Maßnahme nicht verhältnismäßig?

Nach Sperrstunde kommt der Shutdown: Unmut bei Gastwirten ist groß

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Für Dimitrios Pantelidis vom Bistro Fábrica ist der neuerliche Shutdown schwer nachvollziehbar. Außerdem hat er finanziell ein Problem, weil er das Lokal erst vor einem Jahr eröffnet hat und deshalb für den November 2019 kaum Umsätze vorweisen kann, auf deren Basis nun eine Entschädigung berechnet werden könnte.

Werdohl/Neuenrade/Balve – Nach der Sperrstunde kommt nun doch der Shutdown für die Gastronomie. Nachdem Restaurants, Gaststätten und Kneipen schon seit der vergangenen Woche nur noch bis 23 Uhr geöffnet haben dürfen, müssen sie ab Montag für einen Monat ganz schließen.

Bei den heimischen Wirten kommt diese von Bund und Land verhängte Maßnahme überhaupt nicht gut an. 

Für die Sperrstunde, die der Märkische Kreis verhängt hatte, nachdem die Inzidenzzahl im Kreisgebiet die kritische 50er-Marke überschritten hatte, hatte Dimitrios Pantelidis noch Verständnis gehabt. „Das ergibt jetzt aber keinen Sinn mehr“, sagt der Inhaber des Bistros Fábrica und der Gaststätte zum Spiegel über die nun anstehende Schließung. Abgesehen davon, dass die Gastronomie erwiesenermaßen nicht für die rasante Ausbreitung des Coronavirus verantwortlich sei, habe er in den vergangenen Monaten viel Geld investiert und Hygienekonzepte für seine Lokale entwickelt, sagt Pantelidis. „Und dann kommt so etwas“, ist der 27-Jährige fassungslos. 

Wieder Liefer- und Abholdienst in Planung

Aber Pantelidis gibt sich kämpferisch: „Das ist mein Leben, das lasse ich mir nicht nehmen“, will er „alles unternehmen“, um irgendwie auch durch diese Situation zu kommen. Er will den Liefer- und Abholdienst wieder anbieten, der ihn schon während des Shutdowns im Frühjahr einigermaßen über Wasser gehalten hat. Denn auf die von der Politik versprochene Entschädigung kann er möglicherweise nicht hoffen. Das Bistro hat er mit seinem Bruder Theofilis erst vor knapp einem Jahr eröffnet, den „Spiegel“ hat er in diesem Sommer übernommen. Vergleichszahlen aus dem vorpandemischen November 2019, die für die Berechnung von Hilfszahlungen zugrunde gelegt werden sollen, haben die Pantelidis-Brüder also nicht. „Ich weiß nicht, wie das dann gehandhabt wird“, ist Dimitrios Pantelidis ratlos. 

„Spaß macht das nicht mehr“, sagt Heinz Friedriszik. Man müsse das zunächst einmal so hinnehmen. Friedriszik ist nicht nur stellvertretender Kreisvorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), sondern selbst erfahrener Gastwirt. Zu seinen Unternehmen zählt der erfahrene Gastronom die Wilhelmshöhe und die Gastwirtschaft Zum Kohl in Neuenrade, auch Syré in Garbeck sowie Ballova und Haus Drei Könige in Balve sind dabei. Er bestätigt, dass der Dehoga eine Klage gegen die angeordnete Schließung der Gaststätten vorbereite. 

Friedriszik sieht lokale Besonderheiten

Für ihn ist jedenfalls klar, dass „diese Maßnahme nicht mehr verhältnismäßig“ ist. „Das ist alles schon mit einem großen Lockdown gleichzusetzen.“ Vor allem vor dem Hintergrund, dass man nachweislich kaum Infektionen aus der Gastronomie habe. Und für ihn ist klar: „Das trifft die Branche hart.“ Zudem habe die Politik die Menschen im Vorfeld schon verunsichert. Er sieht darüber hinaus noch lokale Besonderheiten, denn Neuenrade und Balve zählten doch zu den Städten mit den wenigsten Infektionen im Kreis. 

Friedriszik hat auch die Beobachtung gemacht, dass die Regeln von der Bevölkerung nicht mehr nachvollzogen werden können. So gebe es doch die Vorgabe: „Entweder Abstand oder Maske“. Auch seine Kundschaft könne das alles nicht mehr verstehen. Reaktionen zur Schließung in der kommenden Woche hat er auch bereits bekommen. „Bevor es zu ist, kommen wir noch mal zum Essen“, zitiert der Gastronom treue Kundschaft. „Wenigstens etwas Positives“, sagt Friedriszik und freut sich darüber. Auch habe ein Kunde gesagt, dass er am Samstag erst mal „Abschied“ feiern werde. 

Optionen werden geprüft

Natürlich werden Heinz Friedriszik und seine Leute nicht den Kopf in den Sand stecken und machen entsprechende Pläne. „Wir prüfen, ob wir außer Haus verkaufen und auch nach Hause liefern, wir haben für diese Zeit viel eingekauft, in Erwartung von Feiern, die dann doch storniert wurden.“ 

So lautet sein Appell dann auch in Richtung Kundschaft bereits jetzt: „Wir würden uns freuen, wenn die Kunden für Weihnachten und Silvester jetzt schon mal vorbestellen.“

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