Halle wird aufgeteilt

Nach 37 Jahren ist Schluss: Motorradhändler im MK ohne Nachfolger

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Christa und Michael Lenze geben ihre Motorradhandlung und -werkstatt an der Gildestraße schweren Herzens auf.

Schluss, aus, vorbei! Nach 37 Jahren schließen Michael und Christa Lenze am Freitag ihre Motorradhandlung und -werkstatt in Werdohl.

Beide haben das Rentenalter längst erreicht, aber keinen Nachfolger finden können. Damit verschwindet einer der letzten Motorradhändler im Märkischen Kreis von der Bildfläche. 

Der Kraftfahrzeugmeister und Zweiradmechaniker Michael Lenze machte sich 1983 an der Friedrichstraße als Händler von Fahrrädern und Leichtkrafträdern mit Werkstatt selbstständig. Schon bald kamen aber auch die schweren Motorräder dazu. Seit 1986 war er Kawasaki-Händler. So wurden die Räume im Werdohler Bahnhofsviertel, wo nur rund 100 Quadratmeter zur Verfügung standen, bald zu klein. 

Umzug in großen Neubau an der Gildestraße

Zehn Jahre später zog das Unternehmen in einen gut fünf Mal so großen Neubau an der Gildestraße um. Dort gab es nicht nur Platz für einen großen Verkaufsraum und die Werkstatt. Bald feierten Motorradfans aus der Region dort auch Biker-Partys. „Ein Mitglied der Werdohler Coverrock-Gruppe Feinripp war damals Kunde bei uns“, erzählt Lenze, wie es zu der im ersten Jahrzehnt der 2000er-Jahre überaus erfolgreichen Veranstaltungsreihe kam. Regelmäßig pilgerten mehr als 300 Besucher zu den Partys an der Gildestraße. Lenze erinnert sich: „Einmal war es so voll, dass wir die Tür nicht mehr zubekommen haben. Wegen des Lärms haben sich dann die Nachbarn beschwert, die Polizei rückte an. Aber die waren uns wohlgesonnen...“ 

Nach den Biker-Partys kamen die Motorradgottesdienste. Als in der Region noch kaum jemand dieses Veranstaltungsformat kannte, feierten bei Zweirad Lenze schon Biker gemeinsam solche auf ihre Zielgruppe abgestimmten Gottesdienste. „Wir hatten einmal sogar eine Taufe“, erinnert sich Lenze an einen Gottesdienst, in dessen Rahmen ein Biker seinen Sohn in den Schoß der Kirche aufnehmen ließ. 

Das Hobby zum Beruf gemacht

Motorräder waren das Leben von Michael und Christa Lenze. „Ich habe geschraubt, seit ich 15 Jahre alt war, mein erstes Moped hatte ich mit 16“, erzählt der heute 69-Jährige. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht.“ Auch Ehefrau Christa war im Geschäft, erledigte die Büroarbeit und den Verkauf. Derweil kümmerte sich der Chef mit zeitweise sechs Angestellten um Reparaturen, Inspektionen und Umbauten an den Kundenfahrzeugen. 

Gewohnt haben die Lenzes in alle den Jahren im Arnsberger Ortsteil Herdringen. Ein Umzug nach Werdohl habe zwar einmal zur Debatte gestanden, man habe aber kein passendes Baugrundstück finden können. Also blieb es beim täglichen Pendeln. „Im Laufe der 37 Jahre sind wir etwas mehr als eine Million Kilometer gefahren“, hat Michael Lenze ausgerechnet. „Dabei haben wir fünf Bullis und drei Audis verschlissen.“ 

Jahrelanges erfolgloses Bemühen

Damit ist jetzt Schluss. Michael und Christa Lenze hätten ihr Geschäft gerne an einen Nachfolger übergeben, doch der war nicht zu finden. Die beiden Töchter haben sich beruflich vollkommen anders orientiert und arbeiten als Arzthelferinnen. „Wir haben drei Jahre gesucht“, sagt Michael Lenze über das letztlich erfolglose Bemühen, das Unternehmen in andere Hände zu geben. Weil alles nichts geholfen hat, wird die im März 1996 bezogene Halle an der Gildestraße nun aufgeteilt: In eine Hälfte zieht ein Automechaniker aus der Nachbarschaft ein, die andere Hälfte wird ein Maschinen-Importeur nutzen. 

Langweilig werde es ihnen im Ruhestand nicht, da ist Michael Lenze ganz sicher. „Klar, zuhause müssen wir erst einmal unseren Rhythmus finden“, weiß der Fast-Ruheständler. Aber wenn auch der Beruf mit dem heutigen Tag Vergangenheit ist, das Hobby werde bleiben, betont der passionierte Motorradfahrer. Fit genug sei er dafür, versichert er: „Ich habe Rennstreckentraining gemacht und regelmäßig Männer-Touren unternommen.“ Drahtig wie er ist, nimmt man ihm das ab. 

Auch abseits der Straße einige Projekte

Doch auch abseits der Straße hat Michael Lenze noch ein paar Projekte, denen er sich jetzt widmen will. Eines davon ist ein selbst gebauter Backofen. „Dafür habe ich mir schon 400 alte Ziegelsteine besorgt“, verrät er. Wie daraus ein Ofen zum Brotbacken werden soll, müsse er allerdings noch austüfteln. 

Christa Lenze fällt der Abschied aus Werdohl sichtlich schwerer. Nur mit Mühe kann sie die Tränen unterdrücken. „Aufbauen ist wesentlich schöner“, sagt sie. In den letzten Tagen hat sie hauptsächlich Dinge abgebaut und weggeräumt. Heute, am letzten Arbeitstag, wird es sicherlich noch einmal emotional für die Lenzes. Ab 15 Uhr wollen sie sich von ihren teils langjährigen Kunden verabschieden.

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