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Nach dem Brand: Das sagen Polizei, Versicherung und Feuerwehr

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Von: Volker Griese

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Die abgebrannte Produktionshalle der Firma Kirchhoff am Tag nach dem Brand.
Die abgebrannte Produktionshalle der Firma Kirchhoff am Tag nach dem Brand. © Heyn, Volker

Der Brand in der Härterei Kirchhoff, bei dem in der Nacht zu Sonntag hoher Sachschaden entstanden ist, ist höchstwahrscheinlich nicht auf Vorsatz oder Fahrlässigkeit zurückzuführen. Zu diesem vorläufigen Ergebnis ist die Kriminalpolizei gekommen. Bei der Werdohler Feuerwehr hat derweil die Suche nach der Ursache für den Drehleiter-Streik begonnen.

Werdohl ‒ Das Feuer, das in einem Anlassofen der Härterei an der Straße An der Tumpe entstanden ist, hat in der Nacht zu Sonntag einen fünfstündigen Einsatz von mehr als 60 Feuerwehrkräften aus Werdohl, Altena und Herscheid erfordert. Während sich Werdohler und Altenaer um die Brandbekämpfung kümmerten, stellten die Herscheider den Grundschutz für die Stadt Werdohl sicher, indem sie das Feuerwehrgerätehaus in Eveking besetzten.

Zur Brandbekämpfung hatte die Werdohler Wehrleitung in der Nacht zu Sonntag schon sehr früh auch die Drehleiter der Feuerwehr Altena angefordert. Das war ein Glücksfall, denn die Werdohler Drehleiter versagte während des Einsatzes den Dienst. Sie habe sich noch ausfahren lassen, dann sei aber die Elektronik ausgefallen, beschrieb Feuerwehrchef Kai Tebrün, was passiert war. Im Notbetrieb habe sich der Leitersatz dann zwar wieder einfahren lassen, für den weiteren Einsatz bei diesem Brand sei das Fahrzeug aber nicht mehr infrage gekommen.

Am Montag hat die Feuerwehr dann gleich mit der Ursachenforschung begonnen. Eine Lkw-Werkstatt in Attendorn habe sich der Sache angenommen, aber schnell festgestellt, dass der Hersteller Magirus gefragt sei. „Nun soll am Dienstag ein Monteur kommen, sich die Drehleiter anschauen und vielleicht sogar sofort reparieren“, sagte Tebrün. Derzeit gehe die Feuerwehr davon aus, dass an dem mittlerweile 24 Jahre alten Hubrettungsfahrzeug ein Relais defekt ist.

Bereits in der Brandnacht hatte die Kriminalpolizei ihre Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen. Erste Ergebnisse teilte die Pressestelle der Kreispolizeibehörde am Montag auf Nachfrage mit. Bislang gebe es keine Hinweise auf eine Straftat, teilte Polizeisprecher Christof Hüls mit. Damit scheidet Brandstiftung als Ursache offensichtlich aus. Die Polizei gehe stattdessen von einem technischen Defekt aus, der zu dem Feuer geführt haben könnte, sagte Hüls. Die Versicherung des Unternehmens habe nun allerdings ihrerseits einen Gutachter beauftragt, um dem technischen Defekt, der wahrscheinlich zum Brand geführt habe, auf die Spur zu kommen.

Der Brand von Sonntagnacht war nämlich nicht der erste Zwischenfall. Bereits eine Woche zuvor hatte die Feuerwehr zur Firma Kirchhoff ausrücken müssen, weil in der Abluftanlage ein Feuer entstanden war. Das war allerdings durch die integrierte Löschanlage schnell erstickt worden.

Dass es in Härterei zu kleineren Bränden kommt, ist offenbar auch keine Seltenheit, denn das Härten von Stahl beinhaltet zahlreiche Brandrisiken. Die metallischen Werkstücke werden auf Temperaturen von bis zu 900 Grad Celsius erhitzt und zum Abkühlen in Ölbäder getaucht. Durch die hohe Temperatur der heißen Werkstücke entzündet sich der Öldampf an der Ölbadoberfläche, manchmal kann das dann auch auf andere Anlagenkomponenten übergreifen.

Auch vor fast 20 Jahren hatte es in der Härterei, die 1982 in Altena gründet wurde und 1991 nach Werdohl umgesiedelt ist und damals noch unter Kirchhoff & Müller firmierte, schon einmal gebrannt. Im Mai 2003 war das Feuer in der Absauganlage entstanden, die Feuerwehr hatte es dann mit Kohlendioxid gelöscht, um eine Ölexplosion zu vermeiden. 2008 hatte Kirchhoff dann in eine moderne Härteanlage investiert. In Dresel werden Schrauben, Muttern, Scheiben, Stanz-Biegeteile, Nieten und andere Massenartikel in vollautomatisch gesteuerten Durchlauföfen gehärtet.

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