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Nach A45-Sperrung: Neuer Regionalexpress soll für Entlastung sorgen

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Von: Volker Heyn

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Um die überlastete und im Bereich des Rahmedetals gesperrte Autobahn 45 zu entlasten, planen Verkehrsministerium und Nahverkehrsverband eine neue Linie als Regionalexpress 34, der analog zum Intercity 34 stündlich zwischen Siegen und Dortmund durchfahren soll. Fahren soll in jedem Fall die DB Regio, hier im Foto mit Zugmaterial von ehemals Abellio im Werdohler Bahnhof.
Um die überlastete und im Bereich des Rahmedetals gesperrte Autobahn 45 zu entlasten, planen Verkehrsministerium und Nahverkehrsverband eine neue Linie als Regionalexpress 34, der analog zum Intercity 34 stündlich zwischen Siegen und Dortmund durchfahren soll. Fahren soll in jedem Fall die DB Regio, hier im Foto mit Zugmaterial von ehemals Abellio im Werdohler Bahnhof. © Heyn, Volker

Der Nahverkehrsverband Westfalen-Lippe, das Verkehrsministerium NRW und die Deutsche Bahn Regio wollen neue Verbindungen auf die Schienen der Ruhr-Sieg-Strecke bringen, um die im Rahmedetal für mehrere Jahre gesperrte A 45 zu entlasten. Jetzt gibt es erste Details.

Werdohl – Geben soll es einen neuen Regionalexpress 34, der im Stunden-Takt Siegen mit Dortmund verbindet und eine Viertelstunde schneller unterwegs ist als bisherige Verbindungen. Genaueres ist über die öffentlichen Kanäle nicht zu erfahren, dennoch gibt es – wie häufig bei Bahn-Themen – besser informierte Insider.

Zu diesen besser informierten Menschen scheint Patrick Kulhei aus Duisburg zu gehören, der den privaten Bahn-Blog www.nahverkehr-nrw.de betreibt und ganz genau beschreibt, was Landesregierung und der für den Schienen-Nahverkehr zuständige Zweckverband NWL gerade erst aushandeln. Kulhei berichtet detailliert vom RE 34, der ab August zwischen Dortmund und Siegen fahren soll – zusätzlich zum IC 34, der auf derselben Strecke schon seit Beginn des Jahres fährt.

Auch Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) scheint Genaueres zu wissen. Erst vor wenigen Tagen hat er in einem Interview gegenüber der Siegener Zeitung die neue Verbindung ganz konkret für August 2022 angekündigt. Auf Nachfrage halten sich Staatskanzlei und Landes-Verkehrsministerium allerdings zurück, wenn es um genauere Angaben zu der neuen Linie geht. Erst in den nächsten Tagen werde es eine Presseveröffentlichung geben, die möglicherweise Einzelheiten enthält. Laut Ministeriumssprecher Michael Schnitzler arbeite man noch an der „aktiven Kommunikation durch eine Presseerklärung“, in der es darum gehen soll, das „Vorhaben in die Umsetzung“ zu bringen. Es gelte, noch Detailfragen im Hause abzuklären. Hat Ministerpräsident Wüst vielleicht im Eifer des Wahlkampfes Versprechungen abgeben wollen? Oder hat er aus dem Nähkästchen geplaudert? Das bleibt im Unklaren.

Ministerpräsident plaudert in Siegen

Während Hendrik Wüst bekanntlich ein CDU-Politiker ist – und nebenbei vor seinem Amt als Ministerpräsident NRW-Verkehrsminister war – steht oder stand der Duisburger Internet-Blogger Kulhei mit seinen Insider-Informationen zum NRW-Nahverkehr der SPD nahe. In seinem Blog, den er auch über Facebook und Twitter verbreitet, betont Kulhei jedenfalls eine parteipolitische Unabhängigkeit.

Ein Mann, der auf jeden Fall aus erster Hand abgesicherte Informationen zum Nahverkehr auf der Ruhr-Sieg-Strecke hat, ist Uli Beele. Der Sprecher des Nahverkehrsverbandes Westfalen-Lippe (NWL) will aber unter keinen Umständen von einem Starttermin der neuen Linie im August sprechen, noch nicht einmal von einem Wunschtermin. „Vielleicht August, vielleicht“, so lässt sich Beele zitieren: „Auf gar keinen Fall möchten wir das als gegeben ansehen.“

Privater Nahverkehrs-Blog nennt Details: Stündliche Verbindung von Siegen nach Dortmund


Ab August wird es eine stündliche Verbindung von Siegen nach Dortmund und zurück geben. Damit wird die Reisezeit zunächst um 15 Minuten verkürzt, ab April 2023, nach dem Abschluss von Bauarbeiten im Dortmunder Hauptbahnhof, um 23 Minuten.


