Krankenhäuser verfügten oft nicht über die nötige Ausstattung und Erfahrung, lebensbedrohliche Notfälle wie einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall angemessen behandeln zu können, meinen die Fachleute. Dem kann der der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Märkischen Kliniken, Detlef Seidel, nur bedingt zustimmen.

„Sicherlich gehören Schlaganfallpatienten in eine Stroke Unit, wie sie in Lüdenscheid vorhanden ist.“ Dass Patienten mit Schlaganfallsymptomen innerhalb einer Stunde in einer solchen spezielle Klinikabteilung behandelt würden, sei aber sichergestellt.

„Außerdem gibt es auch andere Notfälle, die in der Werdohler Stadtklinik sehr gut aufgehoben sind. Schließlich sind die Ärzte in Werdohl nicht schlechter ausgebildet als die in einem anderen Krankenhaus,“ stellt der Aussichtsratsvorsitzende fest.

Die Autoren der Bertelsmannstudie räumen zudem ein, dass die Situation auf dem Land schwieriger sei als in der Stadt, kommen aber zu dem Schluss, dass „mangelhaft ausgestattete Kliniken“ nicht in der Versorgung belassen werden dürften. Sie fordern die Entwicklung von alternativen Rettungsdienststrukturen und Zubringerdiensten für Angehörige.

Der Werdohler Seidel kann nicht glauben, dass die rigorose Schließung von mehr als 800 Krankenhäusern in Deutschland sinnvoll sein könnte: „Dass die Versorgung durch diesen Schritt verbessert wird, wage ich wirklich zu bezweifeln.“ Schließlich gelte es vor allem im ländlich geprägten Raum auch die Infrastruktur zu berücksichtigen.

Um die Stadtklinik dauerhaft erhalten zu können, müssten allerdings alle Betroffenen an einem Strang ziehen: „Die Hausärzte aus Werdohl und Neuenrade als Einweiser und natürlich die Werdohler und Neuenrader selbst“, unterstreicht Detlef Seidel.

Er hofft, dass die Geriatrie, die in Werdohl sehr gut angenommen werde, weiter wachsen kann: „Wenn die Aufstockung auf 40 Betten genehmigt würde, wäre das ein großer Schritt in die richtige Richtung."

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