Musikschule soll sparen - Angebot wird leiden

+
Martin Theile warb für die Musikschule.

Werdohl - Die Musikschule schließen oder die Grundsteuer erhöhen: Das sind zwei der Alternativen, die die Stadtverwaltung am Montagabend dem Kulturausschuss vorschlug. Am Ende wird die Lösung wahrscheinlich weniger drastisch ausfallen.

 Aber das derzeitige Angebot der Musikschule kann nicht aufrechterhalten werden, wenn Werdohl gleichzeitig seine Sparziele erreichen soll.

Einen Zuschuss in Höhe von 98.000 Euro sieht der städtische Haushaltsentwurf für das Jahr 2015 für die Musikschule Lennetal vor. Tatsächlich müsste Werdohl aber gut 103.000 Euro beisteuern. Rund eine Stunde lang diskutierten die Mitglieder des Kulturausschusses gestern Abend darüber, wie die Differenz von 5000 Euro aufzubringen sei.

Die Verwaltung hatte zu diesem Tagesordnungspunkt eine umfangreiche Tischvorlage mitgebracht – mit mehreren Handlungsalternativen, allerdings ohne den sonst üblichen Beschlussvorschlag. „Das ist sehr ungewöhnlich“, sagte SPD-Ratsherr Volkmar Güldner-Rademacher irritiert. Ob es denn noch keine Tendenz gebe? Offenbar ging es am Montag aber erst einmal darum, Ideen und Lösungsvorschläge zu sammeln. Musikschulleiter Martin Theile war als Sachverständiger eingeladen, um Einsparpotenziale aus Sicht der Musikschule vorzustellen. Theile hielt ein flammendes Plädoyer für seine Einrichtung, warb für die Musikschule als Kulturträgerin, Vermittlerin sozialer Kompetenzen und als Ausgleich zu einer sonst „rein kognitiven Welt“.

Die Schule habe gerade erst ihre Gebühren erhöht und stehe im regionalen Vergleich an der Spitze; eine weitere Erhöhung sei derzeit ausgeschlossen. Auch andere Stellschrauben wie einen Austritt aus dem Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes schloss Theile aus. Letztlich könne die Musikschule nur im Kernbereich – dem Instrumental- und Vokalunterricht – sparen. Rund fünf Jahreswochenstunden müsste die Einrichtung streichen, um auf die benötigte Sparsumme von 5000 Euro zu kommen. Rund 15 Schüler müssten die Musikschule dann zum 1. Januar verlassen – auch das stellte für Martin Theile erkennbar keine wirkliche Option dar.

„Ich sehe im Moment nicht den Lösungsansatz“, reagierte CDU-Ratsherr Detlef Seidel auf Theiles Vortrag. „Ich auch nicht“, antwortete der Musikschulleiter. „Also im Grunde soll alles so bleiben und wir müssen gucken, wo wir das Geld herholen“, fasste Seidel zusammen.

Nach langem Hin und Her einigten sich die Ausschussmitglieder darauf, es bei den veranschlagten 98.000 Euro im Werdohler Haushalt zu belassen. Die Differenz könnte aus einer Erbschaft querfinanziert werden, die der Musikschule zugedacht ist. Bis zum nächsten Kulturausschuss und der Ratssitzung am kommenden Montag sollen die Fraktionen Gelegenheit haben, das Thema zu beraten. - Von Constanze Raidt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare