Stadt informiert über Pläne

Nach Schließungswelle: So soll die Werdohler Innenstadt gestärkt werden

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Im Schuhhaus Brockhaus an der Freiheitstraße hat am Mittwoch der Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe begonnen. Die Stadt möchte nun Fördermittel des Landes einsetzen, um die so entstehenden Leerstände in der Innenstadt zu bekämpfen.

Werdohl – Silberstreif am Horizont: Die Stadt Werdohl will versuchen, aus einem Förderprogramm des Heimatministeriums Mittel zur Stärkung der Innenstadt zu bekommen.

„Aus gegebenem Anlass“, teilte Abteilungsleiter Thomas Schroeder dem Rat am Montagabend mit, werde sich die Verwaltung um Fördermittel bemühen. 

Ende Juni hatte in Werdohl nach 44 Jahren das WK Warenhaus geschlossen, in wenigen Tagen wird das Schuh- und Sporthaus Bathe schließen, und auch das Schuhhaus Brockhaus und das Reformhaus Hardt haben gerade erst bekannt gegeben, dass sie ihre Geschäftstätigkeit einstellen werden. Eine alarmierende Entwicklung also in der Werdohler Innenstadt, der die Stadtverwaltung nun mithilfe des Förderprogramms zur Stärkung der Innenstädte und Zentren entgegenwirken will. 

Volumen von 70 Millionen Euro

Ins Leben gerufen hat das Förderprogramm mit einem Volumen von 70 Millionen Euro das NRW-Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung. Es soll den Städten und Gemeinden aktives Handeln für die eigene Innenstadt ermöglichen. Das Anfang Juli verabschiedete Sonderprogramm umfasst vier Handlungsfelder: 

  • Die vorübergehende Anmietung leer stehender Ladenlokale durch die Kommunen zur Etablierung neuer Nutzungen im Rahmen eines Verfügungsfonds soll kleinteiligen Leerständen entgegenwirken. 
  • Die aktuell von Filialschließungen großer Warenhäuser betroffenen Städte und Gemeinden sollen gestärkt werden, um durch die Konzentration von Immobilien-Knowhow gegenüber den Eigentümern auf Augenhöhe agieren und Nachnutzungsperspektiven entwickeln zu können. 
  • Damit leer stehende Einzelhandelsimmobilien nicht zum Gegenstand von Immobilienspekulationen werden, soll den Kommunen ein Zwischenerwerb von Gebäuden ermöglicht werden, um die Verfügungsgewalt über die Objekte zu erlangen. 
  • Infolge von massivem Leerstand ist ganz konkret zu prüfen und zu entscheiden, ob die Konzentration von Handelslagen erforderlich ist und, wenn ja, wo diese räumlich stattfinden soll. Hier sollen Beratungs- und Planungsangebote helfen, ein Zentrenmanagement anzustoßen und den Aufbau eines Verfügungsfonds vorzubereiten. 

Besitzer der Immobilien müssen Beitrag leisten

„Über allem steht, leer stehende Immobilien wieder einer Nutzung zuzuführen, zum Beispiel durch eine Direktvermarktung von Landwirten“, erläuterte Werdohls zuständiger Abteilungsleiter Schroeder auf Nachfrage. Das könne dann dazu führen, dass diese Ladenlokale auch langfristig wieder neu genutzt werden. Allerdings müssten auch die Besitzer dieser Immobilien einen Beitrag leisten, indem sie beispielsweise auf einen Teil ihrer Altmieten verzichten. 

Letztlich sei aber auch eine ganz andere Nutzung leer stehender Ladenlokale möglich, erklärte Schroeder weiter. Das zu erreichen, sei dann Aufgabe eines Zentrumsmanagers, den Schroeder in der Ratssitzung salopp als „Immobilienkümmerer“ bezeichnete. Auch eine solche Stelle könne aus dem Sonderprogramm gefördert werden. 

Fördermittel könnten auch für WK Warenhaus genutzt werden

Theoretisch könnten die Fördermittel auch für das seit Juli leer stehende WK Warenhaus eingesetzt werden, sagte Schroeder auf Nachfrage. Die Förderrichtlinien sehen unter anderem vor, dass Machbarkeitsstudien für eine Nachnutzung solcher Großimmobilien oder städtebauliche Planungen zur Einbindung der Standorte in die umliegenden Strukturen gefördert werden. 

Das stehe aber aktuell nicht im Zentrum der Bemühungen, weil die Antragsfrist für die Fördermittel schon am 16. Oktober ablaufe, bremste Schroeder die Erwartungen. 

Entstehen Wohnungen im WK-Obergeschoss?

Außerdem gebe es derzeit intensive Gespräche zwischen den Besitzern der Kaufhaus-Immobilie und möglichen Interessenten, wusste der Abteilungsleiter. Nach Informationen unserer Zeitung soll sich unter anderem ein Investor für das Gebäude interessieren, der im Obergeschoss Wohnungen und im Erdgeschoss wieder Einkaufsmöglichkeiten schaffen möchte.

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