Urteil gegen 31-jährige Messerstecherin: drei Jahre Haft

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Werdohl - Versuchter Totschlag ja, Notwehr nein – so ließe sich das Fazit des Schwurgerichts nach dem Prozess gegen eine 31-jährige Lüdenscheiderin zusammenfassen. Die Kammer verurteilte die Angeklagte zu einer Haftstrafe von drei Jahren, die allerdings noch nicht rechtskräftig ist.

Verteidiger Dirk Löber kündigte an, das Urteil vom Bundesgerichtshof in Karlsruhe überprüfen zu lassen. 

In seiner ausführlichen Urteilsbegründung machte der Vorsitzende Richter Marcus Teich deutlich, dass die Kammer der Angeklagten nicht abnahm, dass sie sich an jenem 27. Juni 2013 in einer Notwehrsituation befunden habe. Diese Version der Geschichte habe sie erstmals in der Hauptverhandlung vorgetragen. Und sie passe nicht zu ihren Verhaltensweisen nach der Tat: „Wenn sie sich nur gewehrt hat – warum verbleibt sie dann in der Wohnung und putzt, statt mit den Verletzungen zur Polizei zu gehen?“ 

Die Angeklagte hatte vorgetragen, sie sei an jenem Morgen wegen seiner Frauengeschichten mit Trennungsabsichten in die Werdohler Wohnung gekommen. Dann sei sie von ihrem Expartner massiv bedroht und zusammengeschlagen worden, bevor er das Messer geholt habe. 

Erzählung "nicht plausibel"

Diese Erzählung sei „nicht plausibel“, befanden die Richter. Warum hätte er nach einem derart massiven Angriff auch noch ein Messer holen sollen? Und sollte es tatsächlich so gewesen sein, wie die Angeklagte behauptet hatte, so wäre nicht nachvollziehbar, warum diese sich nicht endgültig trennte, sondern die Beziehung noch jahrelang weiterführte. Das Opfer habe hingegen „eine in sich geschlossene und konstant vorgetragene Aussage gemacht und eingeräumt, dass auch er sich falsch verhalten habe“. 

Die Kammer ging deshalb davon aus, „dass die Angeklagte die Messerstiche in Tötungsabsicht gesetzt hat“. Sie habe dabei billigend in Kauf genommen, dass der 35-Jährige an massiven Verletzungen verstirbt. Dass es dazu nicht gekommen sei, sei reiner Zufall gewesen. Mögliche Mordmerkmale fanden die Richter nicht: „Es war eine Spontantat aus der Situation heraus.“ Hinweise auf eine tiefgreifende seelische Beeinträchtigung und eine mögliche Schuldunfähigkeit sah die Kammer nicht. 

Letztlich gingen die Richter aber von einem minderschweren Fall aus. Auch das Opfer habe zu dieser Entwicklung beigetragen. Die verfeindeten Familien rief Richter Teich dazu auf, die nach den Plädoyers ausgebrochenen Auseinandersetzungen zu beenden: „Selbstjustiz und Rache sind nicht die Lösung.“

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