Nach Gießerei-Schließung in Werdohl: IG Metall möchte Strukturwandel in den Fokus rücken

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Georg Fischer schließt seine Gießerei in Werdohl.

Werdohl - Am Donnerstag gab der schweizerische Industriekonzern Georg Fischer AG bekannt, seine Leichtmetallgießerei in Werdohl schließen und die 300 Arbeitsplätze bis Ende 2020 nach Österreich und Rumänien verlagern zu wollen.

Am selben Tag traf sich Gudrun Gerhardt, Erste Bevollmächtigten der IG Metall im Märkischen Kreis, mit Gordan Dudas, dem Vorsitzenden der SPD im Märkischen Kreis, um für die „Zukunft von Arbeit und Industrie in der Region laut“ zu werden. Für die 300 Georg-Fischer-Mitarbeiter in Werdohl kam diese Initiative allerdings zu spät. 

Beide erörterten die Perspektiven der heimischen Industriearbeitsplätze mit dem Fokus auf die Automobilzulieferer. Gerhardt berichtete über den großen Druck, den „die Automobilhersteller an die Zulieferer weitergeben“. Der hohe Kostendruck sei auch durch Fehlentscheidungen der Autohersteller – Stichwort: Diesel-Affäre – entstanden. „Zu den Standortverlagerungen kommt nun der stärkere Fokus auf E-Mobilität hinzu“, sagte die Gewerkschafterin. Dies treffe die Region besonders hart: Immerhin befinden sich im Märkischen Kreis unter anderem Schmiedebetriebe, Stanzereien und Gießereien, die Komponenten für den Verbrennungsmotor herstellen. 

Fallen viele Arbeitsplätze in der Fertigung weg?

Die elab-Studie des Fraunhofer Instituts prognostiziere einen Rückgang von Arbeitsplätzen in der Fertigung des Verbrenner-Antriebsstrangs von mehr als 60 Prozent bis 2030. „Dem müssen wir uns stellen, indem die Betriebe Alternativen für ihre Produktionsstandorte finden und die Mitarbeiter für neue Tätigkeiten weitergebildet werden“, fordert Gerhardt. Dies sei in mittelständischen Betrieben auch eine Frage, wie dies finanziert werden soll: „Mir berichten Betriebsräte und Geschäftsführer aus der Zulieferindustrie, dass sie beim Umstieg auf andere Produkte auf finanzielle Unterstützung angewiesen seien. Einige Banken sperren sich aber, Automobilzulieferern gute Konditionen oder überhaupt Kredite anzubieten.“ 

„Alles, was mit dem Verbrennungsmotor zu tun hat, wird auf den Prüfstand gestellt. Wenn man den ganzen Kreis und die Region Südwestfalen zusammenfasst, sind hier mehr Arbeitsplätze gefährdet als beispielsweise im rheinischen Braunkohlerevier“, kommentierte Gordan Dudas die Aussagen der Gewerkschafterin. Deshalb sei es an der Zeit, dass „wir aus der Region Südwestfalen laut werden und Unterstützung für die Zukunft unseres Standorts erkämpfen“. 

Investitionen in neue Technologien

Gerhardt und Dudas waren sich einig, dass Investitionen in neue Technologien, in berufliche Weiterbildung sowie in Forschung und Entwicklung angetrieben werden müssten. „In vielen kleinen und mittelgroßen Betrieben in unserer Region gibt es keine Forschungsabteilung“, sagte Gerhardt. Dabei sei wichtig, dass die Abhängigkeit der heimischen Industrie von den Automobilherstellern und die Herausforderungen der Digitalisierung durch eine neue Vielfalt in der Produktion heimischer Betriebe gelöst werde. 

Dudas versprach, den Strukturwandel in Südwestfalen im zweiten Halbjahr stärker zum Thema machen und dabei auch parteiübergreifende Initiativen anzuregen.

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