Für Muslime beginnt heute die Fastenzeit

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Berichteten über die bevorstehende Fastenzeit: Hodscha Abdullah Özmen und Dolmetscher Selattin Alptekin.

WERDOHL ▪ Heute beginnt die islamische Fastenzeit – auch für die in Werdohl lebenden Muslime. Sie ist der dritte von fünf Grundsteinen des Islams: 1. sich zu Gott bekennen, 2. beten, 3. fasten, 4. einmal im Jahr den Armen etwas spenden und 5. soll jeder, sofern er finanziell und körperlich dazu in der Lage ist, mindestens einmal im Leben nach Mekka pilgern.

Der Ramazan (im arabischen Sprachgebrauch: Ramadan) dauert bis zum 18. August.

Von Michael Koll

„Jedes Jahr beginnt die Fastenzeit zehn Tage früher“, verrät Hodscha Abdullah Özmen von der Ditib-Gemeinde. So soll jeder Moslem einmal in seinem Leben Ramazan in jeder Jahreszeit durchlebt haben. Am 19. August beginnt in diesem Jahr also die dreitägige große Feier Bayram, das Zuckerfest.

„In der Fastenzeit wird der Koran viel intensiver gelesen und übersetzt“, erklärt der Geistliche. Die rund 600 Seiten des Korans werden von jedem Gläubigen in diesem Monat komplett gelesen – „von der ersten bis zur letzten Seite“. Der Hodscha erklärt: „Die Fastenzeit vermittelt auch, dass das ‘Nein’-Sagen, der Verzicht, etwas sehr Schönes ist.“ Der Körper werde zudem im Ramazan gereinigt. Dolmetscher Selattin Alptekin erinnert sich an eigene Fastenzeiten: „Ich fühlte mich nach diesen vier Wochen immer wohler als zuvor.“

Ausgenommen von der Pflicht zum Ramazan sind Kinder, Kranke und Gebrechliche, außerdem Schwangere und stillende Frauen sowie Menschen, die sich auf Reisen befinden. Fasten bedeutet aber keineswegs Hungern. „Gegessen werden darf in der Zeit von Sonnenuntergang bis -aufgang“, erklärt Alptekin. „Deshalb ist es im Winter ja auch viel einfacher. Dann wird es früher dunkel.“

Einfacher sei die Zeit des Ramazan unterdessen auch in der Türkei: „Da weißt du, der andere hat auch Hunger.“ In Deutschland dagegen würden andere essen, an jeder Straßenecke dufte ein Imbiss nach frisch zubereiteten Speisen. Das sei dann manchmal schon hart.

Ab einem Alter von etwa 14 Jahren würden Heranwachsende an die Fastenzeit heran geführt. „Ich persönlich habe meinen ersten vollkommenen Ramazan mit 17 Jahren erlebt“, erinnert sich Alptekin. Heute faste er nicht mehr so streng. Im harten Berufsalltag fehle ihm dann einfach die Kraft.

Für jeden bekennenden Moslem ist Ramazan indes schon eine Pflicht. Der Hodscha hebt allerdings hervor: „Der Islam beruht auf Freiwilligkeit – nicht auf Zwang.“ Nicht zu fasten betrachte er aber schon als Sünde. „Der Prophet Mohammed sagt: Wer fastet kommt Gott näher.“ Doch eines sei klar: „Wir wollen damit niemanden beeindrucken. Deshalb stellen wir Ramazan auch nicht so heraus.“ Die islamische Fastenzeit ist in Deutschland keineswegs so präsent wie Weihnachten – für den Hodscha „nicht so schlimm“. Ihm sei bewusst: „Der Islam ist den Deutschen immer noch sehr fremd.“

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