Nach Messerattacke: Opfer lehnt Entschuldigung ab

+

Werdohl - Einen „versuchten Heimtücke- und Habgiermord“ wirft die Staatsanwaltschaft einem 34-jähriger Neuenrader vor.

Der Angeklagte gab zum Auftakt des Strafverfahrens im Landgericht Hagen zu, dass er am Morgen des 9. Dezember in der Tiefgarage an der Freiheitstraße in Werdohl einen 56 Jahre alten Kunden der Sparkasse Werdohl mit zwei Messerstichen verletzte, um ihn zu berauben. Am Dienstag wurde der Prozess fortgesetzt.

Dabei hatten es der Angeklagte und seine Anwälte geahnt und brachten gestern nur sehr vorsichtig eine mögliche Entschuldigung des 34-Jährigen beim Opfer der Messerattacke ins Spiel. Der 56-Jährige beantwortete die ebenso vorsichtige Anfrage des Vorsitzenden Richters Jörg Weber-Schmitz, ob er eine Entschuldigung vom Angeklagten annehmen würde, mit einem klaren „Nein!“. In zwei Varianten gab der Zeuge seine damaligen Gedanken wieder: „Was machst du jetzt mit diesem Vollidioten?“ und „Was fängst du jetzt mit diesem Hornochsen an?“ Er erinnerte sich auch noch an den Eindruck kurz vor dem Angriff: „Ich hatte nicht erwartet, dass er mich abstechen würde, weil es eigentlich ein freundliches Gesicht war.“ 

Die Aussage des 56-Jährigen machte im Gegensatz dazu aber die Unverfrorenheit und Brutalität deutlich, mit der der Täter ihm „unvermittelt und ohne jede Vorwarnung“ ein Messer in den Hals gerammt hatte. Aber auch, wie geistesgegenwärtig und reaktionsschnell sich der 56-Jährige zur Wehr gesetzt hatte. Er holte eine Dose mit Pfefferspray aus der Tasche und richtete den Sprühnebel gegen den Angreifer. 

Pfefferspray beeindruckt Angreifer nur wenig

„Das hat ihn wenig beeindruckt“, bedauerte er im Gerichtssaal die unzureichende Wirkung des Sprays, die einen zweiten Angriff des 34-Jährigen nicht verhinderte. Mit dem linken Arm wehrte der Zeuge die gegen seinen Leib gerichtete Stichbewegung ab und erlitt eine weitere tiefe Schnittverletzung im Unterarm. Im Rücken eine Wand des Parkhauses, links ein Auto, rechts ein Auto – „Ich steckte in der Mausefalle“, schilderte der Zeuge die bedrohliche Situation, der er erst durch einen zweiten Sprühstoß mit dem Pfefferspray entkam: „Er machte einen Schritt zurück, und für mich tat sich eine Lücke auf.“ 

Erst als er die Polizei angerufen hatte, habe er gemerkt, dass er verletzt war. „Ich wurde zurechtgeflickt, und dann musste ich mich erst einmal beruhigen.“ 

Möglicherweise trug die entschiedene Gegenwehr des 56-Jährigen dazu bei, dass er nicht in die verletzende Opferrolle kam und die seelischen Folgen des Angriffs sich in Grenzen hielten: Er brauche keine psychologische Behandlung, sagte der Zeuge. Und in dem Parkhaus habe er durchaus wieder ein „normales Gefühl“. „Wenn er (der Angeklagte) sein gerechtes Urteil bekommt, kann ich damit auch abschließen.“ Der Vorsitzende Richter sagte seine Unterstützung zu: „Wir arbeiten dran.“ 

Unfallchirurg schildert Verletzungen 

Wie gefährlich vor allem der Stich in den Hals war, machte ein Unfallchirurg des Werdohler Krankenhauses deutlich: Nur zwei Zentimeter tiefer hätte der Stich arterielle Blutgefäße verletzt. Ernstere Schäden blieben aber von der Stichverletzung in die Armmuskulatur zurück: Zwei Finger seiner linken Hand litten seitdem an Bewegungseinschränkungen, erklärte 56-Jährige.

Der Prozess wird am 28. Mai ab 9.30 Uhr im Landgericht fortgesetzt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare