Bis zu 100.000 Euro Schaden

Nach Flutkatastrophe: Hohe Nachfrage nach Elementarversicherung

Auch in Werdohl verursachte das Hochwasser Mitte Juli schwere Schäden, wie hier an der völlig zerstörten Einmündung zur Höllmecke. Die Regulierung beschäftigt nun die Versicherungen.
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Auch in Werdohl verursachte das Hochwasser Mitte Juli schwere Schäden, wie hier an der völlig zerstörten Einmündung zur Höllmecke. Die Regulierung beschäftigt nun die Versicherungen.

Die Werdohler regieren mit unterschiedlichen Schritten auf die Flutkatastrophe, die Unwetter „Bernd“ vor zwei Wochen ausgelöst hat. Einige nehmen Kontakt zu den Versicherungen auf und erkundigen sich nach Elementarversicherungen. Die Mitarbeiter haben alle Hände voll zu tun. Auch mit der Schadensregulierung. Es gibt erste Zahlen.

Werdohl/Neuenrade – „Ich bin klar für eine Pflichtversicherung gegen Elementarschäden“, sagt Ulrich Westendorf. Der Vertreter der Allianz-Versicherung, der sein Büro am Eggenpfad in Werdohl hat, argumentiert: „Es gibt einerseits Menschen in Krisengebieten, denen derzeit eine solche Versicherung gar nicht angeboten wird. Andere müssten sehr hohe Beiträge zahlen aufgrund des persönlichen Risikos.“ Wenn es aber eine Pflicht gebe, so sei die finanzielle Belastung „für alle tragbar“.

„Die Kunden in meinem Bestand aber hatten viel Glück.“ Nach Unwetter „Bernd“ habe er bislang nur wenige Schäden regulieren müssen. Zwei Anfragen habe er ablehnen müssen, weil die Elementarversicherung nicht vorlag. Viele Kunden besserten ihren Versicherungsschutz nun aber nach, berichtet Westendorf. „Sechs neue Versicherungen haben wir schon abgeschlossen. Zehn weitere Anträge werden derzeit noch kalkuliert.“

„Das Schlimmste für mich persönlich ist aber der verstorbene Feuerwehrmann in Altena. Das war ein Kollege aus der Versicherungsbranche, den ich gut kannte“, sagt Westendorf. Beruflich habe er es jetzt im Wesentlichen „mit überfluteten Kellern“ zu tun gehabt. „Dazu kommt noch ein abgesoffenes Motorrad in Altena.“

Westendorf, der auch Kassierer im TuS Versetal ist, erzählt: „Einer meiner Kundinnen, eine ältere, alleinstehende Frau, haben wir vom Sportverein jetzt noch geholfen, alles auszuräumen.“ Die Gesamtschadenssumme bei seinen Kunden könne er noch nicht abschätzen: „Vieles trocknet ja jetzt erst noch. Und dann kann man es erst begutachten, um den Schaden zu beziffern.“

Auch bei Sven Overbeck von der LVM in Neuenrade klingelt derzeit häufig das Telefon: „Viele fragen nach, ob sie überhaupt eine Elementarversicherung für ihr Gebäude und ihren Hausrat besitzen“, schildert er. „In den Tagen seit der Flutkatastrophe am 14. Juli habe ich 60 bis 70 Elementar-Verträge neu abgeschlossen.“

Ein Drittel der Schadensmeldungen müsse er ablehnen, weil es dort keinen ausreichenden Versicherungsschutz gab: „Der Sauerländer sagt ja immer: ,Sowas passiert hier ja doch nicht – und ich wohne zudem auf dem Berg.’“ Doch genau solche Menschen seien nun vielfach betroffen. Seine Kunden meldeten Schäden ohne Ende. „Ich habe noch eine zweite Agentur in Sundern. Irgendwann habe ich aufgehört, die Meldungen zu zählen.“

Er selbst wohnt in Plettenberg und sei persönlich auch betroffen. „Aber bei mir ist es nur der Keller. Das ist nicht so schlimm. Kein Vergleich damit, wie es manch andere getroffen hat“, betont er. „Bei meinen Kunden gab es auch ein paar drastische Fälle – in Altena etwa.“ Er erläutert: „Bei einem sind nicht nur der Keller und das Erdgeschoss betroffen. Dem ist auch die erste Etage weggegangen.“

Allmählich erst sei der Umfang der Schäden ersichtlich: „Erste Gutachter schicken mir jetzt die Kostenvoranschläge.“ Er nennt ein Beispiel: „Ein Kunde in Werdohl liegt bei einer Schadenssumme von 35 bis 40 000 Euro. Da sind nicht nur Malerarbeiten am Haus zu machen. Der Garten ist auch vollständig hinüber.“ Bei einem anderen Kunden sei bei näherer Betrachtung aufgefallen: „Bei dem ist nicht der Starkregen in den Keller gekommen. Dem ist ein Rohr geplatzt.“

Michael Henke von der Provinzial in Werdohl hat in diesen Tagen in der Filiale an der Freiheitstraße viel zu tun: „Zwar mussten auch wir ein knappes Drittel der Schadensmeldungen ablehnen. Aber wir bearbeiten aktuell rund 50 Schäden, die im Einzelfall bis zu 100 000 Euro hoch sind.“ Andere seiner Kunden reichten Kostenvoranschläge ein, die sich lediglich auf 500 Euro beliefen.

„Ich empfehle allen, die noch keine Elementarschadenabdeckung besitzen, diese kurzfristig zu prüfen. Denn es wird zukünftig sicherlich ein größeres Überschwemmungs- und Starkregenrisiko geben. Zudem werden die Risikozonen bestimmt angepasst.“

Henke zählt auf: „Unsere Kunden melden Unterspülungen und abgerutschte Hänge, Überflutungen und Wasser in Küchen und Wohnzimmern.“ Vehement weist er darauf hin, „dass es auch Schäden gab an Orten, wo es nicht zu erwarten war“. Er unterstreicht: „Da muss man nur einmal in die Gildestraße schauen.“

Thomas Richter von der HUK Coburg an der Breslauer Straße in Werdohl sagt: „Ich bekomme täglich weiterhin noch neue Schadensmeldungen.“ Oft handele es sich dabei um immer noch vermisste Autos. Die aktuellen Schadensmeldungen sollen bei ihm – und ähnlich äußern sich seine Kollegen der anderen Versicherer – „schnell und unkompliziert reguliert werden“. Er erzählt: „Wir machen Sammeltermine für die Gutachter, damit die in kürzester Zeit viele unserer Kunden besuchen können.“

Dies wird bei der Württembergischen Versicherung am Platz der Generationen in Neuenrade nicht vonnöten sein. Wolfgang Schulte, der an der Ersten Straße sitzt, freut sich: „Die meisten meiner Kunden leben und wohnen in nicht so stark betroffenen Bereichen.“ Gerade einmal zwölf Schadensmeldungen lägen auf seinem Schreibtisch.

„Da hatten wir einfach Glück. Zusammen ergibt das Schäden von gerade einmal 50 000 Euro. Meist handelt es sich um vollgelaufene Garagen.“ Einer der zwölf Fälle sei allerdings die Wohnung einer Frau in Hagen, „die jetzt komplett unbewohnbar ist – ein Totalschaden. Die Frau lebt jetzt erst einmal in einer Ferienwohnung.“

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