Fahrtkartenverkauf

MVG spürt die Pandemie-Folgen

Die Märkische Verkehrsgesellschaft setzt während der Corona-Pandemie zeitweise mehr Busse ein, obwohl die Fahrgastzahlen sinken. Allerdings ist die Entwicklung auch nicht in allen Bereichen rückläufig.
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Die Märkische Verkehrsgesellschaft setzt während der Corona-Pandemie zeitweise mehr Busse ein, obwohl die Fahrgastzahlen sinken. Allerdings ist die Entwicklung auch nicht in allen Bereichen rückläufig.

Kurzarbeit und Homeoffice, Unterrichtsausfall in den Schulen, geschlossene Geschäfte und Gaststätten – die Folgen der Corona-Pandemie waren in den vergangenen Monaten vielfältig. Das hat auch die Märkische Verkehrsgesellschaft (MVG) zu spüren bekommen.

Wenn Menschen seltener zur Arbeit, in die Schule oder zum Shoppen fahren müssen, bleibt das nicht ohne negative Folgen für die Kassen des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV).

Nach den aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes sei das Fahrgastaufkommen im öffentlichen Nahverkehr im vergangenen Jahr um gut ein Drittel zurückgegangen, meldete das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) Anfang April. Und Ingo Wortmann, der Präsident des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), sagte erst vor ein paar Tagen, die Unternehmen verzeichneten aufgrund der zunehmenden Dauer der Pandemie eine Zunahme der Kündigungen von Abo-Kunden.

Auswirkungen in den verschiedenen Nutzergruppen sehr unterschiedlich

Die MVG könne diese Entwicklung im Wesentlichen bestätigten, sagte Jochen Sulies, Pressesprecher des Nahverkehrsunternehmens des Märkischen Kreises und seiner Kommunen, auf Nachfrage. „Auch bei der MVG sind die Folgen der Pandemie spürbar“, teilte er auf Nachfrage mit. Dabei seien die Auswirkungen in den verschiedenen Nutzergruppen aber sehr unterschiedlich.

Einen starken Rückgang gebe es im Bereich des Gelegenheitsverkehrs, also der Fahrgäste, die nur hin und wieder ein Busticket kaufen. Sehr schwankend sei in den vergangenen Monaten der Verkauf der 60plus-Tickets gewesen. „Hier reagiert der Markt sehr sensibel auf die jeweils aktuelle Gefährdung durch die Corona-Pandemie“, begründete Sulies diese Entwicklung beim Verkauf von Fahrscheinen an Senioren. Der Verkauf von Schüler-Fahrkarten, die von den Schulen oder Schulträgern gekauft und berechtigten Schülern zur Verfügung gestellt werden, ist laut Sulies nahezu stabil geblieben. „Im Freiverkauf erhältliche Schülertickets wurden aber weniger verkauft, abhängig davon, ob Präsenzunterricht stattfindet oder nicht“, berichtete der MVG-Sprecher.

Berufstätige nutzen weiterhin die MVG-Busse

Überraschenderweise sind die Ticketverkäufe an Berufstätige trotz Kurzarbeit und Homeoffice weniger stark zurückgegangen als bei den Gelegenheitskunden. „Die Berufstätigen nutzen die MVG weiterhin für ihren Arbeitsweg“, schließt Sulies daraus. In diesem Sektor mache sich bezahlt, dass die MVG trotz geringerer Nachfrage immer sehr sensibel mit Einschränkungen des Fahrtenangebots umgegangen sei und so ihre Kunden mit einer verlässlichen Leistung an sich habe binden können. Trotz zeitweise deutlicher Fahrgastrückgänge um mehr als die Hälfte der üblichen Zahlen fahre die MVG nahezu 100 Prozent ihrer Leistung, teilweise sogar ergänzt um Verstärkerfahrten, um den Fahrgästen ausreichende Abstände in den Linienbussen anbieten zu können, sagte Sulies.

Wie können Verkehrsunternehmen die Einnahmeausfälle verkraften? Die MVG und alle anderen Nahverkehrsanbieter, hinter denen immer Kommunen stehen, werden durch ÖPNV-Rettungsschirme der Länder und des Bundes vor der Pleite geschützt, denn die Politik will die Angebote zur Beförderung mit öffentlichen Verkehrsmitteln weitgehend aufrechterhalten. „Inwieweit der Rettungsschirm ausgleichend wirken kann, ist momentan aber noch nicht absehbar“, ist Sulies mit einer Einschätzung für die MVG vorsichtig. Immerhin hätten Bund und Länder noch gar nicht festgelegt, wie viel Geld sie ausschütten wollen.

Steigende Fahrgastzahlen vor der Pandemie

Für die Märkische Verkehrsgesellschaft sei die Pandemie wie für praktisch alle Unternehmen zur Unzeit gekommen, blickte Sulies noch einmal auf das vergangene Jahr zurück. Das kommunale Nahverkehrsunternehmen im Kreis habe bis Anfang 2020 eine sehr gute Entwicklung der Fahrgastzahlen verzeichnen können. Von solchen steigenden Fahrgastzahlen berichten auch andere Verkehrsunternehmen. Ob die guten Zeiten mit jährlichen Wachstumsraten nach der Corona-Pandemie wieder zurückkehren, ist völlig offen. Klar ist zwar, dass Apotheker, Bäcker und Handwerker gar nicht von zu Hause aus arbeiten können. Aber es gibt Tausende andere Tätigkeiten, die sehr wohl in den heimischen vier Wänden erledigt werden können. Zumindest von dieser Entwicklung wird die MVG nach den bisherigen Erfahrungen in der Pandemie wohl verschont bleiben.

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