Mysteriöser Bücherfund bei Entsorger Menshen

Diese Bücher wurden angeblich vom Hof der Firma Menshen gerettet, der Werdohler Finder will ungenannt bleiben.

WERDOHL ▪ Auf einem Hof der Werdohler Entsorgungs-Firma Menshen sind vor einigen Tagen vermutlich historisch wichtige Schriften vor der Vernichtung gerettet worden. Diese Nachricht wurde durch freie Journalisten, eine Mailing-Liste und in Internet-Foren von Ahnenforschern breit gestreut.

Die in Zürich lebende Hobby-Genealogin Anne Schulte-Lefebvre mit Wurzeln in Plettenberg hatte im Internet berichtet, dass es einem nicht namentlich genannten Werdohler Mann gelungen sei, Ausgaben der heimatgeschichtlichen Sonderbeilage „Süderland-Heimatland“, Genealogien, Adressbücher des Kreises Altena aus dem 20. Jahrhundert und Chroniken märkischer Städte zu retten.

Die Bücher lagen auf einem riesigen Haufen

Dieser Werdohler schrieb: „Auf dem Hof bot sich ein unbeschreibliches Bild. Hunderte von Büchern lagen auf einem riesigen Haufen, die untersten in einer schwarzen Brühe vom Abspritzen des Hofes. In rund zwei Stunden habe ich mein Auto mit über 400 Büchern beladen.“

Auf Nachfrage bestätigte die Firma Menshen, Container voller Archivmaterial vom Kreisarchiv des Märkischen Kreises bekommen zu haben. Über den genauen Inhalt wise man aber nichts, die Bücher seien auch von einer Lüdenscheider Spedition geliefert worden.

Kreisarchiv hat nur alte

Akten entsorgt

Dr. Christiane Todrowski vom Kreisarchiv in Altena bestreitet vehement, heimatgeschichtlich wichtige Bücher entsorgt zu haben. Es seien lediglich alte Verwaltungsunterlagen in geschlossenen Containern entsorgt worden. Das über hundert Jahre alte Kreishaus könne die Masse an Archivalien nicht mehr tragen.

Diese Aussonderungen beträfen aber auf keinen Fall die in Werdohl angesprochenen Bücher und Bände. Dr. Todrowski wehrt sich gegen den Vorwurf, die Bücher würden aus den Beständen des Kreisarchivs stammen: „Den Band von Schücking und Freiligrath würden wir doch nie aus der Hand geben. Und die Bände Süderland-Heimatland von 1926 bis 1935 hätte ich gerne – bei uns gibt es sie nämlich nicht.“

Woher stammen die Bücher tatsächlich?

Woher die Bücher tatsächlich stammen, die bei der Werdohler Firma gelandet sind, konnte sich Todrowski nicht erklären: „Von uns sind sie definitiv nicht – vielleicht stammen sie aus einer Haushaltsauflösung.“

Auch die Firma Menshen, die Container und Hof zur Verfügung stellte, drückte ihr Bedauern aus, sollten heimatgeschichtlich wertvolle Archivalien zerstört worden sein.

Von Christos Christogeros, Maike Förster und Volker Heyn

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare