Schläge: Tochter in Sorge um ihren Vater

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Symbolfoto

Werdohl - Das traurige Schicksal eines 42-jährigen Werdohlers war Gegenstand einer Verhandlung vor dem Amtsgericht Altena. Dabei stellte sich die Frage: Wer ist Täter, wer ist Opfer?

Ende September 2015 krachte ein Laster in ein Haus an der B 229 bei Werdohl-Borbecke. Anderthalb Jahre später macht sich die 22-jährige Tochter des 42-jährigen Mannes, der durch die Zerstörung seines Hauses obdachlos wurde, Sorgen um ihren Vater: „Er lebt in einem Auto, hat kein Strom und kein Wasser“, erläuterte sie die schwierige Lebenssituation ihres Vaters im Amtsgericht Altena. „Ich möchte, dass irgendjemand ihm hilft.“

Anlass für das Familientreffen vor Gericht war ein angeblicher Schlag des Vaters auf den Kopf seiner Tochter – eine Hantelstange soll zu einem gefährlichen Werkzeug geworden sein. Bei einer anderen Gelegenheit habe er sie mit einem Messer bedroht, schilderte die Zeugin den Ernst der Lage.

Aber die junge Frau war nicht ins Amtsgericht gekommen, damit ihr Vater bestraft wird: „Er hat es nicht bewusst getan, sondern aus einer Krankheit heraus“, erklärte sie. Ihr Vater habe Nervenprobleme und leide an Angstattacken, seit er von einem Gabelstapler überfahren wurde.

Der 42-Jährige bestritt, dass er seine Tochter tätlich angegriffen, geschlagen oder beleidigt habe: „Wenn ich sie geschlagen hätte, hätte Blut fließen müssen“, erklärte er wenig beruhigend. Im Gegenteil habe sie ihn mit einem Stuhlbein geschlagen.

Richter Dirk Reckschmidt vertagte das Verfahren, damit weiter ermittelt werden kann. Ob die Tatvorwürfe ausreichen, um ein psychiatrisches Gutachten über den 42-Jährigen in Auftrag zu geben, blieb vor Gericht zunächst offen.

Aber die Bitte um Hilfe fand offene Ohren: Der Angeklagte wurde darüber aufgeklärt, dass ihm bei entsprechendem Bedarf ein amtlicher Betreuer zur Seite stehen kann. Bei der Bewältigung ganz alltäglicher Probleme könnte ihn möglicherweise eine Hilfsorganisation unterstützen.

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