Menschen verloren ihr Leben

Nach Katastrophe in Giresun: Bekannter Werdohler hilft vor Ort

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Harun Cici (Zweiter von links) war von den Überschwemmungsschäden in seiner Geburtsstadt erschüttert. Der Werdohler ist seit eineinhalb Jahren im Rat der Stadt Giresun und engagiert sich als Lokalpolitiker für eine demokratische und Europa zugewandte Türkei.

Werdohl/Giresun – Viele in Werdohl lebende Türken stammen aus der Region um die Stadt Giresun am Schwarzen Meer – viele von ihnen haben mit Bestürzung zur Kenntnis genommen, dass der Stadtbezirk Deleri unter Massen von Schlamm und Geröll begraben wurde.

Mehrere Menschen verloren ihr Leben, es entstanden große Sachschäden. Der Werdohler Immobilienhändler Harun Cici ist seit gut eineinhalb Jahren im Stadtrat von Giresun und war Mitte August zu Besuch in seiner Geburtsstadt, als sich das Unglück im Bezirk Dereli ereignete. Der 56-jährige Cici hat als einziger in seiner Familie keinen deutschen Pass und betrachtet Deutschland ebenso wie die Türkei als seine Heimat. Harun Cici engagiert sich etwa seit 2018 politisch in Giresun, geboren ist er im Bezirk Caldag. 

Für die freiheitliche, demokratische und europafreundliche Iyi-Partei trat er sogar als Bürgermeister-Kandidat für Giresun an. Nachdem die Iyi-Partei mit der CHP auf kommunalpolitischer Ebene koalierte, zog er seine Kandidatur zurück. Gemeinsam traten die Demokraten gegen die Regierungsparteien von AKP und MHP an und verloren mit nur 328 Stimmen. Cici und seine politischen Freunde haben in Giresun 13 Sitze, die Erdogan-treuen Parteien haben 18 Sitze. 

Monatliche Flüge nach Giresun

Bis Corona im März die Welt veränderte, flog Cici monatlich nach Giresun. Als die Regelungen gelockert wurde, stieg er im August mit seiner Frau ins Flugzeug, um Freunde zu besuchen und sich um die Politik zu kümmern. So war er als einer der ersten Kommunalpolitiker zur Stelle, als in Dereli eine belebte Einkaufsstraße unter bis zu drei Metern Schlamm begraben wurde. 

In Dereli gehen Menschen durch die zerstörte Einkaufsstraße, nachdem am Tag zuvor schwere Regenfälle Überschwemmungen ausgelöst hatten. Eine nachlässig gebaute Brücke soll für die Katastrophe mit mehreren Toten verantwortlich sein.

Oberhalb der Straße liegt eine Brücke zwischen den Stadtbezirken Tirebolu und Dogankent, die über einen Fluss führt. Die Brücke sei vor gut 20 Jahren viel zu niedrig gebaut worden. Zudem seien an den Ufern des Flusses Steine und Erde abgebaut worden. Cici spricht dabei von Nachlässigkeiten. 

Böschungen eingerissen und Brücke überspült

Als am 22. August die Regenmassen niedergingen, riss das Wasser die Uferböschungen ein und überspülte die Brücke. Schlamm und Geröll suchten sich einen Weg direkt durch die zentrale Straße von Dereli. Fünf Gendarmerie-Beamte und ein Baggerfahrer gelten seit dem Zusammenbruch eines Durchlasses als vermisst, einige Leichen wurden bereits gefunden. Mittlerweile wird von insgesamt neun Toten gesprochen. Der türkische Innenminister sagte, in der nordöstlichen Provinz Giresun seien 118 Dörfer aufgrund unbefahrbarer Straßen abgeschnitten. Etwa 250 Geschäfte wurden allein in Dereli zerstört. Fernsehbilder zeigten, wie die Wassermassen Fahrzeuge und Trümmer durch die Stadt schwemmten, die etwa 20 Kilometer von der Küste entfernt im Gebirge liegt. 

Harun Cici besuchte den zweiten Parteikongress der Iyi-Partei in Giresun, er will spätestens 2023 für einen Sitz im türkische Parlament kandidieren.

Die Iyi-Partei schickte aus Ankara drei Abgeordnete des türkischen Parlaments, um die Kommunalpolitiker in Giresun zu unterstützen. Cici fordert ein rasche finanzielle Unterstützung von Familien und Geschäftsleuten sowie eine Aufklärung der Verantwortlichkeiten. Giresun soll zum Katastrophengebiet erklärt werden. Nach derzeitigem Stand wird 2023 in der Türkei ein neues Parlament gewählt. Cici möchte spätestens dann für die Iyi-Partei Abgeordneter in Ankara werden.

Die Iyi Parti (Kurzbezeichnung: IYI; türkisch für „Gute Partei“) ist eine nationalkonservativ bis nationalistische, laizistisch-kemalistisch ausgerichtete Partei in der Türkei. Die Partei sieht sich als Alternative zu den (aktuell) beiden „großen Parteien“ rechts der Mitte, der regierenden islamisch-konservativen Adalet ve Kalkinma Partisi (AKP) und der rechtsextremen Milliyetçi Hareket Partisi (MHP). Zum Kern der Parteigründer gehören vor allem ehemalige MHP-Mitglieder, die sich im Zuge des Verfassungsreferendums 2017 der Parteilinie entgegengestellt haben oder mit der Ausrichtung der Partei unzufrieden sind und nun eine neue nationalistische und kemalistische Partei anstreben. Der Kemalismus ist die Gründungsideologie der 1923 ausgerufenen Republik Türkei. Diese ist nach Mustafa Kemal Atatürk benannt. (Quelle: Wikipedia)

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