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Nach Corona-Tiefschlag: So startet eine Firma im MK neu

Chef Joachim Witte schaut mit einem Mitarbeiter in eine für Kunden entwickelte Sondermaschine. Der Maschinen- und Roboterbauer aus Werdohl war wegen der Corona-Krise in die Überschuldung geraten. Die Firma mit ihren 19 Beschäftigten wird aber weitergeführt.
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Chef Joachim Witte schaut mit einem Mitarbeiter in eine für Kunden entwickelte Sondermaschine. Der Maschinen- und Roboterbauer aus Werdohl war wegen der Corona-Krise in die Überschuldung geraten. Die Firma mit ihren 19 Beschäftigten wird aber weitergeführt.

Was haben das Zählwerk im Asthma-Spray, der Deckel von Rama Cremefine, die Drückerkappe für Wella Haarspray, der Leifheit-Wäscheständer oder die Steckerplatine für den Jaguar gemeinsam?

Alle diese Teile werden auf in Werdohl gefertigten Sondermaschinen zusammengebaut. Seit 1999 entwickelt, produziert und vertreibt Joachim Witte Handlingmaschinen am Mühlenweg 20. Wegen der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie geriet die GmbH in die Überschuldung. Ohne Unterbrechung soll es weitergehen, da sind sich Firmenchef und vorläufiger Insolvenzverwalter einig.

Joachim Witte hatte sich nach 15 Jahren als Betriebsleiter bei einer Sondermaschinen-Firma 1999 selbstständig gemacht. Mit zwei Mitarbeitern mietete er vor 22 Jahren die Gebäude am Mühlenweg 20. Ganz früher waren dort die Versevörder Metallwerke angesiedelt, Witte kaufte die Immobilie später von Renault Kolbe. Über zwei Jahrzehnte wuchs das Unternehmen Witte auf rund 30 Beschäftigte. Im Jahre 2000 gewann Achim Witte mit damals 40 Jahren einen Existenzgründerpreis.

Maschinen werden nach Kundenwunsch entwickelt

Die Spezialmaschinen werden nach genauen Vorstellungen der Kunden entwickelt und gebaut. Witte war und ist wichtig, nicht nur für eine Branche zu arbeiten. So ist nur ein Teil der Kunden als Zulieferer für den Automobilbau tätig. Viele Maschinen haben mit dem Kunststoffspritzguss zu tun. Maschinen von Witte montieren Teile aus Kunststoff zu funktionierenden Einheiten zusammen. Deckel für Cremedöschen, das Zusammenstecken von Zahnbürstenteilen, der Zusammenbau von Röhrchen für Nahrungsergänzungsmittel – solche Massen-Prozesse werden mit Maschinen von Witte durchgeführt. Meistens sind das Handling-Prozesse, es gibt aber auch komplexere Roboter, die bei Witte hergestellt werden. Die Abnehmer von Wittes Sondermaschinen sind überwiegend Stammkunden und sitzen überall – in direkter Nachbarschaft ebenso wie in Südamerika oder Russland.

Diese Maschine für ein russisches Unternehmen in St. Petersburg soll Zollplomben montieren. Aus Gründen, die mit der Corona-Pandemie zusammenhängen, konnte die in Werdohl gebaute Maschine seit einem Jahr nicht ausgeliefert werden.

Im Laufe des Pandemie-Jahres 2020 bekam auch Witte negative Auswirkungen zu spüren. Kunden hielten sich mit Aufträgen zurück, weil diese wiederum von ihren Produktherstellern weniger abgerufen wurden. Am Ende des Jahres stellte ein Unternehmensberater fest, dass Sondermaschinen Witte zwar eine positive Fortführungsprognose und Unternehmensbewertung bekam, aber in die Überschuldung geraten war.

Gezwungen, vorläufige Insolvenz anzumelden

Trotz wieder steigender Auftragslage und ohne die Bank um Kredite bitten zu müssen war Joachim Witte gezwungen, vorläufige Insolvenz anzumelden. Zwischenzeitlich hatten einige Mitarbeiter die Firma verlassen, im Augenblick sind bei Witte 19 Leute beschäftigt.

Zu allem finanziellen Übel rauschte im Sommer 2021 auch noch die Flut der Verse durch Fertigung und Lager von Sondermaschinen Witte.

Rechtsanwalt Dr. Dirk Andres von der Hagener Kanzlei Andres und Partner wurde am 14. September 2021 vom zuständigen Amtsgericht in Hagen zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmt. Die Kanzlei bestätigte auf Nachfrage, dass die Löhne und Gehälter durch Insolvenzgeld der Agentur für Arbeit gesichert sind, dass der Betrieb fortgeführt wird und das ein Investor gesucht werden soll.

Witte steigt selbst als Investor ein

Der Investor steht schon fest: Es ist Joachim Witte selbst. In Zusammenarbeit mit der Kanzlei Andres ist geplant, dass der 61-jährige Witte die noch zu gründende Auffanggesellschaft kauft. Die Schulden bleiben bei der insolventen Gesellschaft, so kann der Neustart gelingen. Alle Beteiligten sind zuversichtlich, dass es so weitergehen kann. Angewiesen ist das Unternehmen nun auf die Stammkunden, weiter neue Maschinen bei Witte in Auftrag zu geben.

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