1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Werdohl

Nach Hochwasserschaden: Provisorische Abwasserleitung ist Geschichte

Erstellt:

Von: Volker Griese

Kommentare

Am Ufer der Verse haben Mitarbeiter des Hammer Kanalbauunternehmens Dommel in den vergangenen Wochen zwei Bauwerke für einen Abwasserdüker errichtet.
Am Ufer der Verse haben Mitarbeiter des Hammer Kanalbauunternehmens Dommel in den vergangenen Wochen zwei Bauwerke für einen Abwasserdüker errichtet. © Griese, Volker

Das Hochwasser Mitte Juli zerstörte eine Rohrbrücke über die Verse. Die Abwässer flossen anschließend über Wochen in den Fluss, bis der Schaden bemerkt und provisorisch behoben wurde. Dieser Zustand hat nun ein Ende.

Die Zeit der provisorischen Abwasserleitung über die Verse im Bereich der Esmecke gehört jetzt der Vergangenheit an. Der neue Düker ist zwar noch nicht ganz fertig, wird aber schon genutzt, um das Abwasser unter dem Flussbett herzuleiten.

Das Hochwasser im Juli hatte die Rohrbrücke, durch die das Abwasser jahrzehntelang über die Verse geleitet worden war, zerstört. Der Schaden war wochenlang unbemerkt geblieben, weil sich die Stelle an einem schlecht einsehbaren Ort befindet. Erst ein Anwohner hatte den Geruch wahrgenommen, der sich aus der Kloake verbreitete, und die Stadt Werdohl informiert. Die hatte dann zunächst ein Provisorium herstellen lassen, damit das Abwasser nicht weiterhin in die Verse laufen konnte.

Provisorium auf Dauer zu kostenintensiv

„Die provisorische Rohrbrücke hat einwandfrei funktioniert, aber auf Dauer war das zu kostenintensiv“, blickte der im Rathaus für Tiefbauangelegenheiten zuständige Abteilungsleiter Martin Hempel jetzt zurück. Es hätten nämlich zwei kräftige Pumpen mit Dieselaggregaten eingesetzt werden müssen. „Das hat tägliche Kosten von 500 bis 600 Euro verursacht“, rechnete Hempel vor.

Das Hochwasser riss am 17. Juli diese Rohrbrücke samt Schacht weg. Böschung, dicker Stahl und massiver Beton wurden einige Meter verschoben. Anschließend floss das Abwasser wochenlang ungereinigt in die Verse.
Das Hochwasser riss am 17. Juli diese Rohrbrücke samt Schacht weg. Böschung, dicker Stahl und massiver Beton wurden einige Meter verschoben. Anschließend floss das Abwasser wochenlang ungereinigt in die Verse. © Heyn, Volker

Eine dauerhaft gute Lösung für die Ableitung des Abwassers in diesem Bereich zu finden, sei aber gar nicht so leicht gewesen, berichtete Hempel weiter. Ingenieurbüros für die Planung eines Abwasserdükers seien überlastet, Handwerker für die Ausführung der Arbeiten kaum zu finden gewesen. Letztlich habe ein Ingenieurbüro eine im Rathaus entworfene Skizze in eine Planung umsetzen können und mit dem Hammer Kanalbauunternehmen Dommel habe auch ein Unternehmen gefunden werden können, das diese Planung umsetzen konnte.

Hohe Fließgeschwindigkeit erforderlich

„Um das Abwasser 1,50 Meter tief unter der Verse hindurchzuleiten, ist eine hohe Fließgeschwindigkeit vonnöten“, erläuterte Hempel, wo die Herausforderung lag. Deshalb seien zwei Rohe mit 300 Millimeter Durchmesser anstatt einer Leitung von doppelt so großer Dimension verlegt worden.

Jetzt sind die Arbeiten für den Verse-Düker so gut wie abgeschlossen. Auf beiden Seiten des Flussufers sind Bauwerke errichtet worden: rechts ein Schwellbauwerk, in das das Abwasser aus dem Hauptkanal eingeleitet wird, und links ein Auslaufbauwerk, das das Abwasser aus dem Düker aufnimmt und wieder in den Hauptkanal einleitet. Das Schwellbauwerk ist so ausgelegt, dass das Abwasser bei trockenem Wetter nur durch eine der beiden 300-Millimeter-Röhren abfließt, bei höherem Abwasseraufkommen beispielsweise durch Regenwetter aber auch die zweite Röhre genutzt wird.

Revisionsschächte werden noch gebaut

Seit Mittwoch ist der Verse-Düker nun in Betrieb. Allerdings fehlen auf dem Auslauf- und dem Schwellbauwerk noch die Abdeckungen aus Beton; beide Bauwerke sind zunächst provisorisch abgedeckt worden. Auch sollen auf der rechten Verseseite noch zwei Revisionsschächte gebaut werden, um im Bedarfsfall Verstopfungen in den beiden Düker-Röhren beseitigen zu können.

Unterm Strich wird die ganze Baumaßnahme beim Sondervermögen Abwasser der Stadt Werdohl wohl mit etwa 250 000 Euro zu Buche schlagen. Einen Teil dieses Geldes wird nach Worten von Martin Hempel die Versicherung übernehmen, weil die alte Rohrbrücke durch das Hochwasser beschädigt worden ist. Die genaue Höhe des Versicherungsschadens konnte er aber nicht beziffern.

Andere Baumaßnahme muss verschoben werden

Eine Kehrseite hat übrigens auch diese Medaille: Die eigentliche für dieses Jahr geplante Kanalbaumaßnahme in der Brückenstraße musste die Stadt auf das kommende Jahr verschieben. Und für diese Entscheidung war gar nicht einmal eine finanzielle Seite ausschlaggebend, wie Martin Hempel erklärte: „Die Bauunternehmen sind im Moment derart ausgelastet, dass wir dafür einfach keinen Auftragnehmer mehr finden konnten.“

Auch interessant

Kommentare