Nach Jahrzehnten: Erschaffer des Glasmosaiks an der Kreuzkirche ist identifiziert

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Das Glasmosaik der Kreuzkirche stammt von dem Hagener Künstler Paul Gerhardt (1912-1975).

Werdohl - Jahrzehntelang ist offenbar ein falscher Name im Zusammenhang mit den bunten Glasmosaikwänden der Kreuzkirche kursiert. Nachfragen beim Fachbereich Kultur der Stadt Hagen und beim Osthaus-Museum in Hagen haben jetzt Licht ins Dunkel um den Erschaffer dieses Kunstwerks gebracht.

Wahrscheinlich war es am Ende ein einzelner falscher Buchstabe, der für Verwirrung gesorgt hat. 

Seitdem die Kreuzkirche auf der Königsburg im Oktober 1966 eingeweiht worden ist, taucht immer wieder ein Hagener Künstler mit dem Familiennamen Gerhardi auf, der das Glasmosaik an der Westseite des Gotteshauses geschaffen haben soll. Eine Recherche der Redaktion anlässlich des letzten Gottesdienstes in der zur Entwidmung anstehenden Kirche am 30. Dezember 2018 konnte das aber nicht bestätigen. Einen Künstler mit diesem Familiennamen hat es in Hagen nie gegeben. Der Fachbereich Kultur der Stadt Hagen verwies auf die Künstlerin Ida Gerhardi, die allerdings bereits 1927 in Lüdenscheid verstorben war und schon deshalb nicht als Urheberin der Glasfassade in Werdohl infrage kommen konnte, darüber hinaus aber auch als Malerin bekannt geworden war. 

Entscheidender Hinweis kommt aus Hagen

Der wahrscheinlich entscheidende Hinweis kam dann Anfang Januar vom Hagener Osthaus-Museum. Eventuell handele es sich bei dem Gesuchten um Paul Gerhardt, der in Hagen unter anderem auch Kirchenfenster geschaffen habe, teilte das Museum für Moderne Kunst mit. 

Und tatsächlich: Einen Künstler mit diesem Namen hat es in Hagen tatsächlich gegeben. Er lebte von 1912 bis 1975. Einen Großteil seines Ruhmes verdankt der Künstler, der in den 1930er-Jahren an der staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf studiert hat, den vielen Arbeiten in und an öffentlichen Gebäuden: Kirchen, Schulen, Kindergärten, Heimen und Privathäusern zwischen Bielefeld und Hagen. Es sind hauptsächlich Mosaike und Glasfenster im traditionellen Kunsthandwerk. Mit seiner Kunst am Bau hat Paul Gerhardt das ästhetische Antlitz der Region nach dem Krieg entscheidend mit geprägt. 

Prominenter Namensvetter 

Die Evangelische Kirchengemeinde Werdohl hat sich vor mehr als 50 Jahren also für einen der renommiertesten Künstler Südwestfalens entschieden, um ihm die Gestaltung der prägenden Außenwand der Kreuzkirche zu übertragen. Dass er aufgrund eines simplen Schreibfehlers zumindest in Werdohl fast in Vergessenheit geraten ist, war wohl sein Schicksal. 

Dabei hatte er eigentlich einen prominenten Namensvetter: Paul Gerhardt hieß auch einer der bedeutendsten deutschsprachigen Kirchenlieddichter. Allerdings lebte der 300 Jahre vor dem Mann, der das Glasmosaik an der Kreuzkirche geschaffen hat.

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