Kreisweite Absprache im MK

Nach Corona-Zwangspause: Feuerwehr darf wieder üben

Übung des Löschzuges Eveking im WK-Gebäude. Es galt, eine verletzte Person aus dem vermeintlich brennenden Gebäude zu holen. Nach Monaten der Corona-Zwangspause war dies wieder die erste Übung für die Evekinger.
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Übung des Löschzuges Eveking im WK-Gebäude. Es galt, eine verletzte Person aus dem vermeintlich brennenden Gebäude zu holen. Nach Monaten der Corona-Zwangspause war dies wieder die erste Übung für die Evekinger.

„Das haben sie richtig gut gemacht“, sagte Stadtbrandinspektor Kai Tebrün. In den 70 Minuten zuvor hatte der Leiter der Werdohler Feuerwehr eine Übung des Löschzugs Eveking verfolgt.

Außerdem filmte er die elf Einsatzkräfte mit seinem Smartphone. Das abschließende Lob sprach er jedoch nur leise vor sich. Ihre Männer zu loben stand am Freitagabend den Übungseinsatzleitern Patrik Jelinski und Axel Tebrün zu. Doch auch die machten überaus zufriedene Gesichter.

Gut eine Stunde vorher hatten diese beiden ihre Kameraden davon in Kenntnis gesetzt, dass in diesem Einsatztraining ein Brand im leerstehenden WK-Gebäude am Brüninghaus-Platz simuliert wird. Das vormalige „Werdohler Kaufhaus“ (WK), das im Sommer 2020 geschlossen wurde, verfügt im zweiten Obergeschoss über einen Trakt mit Büroräumen. Dort sollte sich eine vermisste Person befinden. Konkret handelte es sich in diesem Fall um einen 80 Kilogramm schweren Dummy, nicht um einen Menschen.

Übung eine echte Herausforderung

Keiner der an dieser Übung beteiligten Feuerwehrkräfte war zuvor je auf dieser Etage. Wehrleiter Tebrün betonte, „dass das ja auch gut ist, weil das heißt, dass wir da niemals einen Einsatz hatten“. Doch für die Teilnehmer dieser Simulation eines Ernstfalls machte es die Sache nicht einfacher, schließlich sind die Büroräume groß und weit verzweigt. Dort einen Verletzten zu finden, stellte eine Herausforderung dar.

Unter Atemschutz tasteten sich die Einsatzkräfte im WK-Bürotrakt vorsichtig voran.

Zudem wurde eine starke Rauchentwicklung gemeldet. Die Evekinger Brandlöscher waren folglich auf offene Flammen gefasst. Sie gingen durchs Treppenhaus schnurstracks in die obere Etage, ließen die frühere Modeabteilung ebenso links liegen wie den einstigen Lebensmittelbereich.

Schläuche schon mit Wasser gefüllt

Um jedoch auf ein hinter jeder Ecke und jeder verschlossenen Tür möglicherweise lauerndes Feuer vorbereitet zu sein, schleppten sie die Schläuche am Strahlrohr ab der sogenannten Rauchgrenze bereits mit Wasser gefüllt die Stufen hinauf. Kai Tebrün weiß aus eigener Erfahrung: „Die Schläuche leer zu tragen, ist kein Problem. Aber voll wiegen die eine ganze Menge.“

Oben angekommen durchkämmten die Einsatzkräfte die Räume. Andere Feuerwehr-Leute folgten. Der Wehrleiter freute sich über diesen reibungslosen Ablauf: „Wichtig ist ja, dass sie heute Abend lernen, zusammen zu arbeiten, dass die einzelnen Trupps sich gegenseitig unterstützen.“

Die erste Übung seit vielen Monaten

Kai Tebrün wusste, dass diese elf ehrenamtlichen Brandlöscher – wie auch alle anderen in Werdohl – seit vielen Monaten an keiner Übung mehr teilgenommen haben. Corona hatte durch die sonst üblichen Einsatzübungen, die normalerweise an jedem zweiten Sonntag im Monat auf dem Plan stehen, ebenso einen Strich gemacht, wie durch die Arbeitsdienste am Gerätehaus.

