Andreas Späinghaus weiter nicht im Dienst

Nach schwerer Corona-Erkrankung: So geht es dem Werdohler Bürgermeister

Auf dem Ergometer kämpft sich Andreas Späinghaus zurück in sein Leben vor Corona. Täglich strampele er zehn Kilometer, berichtet der Bürgermeister.
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Auf dem Ergometer kämpft sich Andreas Späinghaus zurück in sein Leben vor Corona. Täglich strampele er zehn Kilometer, berichtet der Bürgermeister.

Der Werdohler Bürgermeister Andreas Späinghaus (SPD) erholt sich immer besser von seiner schweren Corona-Erkrankung. Wann er in sein Büro im Rathaus zurückkehren kann, ist aber immer noch offen. Unter anderem hat der 62-Jährige mit einem eher seltenen Symptom von Covid-19 zu kämpfen. Einen Rat von Ärzten schlägt er aber in den Wind.

Werdohl Seit Weihnachten leidet Andreas Späinghaus an der tückischen Viruserkrankung und ihren Folgen. Es habe alles relativ harmlos angefangen, erinnert sich der Bürgermeister. Auch eine Verschlechterung seines Gesundheitszustandes in den ersten Tagen nach der Diagnose am 28. Dezember hatte ihm noch keine großen Sorgen bereitet. „Buchstäblich über Nacht ist es dann aber ganz schlimm geworden. In der Nacht vom 7. auf den 8. Januar habe ich Albträume gehabt, da wäre ich fast verrückt geworden“, berichtete er am Dienstag am Telefon.

Sauerstoffgehalt lag unter 60 Prozent

Das war der Moment, als sich Späinghaus entschloss, sich zur Behandlung ins Klinikum Lüdenscheid zu begeben. Bei einer ersten Untersuchung sei festgestellt worden, dass sein Körper unter akutem Sauerstoffmangel litt: „Der Sauerstoffgehalt im Blut lag unter 60 Prozent, ich stand kurz vor der Intubation“, berichtet Späinghaus. Mit einer Sauerstoffmaske hätten die Ärzte die Situation aber wieder in den Griff bekommen. „Nach zwei Tagen ging es mir wieder besser“, erinnert sich Späinghaus.

Doch die Sauerstoffunterversorgung hatte Spuren hinterlassen. An den Sturm auf das Washingtoner Kapitol am 6. Januar habe er sich nicht mehr erinnern können, nennt Späinghaus ein Beispiel. „Dabei hatte ich das doch am Fernsehen gesehen!“. Heute weiß er: Zu den Covid19-Beschwerden können auch Einschränkungen der Aufmerksamkeit und Merkfähigkeit gehören.

Hautveränderungen an den Zehen

Ein anderes Problem bereitet dem Bürgermeister größere Sorgen. An seinen Zehen haben sich Hautveränderungen gebildet, die Frostbeulen ähneln. „Die Ärzte haben gesagt, das sei ein Corona-Fuß“, erzählt Späinghaus. Tatsächlich beobachten Ärzte weltweit, dass bei Corona-Patienten in seltenen Fällen und in einem späten Stadium der Infektion solche Veränderungen an den Extremitäten auftauchen. Grund für die Schwellungen und Rötungen seien wahrscheinlich natürliche Entzündungsreaktionen des Körpers auf die Infektion. Für Späinghaus ist das seit etwa drei Wochen eine schmerzhafte Begleiterscheinung. Und er hat ein wenig Angst vor Langzeitschäden: „Es kann auch sein, dass davon etwas zurückbleibt.“

Trotzdem kämpft sich Andreas Späinghaus derzeit jeden Tag ein Stückchen weiter zurück in sein normales Leben vor Corona. Er misst stündlich den Sauerstoffgehalt in seinem Blut und strampelt sogar schon wieder täglich zehn Kilometer auf seinem Ergometer. „Danach bin ich aber jedes Mal richtig kaputt“, berichtet er. Im Krankenhaus habe er „jegliche Kraft eingebüßt“.

Zeit im Krankenhaus hat Spuren hinterlassen

Überhaupt hat die Zeit im Klinikum bei Andreas Späinghaus einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Zehn Tage hat er auf der Intenivstation verbracht, anschließend war er noch neun Tage auf der Isolierstation für Covid-Patienten untergebracht. „Auf der Intensivstation war ich der einzige Wachpatient“, blickt er auf diese Zeit zurück. Es muss eine bedrückende Zeit gewesen sein. „Um mich herum sind Menschen gestorben, die jünger waren als ich“, erinnert sich der 62-Jährige. Dabei ist er voll des Lobes und der Anerkennung für das Pflegepersonal im Klinikum, das um jeden Patienten kämpfe.

Unter dem Eindruck dieser Erlebnisse appelliert Andreas Späinghaus an alle, das Coronavirus nicht zu unterschätzen. Während sich der Bürgermeister allmählich von der Krankheit erholt, ist seine Stadt zum Corona-Hotspot geworden, die Inzidenzzahl in Werdohl auf mehr als 230 gestiegen. Der Verwaltung seien weitgehend die Händen gebunden, antwortet er auf die Frage, was die Stadt dagegen tun könne. Es komme einfach auf die Einsicht der Menschen an. „Jeder muss sich darüber im Klaren sein, dass jeder jederzeit Virusträger sein kann“, mahnt der Bürgermeister zur größter Vorsicht im täglichen Miteinander.

Späinghaus verzichtet auf Reha

Wann Andreas Späinghaus seine Dienstgeschäfte als Bürgermeister wieder aufnehmen wird, ist immer noch offen. Eigentlich habe er vorgehabt, am 8. Februar ins Rathaus zurückzukehren, erzählt er. Das werde aber wohl noch nicht klappen. In der nächsten Woche habe er noch einen Arzttermin, dann solle untersucht werden, wieviel Antikörper er noch in sich trägt. Danach wird wohl eine Entscheidung fallen.

Auf eine Reha, die ihm Ärzte nahegelegt hätten, will Andreas Späinghaus verzichten. „Was wird denn da schon gemacht außer Ergometer-Training? Das kann ich auch zuhause machen“, behauptet er. Außerdem sei ihm daran gelegen, seine Allgemeine Vertreterin Vanessa Kunze-Haarmann so bald wie möglich wieder zu entlasten. „Was die in den vergangenen Wochen geleistet hat, davor muss ich den Hut ziehen“, zollt er der Rathaus-Vize Anerkennung.

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