Gedenken

Nach Anschlag auf Moscheen: Muslime in Werdohl trauern um Tote in Christchurch

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Werdohler Muslime beten in der Eyüp-Sultan-Moschee der Ditib an der Freiheitstraße. Dieses Foto entstand im Fastenmonat Ramadan im vergangenen Sommer.

Werdohl - Werdohler Muslime haben bereits am vergangenen Freitagabend der 50 Todesopfer des Überfalls auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch gedacht. In den drei Moscheen von Ditib, IGMG und VIKZ wurden Erklärungen der jeweiligen Dachverbände vorgetragen.

Die Imame brachten gemeinsam mit den Gläubigen in den Gottesdiensten Trauer und Sorge zum Ausdruck. Allah wurde angerufen, den Seelen der Verstorbenen gnädig zu sein und deren Angehörigen Kraft zu geben. 

Auf Nachfrage der Redaktion entstand am Dienstagabend eine gemeinsame Erklärung des Rates der muslimischen Gemeinden Werdohls, unterzeichnet von deren Sprechern Fahrettin Alptekin (Ditib) und Recep Esmer (IGMG). 

Wunsch nach gemeinsamer Aktion

Für die größte islamische Gemeinde Werdohls sprach der Werdohler Ditib-Vorsitzende Fahrettin Alptekin mit unserer Redaktion. Nach seiner Auffassung wäre es wünschenswert gewesen, wenn es eine gemeinsame Aktion aller Gläubigen in Werdohl, also auch von Protestanten und Katholiken, gegeben hätte. Die muslimischen Gemeinden hätten offiziell keine Solidarität von den christlichen Werdohler Gemeinden erfahren. „Wir haben doch nur einen Gott“, sagte Alptekin. 

Er betrachte den Anschlag von Christchurch als einen Terroranschlag auf die gesamte Menschheit. Überall gebe es Fanatiker und Gewalttäter. Die Ditib-Gemeinde sei ein Teil der deutschen Gesellschaft, deshalb müsse auch die Gemeinde vom Staat geschützt werde. Er habe erwartet, dass sich die Polizei deshalb melde. 

"Schockiert über den Anschlag"

Alptekin teilt die Erklärung seines Ditib-Bundesvorstandes: „Die Ditib zeigt sich schockiert über den Anschlag. Dieser islamfeindliche Terrorakt ist höchstgradig verstörend für Moscheegemeinden weltweit. Daher sind die Sicherheitsbehörden weltweit in besonderer Verantwortung, die Sicherheit der Moscheen und Muslimen sicherzustellen“, forderte Ditib-Bundesvorsitzender Kazim Türkmen. 

Die Anteilnahme von Bundeskanzlerin Angela Merkel habe ihm gut getan, so Alptekin gegenüber unserer Redaktion. „Was allerdings Innenminister Seehofer gesagt hat, reicht mir nicht aus.“ 

Opfer in das Freitagsgebet eingeschlossen

Der Werdohler Ditib-Imam Özgur Yalci spricht bekanntlich kein Deutsch, er habe die getöteten Muslime in Neuseeland in das Freitagsgebet der Werdohler eingeschlossen. Alptekin betonte die Friedlichkeit der Muslime: „Wo wir leben, wollen wir in Frieden leben.“ 

Die zweitgrößte Gemeinschaft von Muslimen in Werdohl, die Islamische Gemeinde Milli Görüs (IGMG) an der Altenaer Straße, gedachte am Freitag der Gewaltopfer in Neuseeland. Imam Metin Kaplan und Vorsitzender Recep Esmer beschäftigten sich mit den Worten des deutschen IGMG-Vorsitzenden Kemal Ergün. Ähnlich wie die Ditib-Gemeinde betonte die IGMG eine gesamtgesellschaftliche Geschlossenheit. 

Ergün sieht den Staat gefordert

„Wir werden nicht zulassen, dass Terror sein Ziel erreicht. Wir werden gesamtgesellschaftlich noch mehr Geschlossenheit und Zusammenhalt demonstrieren. Der Staat ist aufgefordert, die Sicherheit zu gewährleisten“, erklärte Ergün. „Wir verurteilen diese Gewalt auf das Schärfste. Es ist höchste Zeit, den weltweit grassierenden Rechtsextremismus im Allgemeinen und die Islamfeindlichkeit im Besonderen ernst zu nehmen. Immer häufiger werden Muslime Opfer von gewalttätigen Übergriffen – auch in Europa. Gleichzeitig beobachten wir eine allgemeine Gleichgültigkeit gegenüber Islamfeindlichkeit.“ 

Kurz und knapp blieb Fatih Yildirim, der deutsche Imam der kleinen Gemeinde am Eggenpfad. Yildirim hatte nach dem Freitagsgebet die Erklärung des Verbandes der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) verlesen. Yildirim sagte: „Wir verurteilen den feigen Anschlag auf die zwei Moscheen in Neuseeland. Möge Allahu Teala die Getöteten mit seiner Barmherzigkeit aufnehmen. Wir wünschen den Verletzten schnelle Genesung und den Hinterbliebenen unser herzliches Beileid, Geduld und Ausdauer.“

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