Nach Raub: Haftstrafen auf Bewährung verhängt

WERDOHL – Ahnungslos hatte ein obdachloser Werdohler im Eingangsbereich eines alten Gebäudes in der Altenaer Straße sein Lager aufgeschlagen. Doch ohne Ankündigung hatte die friedliche Ruhe plötzlich ein jähes Ende genommen. Zwei junge Männer im Alter von 18 und 20 Jahren waren über den wehrlosen Mann hergefallen. Von Jana Peukert

Donnerstag nun mussten sie sich wegen gemeinschaftlichen schweren Raubes vor dem Amtsgericht Altena verantworten. Alle Unschuldsbeteuerungen seitens der Angeklagten konnten das Gericht nicht überzeugen. Am Ende hagelte es für den 20-Jährigen zehn Monate Haft und 70 Sozialstunden und für den 18-Jährigen sogar ein Jahr, 100 Sozialstunden und die Teilnahmeverpflichtung an einem Antiaggressionstraining, da bei ihm gestern noch ein weiteres Körperverletzungsverfahren mitverhandelt wurde. Beide Haftstrafen wurden zur Bewährung ausgesetzt.

Sowohl die Staatsanwaltschaft, als auch das Gericht sahen es als erwiesen an, dass die beiden Angeklagten am 24. September vergangenen Jahres gegen 15.30 Uhr den Obdachlosen um Geld angeschnorrt hatten – ohne Erfolg. Daraufhin hatten sie mit dicken Knüppeln auf den verängstigten Mann eingeschlagen und ihn getreten. Zuletzt hatten sie ihm dann noch mindestens zwei Zigaretten geklaut.

Am Donnerstag präsentierten sich die Angeklagten unschuldig. Sie erklärten, dass sie sich lediglich zwei Zigaretten vom Geschädigten geborgt hatten. „Wir hatten vor, die Zigaretten wieder zurück zu geben”, so der 20-Jährige. Er hatte sich im Februar mit Zigarillos und Schokolade beim heute 70-Jährigen entschuldigt, wie sein Vater bestätigte.

An dieser Stelle stellte sich dem Gericht plötzlich die große Frage, wofür denn eine Entschuldigung nötig war, wenn doch gar nichts passiert sei. Darauf die Begründung des Vaters für seinen Sohn: „Er tat ihm ganz einfach leid.” Das konnte die Staatsanwaltschaft jedoch nicht überzeugen. Zudem waren am Tatort frisch zerbrochene Stöcke gefunden worden. Auch war das Lager des Obdachlosen auf der Straße verteilt gewesen, wie ein Zeuge berichtete.

„Für die Angeklagten spricht relativ wenig”, so die klaren Worte des Oberstaatsanwalts. In seinen Augen handelte es sich hier um eine „widerliche Tat gegen ein wehrloses Opfer”. Dem schloss sich letztlich auch der Vorsitzende Richter an und fügte hinzu: „Das Gericht hat nicht die geringsten Zweifel.“

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