Vortäuschen einer Straftat

Muttis Mercedes zerlegt: Werdohler bekommt drei Wochen Arrest

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Werdohl - Verwundert zeigte sich ein 21-jähriger Werdohler im Amtsgericht Altena: „Ich hätte nicht gedacht, dass ich mit meinen Aktionen hier landen würde“, kommentierte er die gegen ihn erhobenen Anklagen.

Dabei war er durchaus vorgewarnt: Am 20. September war er zu 100 Sozialstunden verurteilt worden, weil er bei einer Verkehrskontrolle an der Plettenberger Straße auf dem Motorrad seines Vaters erwischt worden war – ohne entsprechende Fahrerlaubnis. 

Von diesen Sozialstunden hatte er 16 abgeleistet – der Rest stand noch aus. Dazu gab es aber zwei neue Anklagen: Dem Vorwurf, der junge Mann habe durch seine wüste Fahrweise andere Verkehrsteilnehmer auf der A45 gefährdet, ging das Gericht nicht nach. 

Denn ein weiterer Vorwurf wog erheblicher schwerer: Am 1. November hatte der 21-Jährige – vermutlich wegen überhöhter Geschwindigkeit – den Mercedes seiner Mutter an einer Leitplanke an der Neuenrader Straße zerlegt und sich anschließend entfernt. Bei dem Unfall entstand zusätzlich ein Fremdschaden von 4500 Euro. 

Vortäuschung einer Straftat 

Gegenüber der Polizei behauptete er, er habe einem Geländewagen ausweichen müssen, der ihm auf seiner Fahrspur entgegengekommen sei. Das war erfunden, und zu dem Vorwurf des unerlaubten Entfernens vom Unfallort kam jener des Vortäuschens einer Straftat. Den Geländewagen gab es offenbar nicht. „Ich habe die Kurve unbedacht genommen und bin mit der Leitplanke kollidiert“, erklärte der Angeklagte im Gerichtssaal. 

Dass er die Polizei angeschwindelt hatte, erklärte er mit der Geschichte, mit der er seinem Vater den Unfall zuvor plausibel gemacht hatte: „Weil mein Papa neben mir war, habe ich es den Polizisten genauso erzählt, wie ich es ihm erzählt hatte.“ 

Vergebliche Bewerbungsschreiben, keine berufliche Perspektive und die Playstation-Spielekonsole als zentraler Lebensinhalt: Der 21-Jährige sah selbst, dass er sein Leben „in den Griff“ bekommen muss. „Ich habe etwas gebraucht. Ich will es jetzt nicht ,Arschtritt’ nennen“, scheute er das böse Wort. 

Drei Wochen Dauerarrest 

Als erste Maßnahme setzte Richter Dirk Reckschmidt den zuvor bereits schriftlich angeordneten Entzug der Fahrerlaubnis durch. Da die verordneten Sozialstunden nur zögerlich abgeleistet worden waren, setzte er im Urteil auf eine andere Sanktion. 

Er verurteilte den 21-Jährigen, der sich nachdrücklich für das Jugendstrafrecht empfohlen hatte, zu einem Dauerarrest von drei Wochen. Diese Gesamtstrafe erspart dem Angeklagten immerhin die Ableistung der ausstehenden Sozialstunden. Er kann das Urteil aber auch im Landgericht überprüfen lassen.

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