Nach der letzten Ruhe: Das passiert mit den ausgedienten Grabsteinen

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Grabsteine erinnern an längst vergangene Tage. Sie sind Orte der Trauer, der Erinnerung und helfen den Hinterbliebenen, Abschied zu nehmen. Gleichzeitig können sie aber auch Mahnmal sein, so wie hier das Ehrengrabmal zum Zweiten Weltkrieg auf dem Friedhof Landwehr.

Werdohl - Der Friedhof ist häufig die Endstation auf dem Lebensweg eines Menschen. Verstirbt ein Angehöriger, richten oft die Verwandten eine letzte Ruhestätte her, wo der Verstorbene ewigen Frieden finden soll.

Über Jahrzehnte hinweg sollen die Gräber und Grabsteine an die Toten und die Lücke, die sie hinterlassen haben. Sie sind Orte der Trauer und des Schmerzes, aber auch Orte, um loszulassen, neue Kraft zu schöpfen und innere Heilung zu finden. Daher werden die Grabmäler in aller Regel auch so persönlich und individuell wie möglich gestaltet. 

Umso wichtiger ist die Frage: Was passiert mit Grabsteinen, wenn die Liegezeit abgelaufen ist und ein Grab – sofern das Nutzungsrecht an der Grabstelle nicht verlängert wird – geräumt werden muss? 

Steine müssen entfernt werden

„Sobald die Liegezeit verstrichen ist, muss die Grabstelle wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden“, erklärt Andrea Lohmann von der evangelischen Friedhofsverwaltung Werdohl. „Das bedeutet, dass folglich auch die Grabsteine entfernt werden müssen.“ Nur selten komme es vor, dass Verwandte den Stein aufbewahren und ihn zum Beispiel in den Garten stellen. „Dafür haben die meisten wahrscheinlich auch keinen Platz.“ Das bestätigt Klaudia Grobel, Verwaltungsleiterin der katholischen Pfarrei St. Michael. 

Kurzfristige Zwischenlagerung

Kurzfristig dürfen die ausgedienten Grabsteine auf dem Friedhof zwischengelagert werden, bis die Abholung durch einen Fachbetrieb erfolgt. Dabei handelt es sich in der Regel um einen Steinmetzbetrieb – nicht selten um den, der den Grabstein seinerzeit gefertigt, also in die gewünschte Form gebracht und beschlagen hat. Nils Langwald ist so ein Steinmetz. Er ist Geschäftsführer im Familienunternehmen Grabmale Langwald, das in Werdohl gegründet wurde und später nach Lüdenscheid umzog. Langwald erklärt: „Wir haben hier auf dem Hof eine Deponie für die alten Grabsteine. Etwa alle sechs Monate werden die dort gelagerten Grabsteine von einem Entsorgungsunternehmen als Bauschutt abgeholt und weitertransportiert. Öfter als zweimal im Jahr ist das normalerweise nicht nötig.“ Den Container häufiger leeren zu lassen, sei unwirtschaftlich. 

Nur einen einzigen aufwendig gearbeiteten Grabstein, den eine Familie weiterverwenden möchte, hat der Steinmetzbetrieb Langwald „zwischengeparkt“.

Mit einem Lastwagen transportiert das Entsorgungsunternehmen die Grabsteine ab, und verbringt sie zur Weiterverarbeitung beispielsweise in einen Steinbruch. Dort werden sie von Maschinen geschreddert. „Eine Weiterverwendung ist äußerst unüblich und kommt höchstens dann vor, wenn der Grabstein innerhalb einer Familie bleibt“, erklärt Langwald. Solche Grabsteine lagert er separat auf dem Betriebshof, um sie zu einem späteren Zeitpunkt gemäß den Wünschen der Familie umzuarbeiten.

Füllmaterial im Straßenbau

„Bei allen anderen Grabsteinen ist das mit der Pietät so eine Sache. Ich würde auch nicht wollen, dass der Grabstein meiner Mutter eines Tages an irgendjemand Fremdes weitergegeben wird.“ Das zerkleinerte Material, das aus dem Schredder kommt, werde auch nur noch bedingt wiederverwendet. „So weit ich informiert bin, setzt man die kleinen Steine hauptsächlich im Straßenbau ein – als Füllmaterial unter dem Asphalt“, so Langwald.

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