Sogar Bachforellen fühlen sich in der Soppe heimisch

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Dr. Andreas Hoffmann hat am Dienstag  den Fischbestand in der Soppe gezählt. Dabei kam Gleichstrom zum Einsatz: Die Tiere, die sich im Stromkreis befinden, schwimmen zum Pluspol, der sich am Kescher befindet.

Werdohl - Spaziergänger, die am Dienstagmorgen auf dem Weg zwischen Lenne und Soppe unterwegs waren, haben Dr. Andreas Hoffmann zumindest für einen Moment neugierig beobachtet: Mit Anglerhose, einem Rucksack, einer mit Kabel bestückten Apparatur vor der Brust und einem Kescher in der Hand watete er durch die Soppe.

Der Geschäftsführer des Büros für Umweltplanung, Gewässermanagement und Fischerei aus Bielefeld war mit seiner Mitarbeiterin Christine Wollschläger nach Werdohl gekommen, um den Fischbestand in dem renaturierten Gewässer zu zählen.

Um möglichst viele Fische aufzuspüren, kam bei dieser sogenannten Abfischung Strom zum Einsatz: Beim Elektrofischen wird durch das Wasser ein Gleichstrom geleitet. Die Tiere, die sich im Stromkreis befinden, schwimmen zur Anode – dem Pluspol, der sich am Kescher befindet. „Wir benutzen 0,8 Ampere. So werden die Fische in der Regel nicht betäubt. Einige sind allerdings für einen Moment reglos, bevor sie weiterschwimmen“, erklärte Dr. Andreas Hoffmann. Die Batterie trug er im Rucksack, das Steuergerät vor der Brust.

Christine Wollschläger listet die Funde genau auf.

Die Zählung startete kurz vor der Stelle, wo die Soppe zurück in die Lenne fließt. Meter für Meter watete der Fachmann gegen die Strömung und bewegte den Kescher dabei langsam durchs Wasser. Schon nach einigen Metern konnte er die erste Sichtung vermelden, die Christine Wollschläger sofort notierte: „Fünf Elritzen, kleiner fünf.“

Es hat sich viel getan

Ihr nasses Element mussten die Tiere bei der Zählung nicht, oder höchstens für einen kurzen Augenblick verlassen: Nur ganz besondere Funde landeten im Kescher des Fachmanns, um näher begutachtet oder fotografiert zu werden. Die meisten Fische zählte Dr. Hoffmann, als sie am Fanggerät vorbei schwammen. Dabei entging seinem geschulten Auge nicht die kleinste Bewegung an und unter der Wasseroberfläche. Blitzschnell hatte der Geschäftsführer des Fachbüros die Tiere nicht nur gezählt, sondern auch die einzelnen Arten erkannt und in Größenkategorien unterteilt.

Zwei Koppen – dieses Foto zeigt ein männliches Tier – hat Dr. Hoffmann in dem renaturierten Gewässer entdeckt.

Und bereits nach wenigen Metern zeichnete sich ab, dass sich in der Soppe eine Menge getan hat, seit die Renaturierung Ende November 2016 abgeschlossen werden konnte. Unmittelbar vor der Maßnahme lebten lediglich 100 Stichlinge und eine Elritze in diesem Seitenarm der Lenne.

Mehr Schutz für Jungtiere

„Dafür haben wir das gemacht“, freute sich Dr. Hoffmann, nachdem er nicht nur immer wieder Elritzen und Stichlinge, sondern auch schon mehrere Schmerlen entdeckt hatte. „Was mir noch fehlt, sind Bachforellen“, stellte er fest, ohne das Gewässer um ihn herum auch nur für einen Moment aus den Augen zu lassen.

Bachforellen leben in sauerstoffreichen Gewässern. Der Fachmann war erfreut, 16 Jungtiere im Seitenarm der Lenne zu finden.

Knapp drei Minuten später sollte der Fachmann fündig werden – allerdings war es nur ein totes Exemplar, das in der Soppe umhertrieb. Die Hoffnung wollte er dennoch nicht aufgeben: „Wir kommen noch in den Bereich, in dem die Fließgeschwindigkeit höher ist. Das bevorzugen Forellen.“ Dr. Hoffmann sollte Recht behalten: Kaum hatte er den ersten Abschnitt mit stärkerer Strömung erreicht, tauchten die ersten Bachforellen auf. „Es sind Jungfische, die hier mehr Schutz finden als in der Lenne,“ erklärte er. Dass sich auch diese Fischart in der Soppe heimisch fühlt, ist für den Fachmann ein sehr gutes Zeichen: „Bachforellen benötigen eine gute Wasserqualität und viel Sauerstoff.“

Ein schlechter Schwimmer

Im Gewässerbereich unter der Bahnüberführung konnte er eine weitere, besondere Entdeckung melden: Eine Koppe (Groppe) die ebenfalls nur in sauerstoffreichen Gewässern zu finden ist. „Sie ist ein schlechter Schwimmer und benötigt deshalb viel Zeit, um neue Lebensräume zu besiedeln“, erklärte Dr. Hoffmann. Insgesamt zwei Fische dieser Art haben bisher die Soppe für sich entdeckt. Der Geschäftsführer des Fachbüros ist überzeugt, dass im Laufe der Zeit weitere folgen: „Und sicher auch Neunaugen und Gründlinge. Wobei es durchaus möglich ist, dass diese Arten schon da sind und ich sie in den Schlammbänken heute nicht gefunden habe, weil die Soppe relativ viel Wasser führt.“

Elritzen sind im Seitenarm der Lenne keine Seltenheit mehr: Aktuell leben dort mindestens 1338 Exemplare.

Insgesamt zählte er am Dienstag 1338 Elritzen, 117 Stichlinge, 28 Schmerlen, 16 Bachforellen und 2 Koppen. Dieses Ergebnis sei sehr beeindruckend, sagte Dr. Hoffmann. Er sprach auch seiner Kollegin Jennifer Heermann, die mit der Planung und Bauüberwachung in Werdohl betraut war, ein großes Lob aus: „Das Ziel, die Soppe als Habitat für Jungfische und als Winterquartier herzurichten, haben wir auf jeden Fall erreicht.“

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