Die neue Regionalexpress-Linie RE34 soll im Zwei-Stunden-Takt zwischen Siegen und Dortmund fahren. In den Stunden dazwischen verkehrt der Intercity der Deutschen Bahn (IC 34) von Frankfurt kommend über Siegen nach Dortmund.


Der RE 16 fährt nur noch von Essen nach Iserlohn. Fahrgäste, die von Siegen nach Hagen oder Essen wollen, müssen dann in Iserlohn-Letmathe umsteigen. Aktuell gibt es schon auf dem Abschnitt zwischen Iserlohn-Letmathe und Siegen die Anerkennung der Nahverkehrstickets für den IC-Zug. Der Zweckverband möchte darüber mit der Deutschen Bahn sprechen, ob auf der gesamten Strecke bis Dortmund das Nahverkehrsticket anerkannt werden kann.


Mit dem neuen RE 34 und der Verknüpfung in Finnentrop soll auch die Verbindung aus Olpe nach Dortmund beschleunigt werden. Abgestimmt werden soll darauf der ebenfalls neue Schnellbus SB 1 von Olpe über Kreuztal nach Siegen. Ab 2023 soll außerdem ein neuer Regionalexpress RE 55 Meinerzhagen und Hagen verbinden; dort entsteht dann zusammen mit der RB 25 (Köln-Lüdenscheid) und der RB 52 (Dortmund-Lüdenscheid) ein Halbstundentakt.


Patrick Kulhei für www.nahverkehr-nrw.de

Beele bestätigte auf Nachfrage lediglich, dass der NWL mit dem Verkehrsministerium sowie der DB Regio und der DB Netz in Gesprächen sei. Es sei auf jeden Fall richtig, so Beele, dass durch den Nahverkehr auf der Schiene Entlastung für die „Katastrophensituation auf der A45“ geschaffen werden solle. Das sei Wunsch und Ansatz des Nahverkehrsverbands, nicht des Ministeriums. Das Ministerium und damit eben auch der Ministerpräsident unterstütze das Ansinnen des NWL in jeder Hinsicht, also auch in der politischen Kommunikation. „Der Ministerpräsident ist in Siegen forsch in das Thema eingestiegen“, kommentiert Beele.

Der NWL-Sprecher erklärt hingegen anschaulich, dass solche Prozesse in jedem Fall „lange“ dauerten. Bis tatsächlich gefahren werde, vergehe stets viel Zeit. Beele: „Solche Zusatzleistungen können wir nur bestellen, wenn wir auch Zusatzfinanzierungen bekommen. Dafür gibt es aber noch kein Gesetz und keine Verordnung.“ Fertig geklärt sei noch gar nichts, man sei am Anfang der Verhandlungen und Gespräche. Ein erster Entwurf sei gerade eben erst kommentiert vom NWL zurückgeschickt worden, erklärte Beele.

Wenn es denn irgendwann einmal zu guten Ergebnissen dieser Verhandlungen komme, müssen noch die Gremien des NWL zustimmen. Schließlich gebe es nicht nur den Abgleich zwischen Wünschen und Geld, sondern die DB Regio müsse auch betrieblich mit Zügen und die DB Netz infrastrukturell mit Gleisen die Wünsche umsetzen können. Beele betont noch einmal: „Da ist alles im Fluss.“ Das sagt auch ein Bahn-Sprecher: „Wir können da gar nichts bestätigen.“ Die Entscheidungen lägen eben beim Verkehrsministerium und beim NWL.

VRR-Zustimmung steht noch aus

Zwei Riesen-Probleme aus der Vergangenheit gehören auch noch in das Aufgabenheft für den neuen Regionalexpress: Tickets aus dem Nahverkehr wurden bekanntlich erst nach drei Jahren harter Verhandlungen auch im Fernverkehr auf der Ruhr-Sieg-Strecke anerkannt. Das war erst auf dem Klageweg erreicht worden und hatte einer europaweiten Ausschreibung bedurft. Allerdings hatte nur der NWL dies anerkannt, der VRR bislang nicht. Nahverkehrstickets gelten im Intercity deshalb nur bis Letmathe. Auf Druck aus der Landesregierung, so hört man, könnte jetzt auch der bislang widerständige VRR zustimmen. Das ist unbedingt Voraussetzung, weil der zukünftige RE 34 auf derselben Trasse wie der IC 34 fährt und ab Letmathe im Verbandsgebiet des VRR unterwegs ist.

Das andere Riesen-Problem sind die technischen Voraussetzungen bei der DB Netz: Noch längst sind nicht alle Hochwasserschäden beseitigt, RB 91 und IC 34 fahren noch sehr unzuverlässig, außerdem muss für die neue RE-Linie höchstwahrscheinlich noch etwas neu gebaut werden. Ob das alles bis August gelingen kann, erscheint momentan doch sehr unrealistisch.

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