Auch kein Bundesliga-Spieler schafft ohne Training ein 90-Minuten-Spiel.

Kai Tebrün, Wehrleiter

Kai Tebrün erläuterte: „Monatelang hat alles flach gelegen. Das Schöne ist jetzt, dass wir die Geräte nun endlich wieder in Ruhe zu Übungsdiensten und nicht nur unter hektischen Einsatzbedingungen in die Hand nehmen können.“ Der übergeordnete Verband der Feuerwehr NRW hatte eine Empfehlung zur Vorgehensweise inklusive Hygienekonzept für Übungen gegeben. Auf Kreisebene haben sich die Wehrleiter in Absprache mit den Kreisbrandmeistern auf eine gemeinsame Vorgehensweise ab Ostern geeinigt. Tebrün sagte: „Zwar verlernt kein Feuerwehrmann die Handgriffe, die er im Ernstfall braucht. Aber auch kein Bundesliga-Spieler schafft ohne Training ein 90-Minuten-Spiel.“

In die Automatismen hineinwachsen

Außerdem war dem Werdohler Feuerwehr-Chef daran gelegen, „dass die jüngeren Mitglieder des Löschzugs einmal wieder mehr eingebunden werden konnten“. Die erfahrenen Kräfte hätten die Abläufe schon verinnerlicht, seien durch die jahrelange Erfahrung gut aufeinander eingespielt. „Die Jüngeren müssen in diese Automatismen noch hineinwachsen.“

Außerdem sei es einfach mal schön, sich außerhalb der Einsätze mal wieder zu sehen. Die Kameradschaft habe durch die Pandemie doch schon arg gelitten. „Persönliche Kontakte sind einfach durch nichts zu ersetzen“, so Tebrün.

Auch der Bürgermeister schaut vorbei

Nach dieser Übung für den Löschzug Eveking fand tags drauf noch eine im WK statt – dieses Mal für den Löschzug Stadtmitte. Auch in diesem Fall nahm nur eine kleine Gruppe an der Übung teil, mehr lässt Corona immer noch nicht zu. Der Löschzug Stadtmitte bekämpfte einen Pkw-Brand im WK-Parkhaus. Zeuge dieses Trainings war auch Bürgermeister Andreas Späinghaus (SPD), der bei dieser Gelegenheit den Wehrkräften seinen Dank aussprach.

Wehrleiter Kai Tebrün filmte die Übung mit dem Smartphone für die Nachbereitung.

Kai Tebrün zeigte sich am Wochenende glücklich, „dass uns der frühere WK-Geschäftsführer Peter Ebener den Hausschlüssel gegeben hat für diese Übungsdienste“. Er argumentierte: „Das Gute an diesem Gebäude ist, dass es so viele Möglichkeiten für uns bietet.“

Der erhoffte Ruf ertönt

Und so trainieren die Werdohler Feuerwehrkräfte – zunächst jedoch nicht die der Jugend- und der Kinderfeuerwehr – wieder ihre Handgriffe. Am Freitagabend erklang schließlich im WK der erhoffte Ruf: „Vermissten gefunden, Person ist ansprechbar!“ Der Dummy wurde kurz darauf auf einer Spineboard genannten Trage fixiert und durchs Treppenhaus ins Freie gebracht.

Die Einsatzkräfte strömten allerdings sogleich wieder ins Gebäude, galt es doch jetzt mit der eigentlichen Feuerlöschung erst zu beginnen. „Erst Menschen retten, dann den Brand bekämpfen“, umschrieb Tebrün einen ehernen Feuerwehr-Grundsatz. Zum Abschluss wurde das Gebäude gelüftet und der Rauch, der aus einer Nebelmaschine kam, konnte abziehen.

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