Der mutige Schüler lernt schneller

Schwimmgehilfe Peter Meier bringt seinen Schützlingen während der Osterferien das Schwimmen bei.

WERDOHL ▪ Angst vor dem Wasser haben die zwei Dilaras, Joshua und Ömer jetzt nicht mehr. Beherzt springen die sechs- bis zehnjährigen Schwimmschüler ins kühle Nass – sie wissen, dass ihnen nichts passieren kann, denn die Schwimmgürtel sitzen stramm um den Bauch. Der Nichtschwimmerbereich ist für die vier Kinder in ihrer siebten Schwimmstunde mittlerweile tabu – mutig ziehen sie nun ihre Bahnen über die Tiefe hinweg. Damit hat die vierköpfige Gruppe einen großen Schritt gemacht, denn Angst vor Wasser und der Tiefe sind die Hauptfaktoren weshalb so viele Menschen Nichtschwimmer bleiben.

Und diese Tendenz nimmt zu, wie Schwimmmeistergehilfe Peter Meier feststellt. „Früher hieß es, wer in die Schule kommt, soll wenigstens das Seepferdchen-Abzeichen haben. Das ist heute nicht mehr so. Es können weit weniger Kinder schwimmen, als noch vor 10 oder 15 Jahren.“

Und das hat Auswirkungen. Ein Kreislauf kommt in Gang. Meier: „Auch die Zahl der Erwachsenen, die nicht schwimmen können, steigt. Und die wiederum können dann ihren Kindern das Schwimmen nicht beibringen.“ Der Schwimmmeistergehilfe blickt weit zurück und kann sich lediglich nur an einen Vater erinnern, der im Werdohler Hallenbad seinem Kind das Schwimmen beibrachte. „Viele haben auch einfach nicht mehr die Zeit und Nerven, ihren Kindern etwas beizubringen“, vermutet Meier. Diese Aufgabe allerdings allein den Schulen zuzuschieben, davon hält er nichts: „Wenn zu uns ein Lehrer mit 20 Kindern kommt, wie soll er das denn leisten. Schulen sind vom Personal gar nicht dazu ausgelegt ihren Kindern das Schwimmen beizubringen.“

Diese motorische Fähigkeit zu erlernen bleibt also Privatsache und fällt im Kindesalter, wie viele andere Bereiche auch, leichter und kann im Notfall lebensrettend sein. „Kinder lernen um einiges zügiger als Erwachsene. Die muss man schon eher mal zu etwas überreden“, bestätigt Meier, der seit zwei Jahren Schwimmkurse für Klein und Groß im Werdohler Hallenbad anbietet. „Zwar lernt der Mutige schneller, aber zu viel Übermut ist wiederum auch nicht gut“, weiß er. Genauso verhalte es sich zwar auch mit der Angst – doch wer sich für einen Kursus anmelde, habe den ersten Schritt bereits getan und werde von der Gruppe mitgezogen. So wie die beiden Dilanas in Meiers aktuellem Kursus. Joshua und Ömer haben in den vergangenen Wochen gelernt, sich selbstständig im Wasser zu bewegen, die zwei Mädchen sind sichtlich vom Ehrgeiz gepackt und wollen es den zwei Jungs möglichst schnell gleichtun. ▪ sr

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