Betroffener schildert seinen Fall

Nach Coronafall bei Beerdigung im MK: Nur lückenhafte Kontaktverfolgung

Nach der Beerdigung auf dem evangelischen Friedhof in Werdohl kam es zu einem Coronafall - und zu Problemen bei der anschließenden Kontaktverfolgung.
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Nach der Beerdigung auf dem evangelischen Friedhof in Werdohl kam es zu einem Coronafall - und zu Problemen bei der anschließenden Kontaktverfolgung.

Im Zusammenhang mit der Beerdigung in Werdohl, an der möglicherweise mindestens eine mit SarsCov2 infizierte Person teilgenommen hat, sind jetzt neue Informationen aufgetaucht, die kein besonders gutes Licht auf die Kontaktverfolgung werfen.

Zu einigen Teilnehmern der Trauerfeier soll das Gesundheitsamt noch immer keinen Kontakt aufgenommen haben.

Teilnehmer der Beerdigung hatten sich darüber gewundert, dass sie vom Gesundheitsamt des Märkischen Kreises erst mit einigen Tagen Verzögerung darüber informiert worden waren, dass an der Trauerfeier am 9. April eine mit dem Coronavirus infizierte Person teilgenommen hatte.

Nur ein Kugelschreiber für alle Teilnehmer

Einer, der bei der Beerdigung auf dem evangelischen Friedhof dabei war, ist der 41-jährige Christian Meyer aus Werdohl. So, wie er das Geschehen schildert, gibt es Gründe zu der Annahme, dass eine erfolgreiche und lückenlose Kontaktverfolgung schon von Anfang an zum Scheitern verurteilt sein musste. „Abgesehen davon, dass nur ein Kugelschreiber zum Eintragen in die Teilnehmerliste zur Verfügung stand und von allen angefasst werden musste, gab es auch keine Kontrolle, ob sich alle in die Liste eingetragen haben“, berichtet Meyer. Die meisten der etwa 30 Trauergäste hätten sich auch in der Friedhofskapelle aufgehalten, nur wenige draußen.

Was Meyer aber am meisten wundert, ist das Vorgehen des Märkischen Kreises bei der Kontaktverfolgung, nachdem bei mindestens einem der Trauergäste eine Corona-Infektion festgestellt worden ist. Bei einem am 12. April getesteten Beerdigungsteilnehmer aus Attendorn sei eine Covid-Infektion laborbestätigt festgestellt worden, teilte der Kreis Olpe auf Nachfrage der Redaktion mit. Das positive Testergebnis habe am 13. April, also vier Tage nach der Trauerfeier, vorgelegen; ebenso die Liste mit den Teilnehmern der Zeremonie auf dem Werdohler Friedhof.

Gesundheitsämter wurden am 13. April informiert

Noch am selben Tag habe der Kreis Olpe die Informationen an andere betroffene Kreise weitergeleitet. „Wir haben am 13. April per E-Mail die Gesundheitsämter des Märkischen Kreises, aber auch die zuständigen Behörden in Siegen, München und Kiel informiert“, erläuterte Andrea Kramer-Pabst, Sprecherin des Kreises Olpe, das Vorgehen nach Bekanntwerden des sogenannten Indexfalles.

Den Eingang der Information aus Olpe bestätigt auch der Märkische Kreis: „Wir haben am 13. April eine Liste mit zwei Kontaktpersonen der infizierten Person vom Gesundheitsamt Olpe erhalten und diese daraufhin informiert“, erklärte Kreis-Sprecher Mathis Schneider. Außerdem habe das Gesundheitsamt in Lüdenscheid eine Liste der Friedhofsverwaltung für weitere Ermittlungen erhalten.

Tagelang nichts vom Gesundheitsamt gehört

Christian Meyer versichert allerdings, er habe tagelang nichts vom Gesundheitsamt gehört, obwohl die Informationen über das Auftreten des Coronavirus bei der Beerdigung dort schon längst hätten vorliegen müssen. Er selbst habe am 19. April davon erfahren und sich sofort beim Gesundheitsamt gemeldet. „Die haben mich noch bis zum 23. April in Quarantäne geschickt“, berichtet er. Meyer erzählt von „fünf anderen Werdohlern, die an der Beerdigung teilgenommen haben, von denen nur einer in Quarantäne geschickt worden ist“. Drei sollen nach seinen Informationen bis Anfang dieser Woche, also bis 15 Tage nach Bekanntwerden der Infektion, nicht vom Gesundheitsamt kontaktiert worden sein, obwohl sie sich in die Teilnehmerliste eingetragen hätten.

Meyer kann das Vorgehen des Gesundheitsamtes in diesem Fall nicht nachvollziehen. „Egal, wie man zu der ganzen Corona-Sache steht, aber so kriegt man das nicht in den Griff“, würde er sich ein stringenteres Vorgehen bei der Kontaktverfolgung wünschen.

Teilnehmer melden sich selbst beim Gesundheitsamt

Der Märkische Kreis bestätigt derweil, dass sich seit dem 14. April mehrere Teilnehmer der Beerdigung von sich aus beim Gesundheitsamt gemeldet hätten. Durch diese Meldungen und die Kontaktermittlungen seien letztlich acht Personen unter Quarantäne gesetzt worden. „Diese eigenständigen Meldungen sind übliches Prozedere und die Bitte, dass Infizierte ihre Kontakte selbst informieren, hat der Märkische Kreis in der Vergangenheit offen kommuniziert und bittet weiterhin um derartige Mithilfe und Kooperation in der Kontaktnachverfolgung“, verteidigte Kreis-Sprecher Schneider die Arbeitsweise des Gesundheitsamtes. Dass es bei der Kontaktermittlung zu zeitlichen Verzögerungen gekommen ist, begründete er mit einem Aufkommen an Infektionsfällen.

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