Jetzt in der Nachbarstadt

Nach Jahrzehnten: Autor aus Werdohl ist zurück im Sauerland

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Pungelscheider Geisterstunde: Michael Martin war für Lesungen und Veranstaltungen auch in der Vergangenheit immer wieder in Werdohl.

Werdohl/Neuenrade – Michael Martin ist wieder zurück im Sauerland. „Wie? War der denn weg?“, mag sich jetzt der ein oder andere fragen. 

Als Komiker und Autor von „mehr als zehn Büchern“, so genau weiß er das selbst schon gar nicht mehr, war der gebürtige Werdohler auch in den vergangenen 20 Jahren allgegenwärtig in seiner Heimat, obwohl er in Großbritannien lebte. Nun ist er nach Neuenrade gezogen, genauer in die Altstadt. 

„Ich bin zwar Ur-Werdohler, aber meine Familie stammt mütterlicherseits aus Neuenrade“, erklärt der 60-Jährige, warum er sich auch dort pudelwohl fühlt. „Dass ich in Büchern schreibe, wie toll ich das Sauerland finde, das kommt ja aus einem authentischen Gefühl heraus“, unterstreicht er. Er überlegt und summiert dann auf: „Heimat, dass ist für mich Natur, die Menschen und die sauerländer Sprache.“ 

Martin merkt, "wie geil Deutschland eigentlich ist"

Weiter betont er: „Wenn Du lange woanders gelebt hast, dann siehst Du erstmal, wie geil Deutschland eigentlich wirklich ist.“ Als Belege für seine These zählt er das deutsche Gesundheitssystem und das Rentensystem auf. „Ich habe mich ja immer als Europäer begriffen. Aber nach der Brexit-Entscheidung fühlte ich mich auf der Insel plötzlich wie ein Ausländer“, gibt er Einblick in seine Gefühlswelt. „Nach dem Referendum habe ich geheult.“ 

Und so wuchs in ihm der Wunsch, zurückzukehren in den Märkischen Kreis. Zwei Jahrzehnte lebte er zuvor in Südengland. „Konkret zwischen Brighton und Eastborn – in einer kleinen Hafenstadt namens Newhaven.“ Neben familiären Gründen trieb ihn „vor allen Dingen der nationalistische Brexit“ erneut in die Gefilde im Sauerland. 

"Unreflektierte Selbstüberschätzung": Autor übt Kritik

Die Entwicklung sei „vor allem eine Folge der Sprache“, glaubt Martin. Weil Englisch „die Weltsprache Nummer eins“ sei, habe der Brite „eine unreflektierte Selbstüberschätzung“ entwickelt. „Wenn die Briten wirtschaftlich nicht in die Pötte kamen, war für sie Europa Schuld.“ Diese Haltung sei ihm jedoch fremd. „Die Eltern oder Großeltern meiner Generation haben den Krieg noch miterlebt. Mich hat der Kniefall Willy Brandts geprägt.“ 

Zurück im Sauerland: Der Ur-Werdohler Michael Martin lebt jetzt allerdings in der Nachbarstadt Neuenrade.

Martin konkretisiert: „Europa war für mich gleichzusetzen mit Frieden.“ Der Autor führt aus: „Das ist für mich eine philosophische und ethische Grundhaltung – und keine Frage, wie krumm eine Gurke sein darf.“ So habe er auch seinen deutschen Pass behalten und keinen britischen beantragt. „Doch dann kam Boris Johnson mit seiner Lügenkampagne.“ Er differenziert: „Sicher bin ich nicht mit allem einverstanden, was sie im europäischen Parlament beschließen. Aber Europa ist für mich der einzige Weg.“ 

Angst vor Sozialkürzungen für Ausländer

Nach dem Voting der Briten für die Loslösung von der Europäischen Union „wusste ich sofort, ich kann dort nicht bleiben, dabei fand ich es immer toll da“. Er habe Angst gehabt, „dass bald die Sozialkürzungen für Ausländer wie mich kommen“. Die Gesundheitsversorgung von älteren Menschen lasse in Großbritannien sowieso zu wünschen übrig. 

Gearbeitet hat Martin „die gesamte Zeit über in Deutschland“. Er ist „Kreativer in der Werbung mit dem Schwerpunkt Film und Text“, wie er es umschreibt. So habe er viele Werbeclips für die Modekette C&A mitgestaltet. Jetzt, nach seiner Rückkehr nach Deutschland, „bin ich meinen Kunden gefühlt wieder nähergekommen“. Sogleich gerät er ins Schwärmen: „Das Sauerland hat unglaublich viele Firmen, bei denen alles auf Frickeln und Friemeln beruht.“ Und ja, das meint er offensichtlich liebevoll. Sein Tonfall verrät große Bewunderung für den heimischen Menschenschlag. 

Neues Buch im Spätherbst

Und mit eben dieser Leidenschaft macht er scheinbar auch seine Arbeit. „Gerade erst im Juni habe ich den German Brand Award für die beste integrierte Werbekampagne in Gold gewonnen.“ Aufgrund des Coronavirus fiel allerdings die Preisverleihung, die sonst alljährlich in Berlin über die Bühne geht, aus. „Der Preis wurde an die Firma Gefu in Eslohe geschickt, für die die Kampagne war.“ 

Doch auch seine schriftstellerische Tätigkeit hat er nicht ad acta gelegt. „Im Spätherbst erscheint meine neue Kurzgeschichten-Sammlung.“ Das Werk wird heißen „Willze machen? Isso.“ und trägt den Untertitel „Sauerländer Härtefälle.“ Mehr verrät Michael Martin über den Buchinhalt allerdings noch nicht.

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