„Musikschulleitung muss neue Vorschläge erarbeiten“

Werdohl - CDU-Ratsherr Manfred Buchta brachte es auf den Punkt: „Wir suchen einen Mittelweg, den wir uns gerade noch leisten können.“ Natürlich wolle keine einzige Ratsfraktion die Musikschule schließen, beruhigte der Kulturausschuss-Vorsitzende Dirk Middendorf Musikschulleiter Martin Theile. „Aber wir müssen das Sparziel erreichen.“

Genau genommen wird das Sparziel schon durch den aktuellen Haushaltsentwurf für 2015 verfehlt. Dieser sieht einen Zuschuss in Höhe von 98.000 Euro vor (wir berichteten). 89.300 Euro waren ursprünglich angedacht. Aber als der Haushaltsplanentwurf erstellt worden sei, habe sich schon angedeutet, dass die Musikschule mehr Geld brauchen würde, sagte Fachbereichsleiter Michael Grabs. Aus dem allgemeinen städtischen Haushalt steuere Werdohl die zusätzlichen knapp 9000 Euro bei. Was jetzt noch fehle, müsse die Musikschule einsparen.

Einer der Hauptgründe für den erhöhten Geldbedarf ist der neue Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst (TVÖD), nach dem auch die Musiksschullehrer bezahlt werden. Um drei Prozent sind die Löhne und Gehälter im März gestiegen. Ab März 2015 stehe eine weitere Erhöhung um 2,4 Prozent an, heißt es in der Verwaltungsvorlage. Diese „beeinflussen die Personalkosten und damit den Zuschussbedarf erheblich“. Konkret heißt das: Im laufenden Jahr sind die Personalkosten um 21.270 Euro gestiegen, 2015 kommen 17.500 Euro dazu.

Schon seit zwei Jahren begleite auch die Gemeindeprüfungsanstalt (GPA) die Musikschule. Sie untersuche zum Beispiel, welche Konzepte in anderen Städten funktionierten und ob diese auch für die Musikschule Lennetal in Frage kämen. „Es gibt aber noch keine endgültigen Ergebnisse“, teilte Grabs mit. Schließlich lasse sich auch nicht alles eins zu eins übertragen. So habe die GPA vorgeschlagen, die nach TVÖD festangestellten Musiklehrer durch Honorarkräfte zu ersetzen. In einer Großstadt mit einer Universität und Musikhochschule sei das durchaus machbar, sagte Grabs. Aber in einer Stadt wie Werdohl funktioniere dieses Modell nicht.

„Es ist im ländlichen Raum sowieso schon schwierig, Musiklehrer zu finden“, sagte auch Martin Theile während der Ausschussitzung am Montagabend. Streiche die Musikschule die Festanstellung, „besteht die Chance, dass wir den Teufel mit dem Beelzebub austreiben“. Außerdem gehe erst im Jahr 2023 der nächste Lehrer in Rente – für den städtischen Haushalt der kommenden Jahre bringe diese Maßnahme also sowieso nichts.

„Die Musikschule könnte die Stunden, die wir uns nicht mehr leisten können, über die Volkshochschule laufen lassen“, schlug Michael Grabs vor. Theile wirkte nicht angetan. Zwar will die Musikschule demnächst Unterricht über das VHS-Programm anbieten. Dieser wäre auch zu 100 Prozent kostendeckend, weil in jedem Kurs acht bis neun Teilnehmer säßen. Aber das sei kein Ersatz für regelmäßigen Einzel- oder Kleingruppenunterricht. „Die Verwaltung kann nichts Passendes vorschlagen“, fasste Grabs zusammen. „Die Musikschulleitung muss neue Vorschläge erarbeiten.“ - Von Constanze Raidt

Rubriklistenbild: © dpa

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