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Nach Spahns Biontech-Ankündigung: So betreiben die Hausärzte „Schadensbegrenzung“

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Von: Volker Heyn

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Der Werdohler Hausarzt Dr. Patrik Roumani-Spree arbeitet mit dem Biontech-Präparat. Die von ihm und seinem Vater betriebene öffentliche Impfstelle in der Freiheitstraße hat alle Biontech-Termine bis Anfang Dezember vergeben. Bis geklärt ist, ob genügend Moderna geliefert wird, vergeben sie keine weiteren neuen Termine.
Der Werdohler Hausarzt Dr. Patrik Roumani-Spree arbeitet mit dem Biontech-Präparat. Die von ihm und seinem Vater betriebene öffentliche Impfstelle in der Freiheitstraße hat alle Biontech-Termine bis Anfang Dezember vergeben. Bis geklärt ist, ob genügend Moderna geliefert wird, vergeben sie keine weiteren neuen Termine. © Heyn, Volker

Der Bund wird ab Ende November die Impfstoffmenge von Biontech pro Arzt auf 30 Dosen pro Woche kontingentieren. In dieser Woche werden die Arztpraxen jedoch noch rund 4,6 Millionen Dosen dieses Impfstoffs erhalten.

Danach werde überwiegend Impfstoff von Moderna bereitgestellt, heißt es in einer Mitteilung der Kassenärztliche Bundesvereinigung vom Freitag, die sich auf das Bundesministerium für Gesundheit beruft.

Für die öffentliche Impfstelle der Werdohler Hausarztpraxis Drs. Roumani-Spree sorgt diese Ankündigung für eine vorläufige Unterbrechung. Die beiden Ärzte haben mitgeteilt, dass nur für alle schon vergebenen Buchungen bis zum 3. Dezember genügend Biontech-Impfstoff vorhanden sei. „Bis zur weiteren Klärung“ werden weder online noch per Telefon weitere Impftermine vergeben. Dr. Patrik Roumani-Spree und sein Vater Dr. Atef Roumani-Spree betrieben am Montag erstmal „Schadensbegrenzung“.

Bald nur noch 30 Dosen pro Arzt

Für diese Woche sind an der Freiheitstraße rund 300 Biontech-Impfungen geplant und gebucht. „Ab nächste Woche bekommen wir pro Arzt nur noch 30 Dosen, das reicht für unsere Impfstelle hinten und vorne nicht aus“, so Dr. Patrik Roumani-Spree.

„Wir werden Moderna mitbestellen und dann sehen, wie wir weitere Impftermine anbieten können“, so der Hausarzt. Von der Wirksamkeit von Moderna ist Dr. Patrik Roumani-Spree überzeugt, als Arzt im Lüdenscheider Impfzentrum habe er auch schon damit gearbeitet. „Wir können sagen, dass es auf keinen Fall schlechter wirkt als Biontech.“ Die Kritik des Werdohler Hausarztes geht in voller Breitseite an die Bundesregierung: „Es war ein Riesenfehler, Biontech zu kontingentieren und das so schlecht zu vermitteln. Wir müssen jetzt die Planungsschwierigkeiten der Regierung ausbaden.“ Der Bevölkerung sei vermittelt worden, das Moderna ein Impfstoff zweiter Klasse sei – was nicht stimme. Dr. Patrik Roumani-Spree: „Das ist katastrophal, diese Erklärung war der total falsche Ansatz.“ Mit „dieser unprofessionellen Art“, solche sensiblen Aussagen zu verbreiten, werde den Ärzten „ein weiterer Stein in den Weg gelegt“. Die erste Verunsicherung sei in Bezug auf den Wirkstoff von Astra-Zeneca erfolgt, danach die Fehlinformation, das Johnson&Johnson einmalig gut wirke.

Arzt blickt mit Sorge in die Zukunft

Dr. Roumani-Spree blickt mit Sorge in die Zukunft: „Die nächste Virus-Variante kann sehr problematisch werden.“ Die Delta-Variante verbreite sich zwar rasend schnell, habe aber das Immunsystem nicht austricksen können. Die MRNA-Vakzine von Biontech und Moderna hätten eine sehr hohe Wirksamkeit, die durch das Boostern noch einmal gestärkt werde.

Delta sei „zum Glück“ so stark, dass sich problematische Mutationen momentan nicht durchsetzen und verbreiten könnten. Deshalb müsse jetzt so viel wie möglich geimpft werden. Dr. Roumani-Spree ist medizinisch ganz eindeutig: „Wenn wir uns die Wirksamkeit der MRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna verspielen, kann es ein Albtraum werden.“

Unbedingt die FFP2-Maske tragen

Dem Hausarzt ist es ein großes Anliegen, in diesem Zusammenhang für das Tragen der FFP2-Maske zu werben. Diese Maske biete einen hochwirksamen Schutz gegen Infektionen. Er selber nehme die Maske in der Praxis praktisch nie ab. Und die Wirksamkeit einer OP-Maske mit der einer FFP2-Maske gleich zu stellen, sei in etwa wie „ein Stück Würfelzucker mit Antibiotika“ zu vergleichen.

Er könne nicht versehen, dass die politisch Verantwortlichen nicht viel mehr Werbung dafür machen, dass die Menschen sich mit der FFP2-Maske schützen würden.

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