Hausärzte berichten

Nach Freigabe für alle: Astrazeneca wird nachgefragt

Dr. Patrik Roumani-Spree beim Impfen: In seiner Praxis, die er zusammen mit seinem Vater betreibt, existiert eine lange Warteliste mit Personen, die mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer geimpft werden möchte. Seit Montag gibt es aber auch eine Nachfrage nach dem Impfstoff von Astrazeneca.
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Dr. Patrik Roumani-Spree beim Impfen: In seiner Praxis, die er zusammen mit seinem Vater betreibt, existiert eine lange Warteliste mit Personen, die mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer geimpft werden möchte. Seit Montag gibt es aber auch eine Nachfrage nach dem Impfstoff von Astrazeneca.

Seit Montag kann sich in den Hausarztpraxen jeder Interessierte mit dem Wirkstoff von Astrazeneca gegen das Coronavirus impfen lassen. Priorisierung und Altersbeschränkungen wurden aufgehoben.

In den Hausarztpraxen in Werdohl und Neuenrade hat sich dadurch kaum etwas verändert.

Dr. Patrik Roumani-Spree berichtet, dass auf der Homepage der Praxis, in der er gemeinsam mit seinem Vater Dr. Atef Roumani-Spree arbeitet, am Sonntagnachmittag ein Formular veröffentlicht wurde. Darüber können sich Patienten für die Impfung mit Astrazeneca anmelden. Bis Montagmittag hatten sich sechs Personen in die Liste eingetragen, weitere acht sich in der Praxis gemeldet. Interesse sei also da, sagt der junge Arzt, von einem Ansturm möchte er aber nicht sprechen.

Individuelles Risiko abwägen

„Im höheren Alter ist der Impfstoff von Astrazeneca wirklich gut und wirkt“, betont Patrik Roumani-Spree. Bei Patienten im mittleren Alter müsse man wegen eventueller Nebenwirkungen etwas mehr aufpassen. Einen 18-Jährigen würde Roumani-Spree eher nicht mit Astrazeneca impfen, wenn dieser nicht ausdrücklich darauf besteht. Ähnlich wie bei jeder Operation gebe es eben Risiken, die sich je nach Alter unterscheiden. „Unsere Aufgabe ist es, die Patienten aufzuklären“, betont der Hausarzt aus Werdohl. „Die Entscheidung können wir ihnen nicht abnehmen.“ Gerade jetzt, wo das Impfen für alle möglich ist, müsse jeder das individuelle Risiko abwägen.

Durch diese Einzelfallentscheidungen ergebe sich, dass die Aufklärungsgespräche nun noch etwas intensiver geführt werden. „Wir müssen besonders auf die Gefahr von Thrombosen eingehen“, erklärt Patrik Roumani-Spree.

Rund zehn Prozent sind unentschlossen

Der Großteil der Impfinteressierten allerdings habe bereits eine Entscheidung für oder gegen die Impfung getroffen. Nur rund zehn Prozent seien unentschlossen und lassen sich in der Praxis an der Freiheitstraße grundlegend beraten.

Wenig Einfluss auf das Impfinteresse hätten bislang die Diskussionen über Lockerungen für Geimpfte gehabt, berichtet der Hausarzt. Der Andrang sei immer auf einem relativ gleichbleibenden Niveau. Immer wieder seien allerdings Personen in der Praxis gewesen, die geimpft werden wollten, allerdings nicht zu den priorisierten Gruppen gehörten. Die Patienten reagierten zum Teil auch recht ungehalten, erzählt der junge Arzt.

Lange Warteliste für Biontech/Pfizer

Auf der Warteliste der Praxis stehen derzeit 190 Personen, weitere 60 auf der Reserveliste. Sie alle warten bisher auf die Impfung mit Biontech/Pfizer. Dass nun Astrazeneca als zusätzliche Option vorhanden ist, könnte die Situation grundsätzlich etwas entschärfen. „Einen eindeutigen Trend, dass die Patienten von Biontech zu Astrazeneca wechseln, gibt es bisher aber nicht“, sagt Roumani-Spree.

Vom Impfstoff des britischen Herstellers sollen die Hausärzte nach derzeitigem Stand so viele Dosen erhalten wie sie benötigen. Dadurch sollte es grundsätzlich möglich sein, dass jeder Impfwillige auch eine Spritze erhält. Allerdings sei abzuwarten, wie sich die Versorgungssituation entwickelt.

Es dauert, bis Warteliste abgearbeitet ist

Patrik Roumani-Spree denkt, dass es noch einige Zeit dauern könnte, bis die Warteliste abgearbeitet ist. Demnächst starten nämlich die Zweitimpfungen mit Biontech. Wenn bis dahin nicht mehr Dosen geliefert werden, bedeutet das, dass automatisch weniger Wirkstoff für Erstimpfungen zur Verfügung steht. Die Verfügbarkeit sei noch immer der limitierende Faktor: „Wenn genug Impfstoff da wäre, bin ich sicher, dass wir bis zu 100 Impfungen pro Woche gestemmt bekämen. Dafür sind wir inzwischen gut genug aufgestellt und eingespielt.“ Vorerst sollen vorrangig die eigenen Patienten der Hausarztpraxis die Impfung erhalten. Wenn sich herausstellt, dass genügend Ressourcen da sind, werde man darüber nachdenken, das Angebot zu erweitern.

Im Medizinischen Versorgungszentrum Neuenrade (MVZN) wird die Impfung mit dem Vakzin von Astrazeneca nach wie vor angenommen. „Viele Patienten haben sich informiert und sind bereit, sich mit diesem Impfstoff immunisieren zu lassen,“ berichtet MVZN-Leiter Michael Beringhoff. Wer sich im MVZN mit Astrazenaca impfen lässt, erhält die zweite Impfung allerdings erst nach acht Wochen. „Dann ist man auf der sicheren Seite“, stellt der Mediziner fest.

Impftag in Planung

Einer Zweitimpfung nach vier Wochen steht der Mediziner skeptisch gegenüber: „Dazu gibt es mit Blick auf die Wirksamkeit auch in Fachkreisen zu viele unterschiedliche Aussagen.“ Er plane demnächst einen Impftag, kündigt Michael Beringhoff an. Sobald die Detailplanung abgeschlossen sei, werde es dazu weitere Informationen geben.

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