Förster informieren

Nach dem Fichtentod: So läuft die Wiederbewaldung in Werdohl

Forstamtsleiter Jörn Hevendehl und Revierförster Kevin Hauser (rechts) berichteten eindrücklich und fachlich bestimmt, dass das Ende der Fichte im Werdohler Wald gekommen ist und wohin sich die Forst- und Holzwirtschaft entwickeln wird.
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Forstamtsleiter Jörn Hevendehl und Revierförster Kevin Hauser (rechts) berichteten eindrücklich und fachlich bestimmt, dass das Ende der Fichte im Werdohler Wald gekommen ist und wohin sich die Forst- und Holzwirtschaft entwickeln wird.

Eineinhalb Stunden lang haben die Förster des Werdohler Waldes im Ausschuss für Bauen und Liegenschaften dargelegt, welche wirtschaftliche und ökologische Katastrophe das Fichtensterben ist.

Während sie noch bis weit ins nächste Jahr hinein mit dem Aufräumen beschäftigt sein werden, planen Amtsleiter Jörn Hevendehl und Revierförster Kevin Hauser die Wiederbewaldung.

Dass die Fichte an Trockenheit und Borkenkäferbefall komplett eingegangen ist, sei kein Einmalereignis, so Hevendehl. Der Fichtenwald sei durch Klimawandeleffekte gestorben. „Wer ist schuld?“ fragte Hevendehl in den Ausschuss: „Wir alle, definitiv!“ Das Waldsterben 2.0 sei eine unmittelbare Folge des Klimawandels. Drei Jahre Dürre in Folge habe die Fichte so geschädigt, dass sie kein Harz mehr bilden könne. Der Borkenkäfer kann sich so ungebremst unter der Rinde milliardenfach verbreiten.

Regen hat nichts bewirkt

Auch der viele Regen über den Winter bis weit in den Mai habe nichts bewirkt. Hevendehl: „Der Regen geht über die Lenne in die Nordsee und nicht in die Waldböden.“

Als die großen Fichtenbestände in den Jahren zwischen 1920 und 1960 angelegt worden seien, hätten die Menschen „damals alles richtig gemacht.“ Das Holz sei im Bergbau gebraucht worden, von den zukünftigen Gefahren habe man nichts wissen können. 90 Prozent der Erlöse der Forstbetriebe seien bis vor wenigen Jahren aus der Fichte erwirtschaftet worden.

Käfer zerstört bis zu 100 Jahre alte Fichten

Der Käfer hat jetzt diese bis zu 100 Jahre alten Fichten zerstört, junge Bäume haben eine dünnere Rinde, die der Käfer nicht für seine Brut nutzen kann. Hauser: „80 Prozent der Werdohler Fichte ist befallen, tot oder bereits aufgearbeitet.“ Das Aufräumen und Aufarbeiten werde noch weit bis ins Jahr 2022 dauern. Hauser: „Da bleibt nichts übrig.“ Am Scherl und beim Viadukt sowie am Remmelshagen seien die Hänge kahl. „Landwehr und Ennest ist noch viel grün“, so Hauser, „aber das ändert sich.“

Die Stämme am Viadukt sind mittlerweile abgeholt, Äste und Rinden warten noch auf Entsorgung.

Der Laubwald hingegen habe die drei Dürrejahre überstanden, so Hevendehl. Man wisse, dass Baumarten wie Eichen und Buchen mit Trockenheit viel besser zurecht kämen. Es käme deshalb darauf an, die Baumarten anzupflanzen, die das zukünftige Klima ertragen könnten. Diese klimaharten Arten brauchen eine sehr lange Zeit, um zu wachsen und Werte zu bringen.

Wirtschaftsfunktion „für die nächsten 30 Jahre weg“

Hevendahl wurde eindrücklich: „Die Wirtschaftsfunktion des Waldes ist für die nächsten 30 Jahre weg. Es dauert 50 oder 60 Jahre, dann wird sich der Erfolg der Wiederbewaldung einstellen.“ Der richtige Weg sei es aber auch, nur einen Teil wiederzubewalden. Vor allem an Steilhängen und auf wasserlosen Kuppen mache es keinen Sinn, hochwertige Bäume zu setzen. Teilflächen werde man sich selbst überlassen, dort werde sich die Birke von selbst ansiedeln. Die technologische Holzverarbeitung sei die Zukunft, man könne schon Bekleidung und Carbonrahmen aus Holzfasern herstellen.

Wie teuer die Aufforstung werde, fragte CDU-Ausschussmitglied Schürmann. Hevendehl machte eine grobe Rechnung auf: Der Werdohler Wald habe etwa 60 Hektar Kahlfläche, bei der Wiederbewaldung der Hälfte käme man vielleicht auf 150 000 Euro. Das sei angesichts eines 40-Millionen-Euro-Haushalts eine überschaubare Summe, merkte Schürmann an.

Reste werden abgeholt

Nach und nach werden auch die Reste der Kahlschläge abgeholt, so Hauser. Erst nach dem Aufräumen mache es Sinn, die Wege wiederherzustellen. In der Totholz-Steillage oberhalb Ütterlingsen sei man damit beschäftigt, Schneisen zum Brandschutz zu schlagen.

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